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Brandenburg an der Havel
Podiumsdiskussion am Runden Tisch 2.0

Erhard Herrmann / 05.12.2019, 11:29 Uhr
Brandenburg "Wir bleiben hier!" Nicht jeder wollte nach dem Fall der Mauer seiner alten Heimat den Rücken kehren. "Es galt, das weitere Zusammenleben zu organisieren. Die Menschen wollten und mussten aktiv an der politischen Gestaltung ihrer Gesellschaft teilnehmen. Auch um neue Strukturen zu schaffen", erklärte Dr. Helmut Schliesing, Vertreter der SPD und erster Nachwende-Oberbürgermeister (OB). Überall wurden daraufhin sogenannte "Runde Tische" aufgestellt, an denen die Bürger selbstbewusst Parteifunktionäre, Kommunalpolitiker und Betriebschefs zur Rede stellten. Basisdemokratische Parteien und unabhängige Bürgerinitiativen schossen aus dem Boden – auch in Brandenburg an der Havel.

Im Ratskeller des Altstädtischen Rathauses erinnerten Zeitzeugen in der Podiumsdiskussion  "Runder Tisch 2.0" an die Geschehnisse von damals. Moderiert wurde die Veranstaltung von Dr. Ellen Ueberschär, Theologin und Mitglied Domkapitel des Brandenburger Doms. Am 14. Dezember 1989 griff der ökumenische Vorbereitungskreis der "Gebete für unser Land" die Idee des Runden Tisches als Dialogforum der politischen Wende auf. Es waren die Dompfarrerin Cornelia Radeke und der Kaplan der Heiligen Dreifaltigkeit, Bernd Krause, die in den Räumen der katholischen Gemeinde Heilige Dreifaltigkeit zu ersten Gesprächen eingeladen hatten.

Beteiligt waren die evangelische Kirche mit Horst Bösler und Hans-Ulrich Schulze, die katholische Kirche mit Dr. Peter Strobach und Norbert Zimny, das Neue Forum mit Bertram Althausen und Jan Herrmann, die SDP/SPD mit Manfred Otto und Dr. Helmut Schliesing, die SED-PDS mit Horst Lange und Volkmar Seidel, die DBD mit Martina Willfahrt und Harry Grunert, die LDPD mit Hans-Jörg Follmer und die NDPD mit Wolfgang Gläser. Anlässe und Themen waren die Sorge um die Situation der Stadt wie beim Gesundheits-,  Bau- und Finanzwesen, bei der Stadtplanung und -sanierung oder allgemeinen Sicherheit.

Erstmals verhandelte die SED-Diktatur dort auf Augenhöhe mit der DDR-Bürgerbewegung. Kein leichtes Unterfangen, denn die SED/PDS-Vertreter versuchten über viele Mittel, sich das Zepter nicht aus der Hand nehmen zu lassen. Zudem schwebte über allen das Damoklesschwert einer "Chinesischen Lösung". "Natürlich spielte die Angst bei den Gesprächen und Verhandlungen immer noch eine große Rolle", erinnerte sich Bertram Althausen (fr. Jugendpfarrer und Vertreter des Neuen Forums). Das Misstrauen war groß – auf beiden Seiten. "Obwohl wir als Polizei noch feste Strukturen hatten, war für uns die Situation ebenso schwierig. Zum Glück entwickelten sich sachliche Gespräche. Zumal wir die Aufgabe hatten die vollgepackten Waffenkammern der Kampfgruppen vor unberechtigten Zugriff zu schützen", so der damalige Polizeichef Norbert Langerwisch.

Gelobt wurden von den Gesprächspartnern die damaligen Moderatoren der Kirchen, die sehr um Ausgleich und Lösungen bemüht gewesen waren. "Alle wollten letztendlich aber die D-Mark haben", Cornelia Radeke-Engst (fr. Dompfarrerin und Leitung Runder Tisch) resümierte, dass der Reformwille zur Neugestaltung der DDR zu schnell verschwand und die Wiedervereinigung Deutschlands der Mehrheitswunsch wurde.

Insgesamt tagte der Runde Tisch für Brandenburg an der Havel zwischen Dezember 1989 und April 1990 achtmal. Die Kompetenzen der Runden Tische waren unterschiedlich und meist nicht sehr weitreichend. Es gelang aber manchen Runden Tischen ihren Einfluss im Laufe der Zeit auszubauen.

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