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Geheimnisse des Brandenburger Doms
Kunstvoller Schnitzaltar bezeugt die Herrschaft Karl von Böhmens

Der Böhmische Altar im Brandenburg Dom ist weit über 600 Jahre alt.
Der Böhmische Altar im Brandenburg Dom ist weit über 600 Jahre alt. © Foto: Domstiftsarchiv
Dr. Rüdiger von Schnurbein / 01.06.2020, 04:15 Uhr
Brandenburg Die Dominsel ist ein wunderschönes Stück Brandenburg, der Dom ein herausragendes Bauwerk – entstanden ab dem 11. Oktober 1165 (Grundsteinlegung) auf geschichtsträchtigem Boden. Die Havelinsel war Standort für eine slawische Niederungsburg und sie wurde zur "Wiege der Mark Brandenburg". Denn: "Hier gründete König Otto I. im Jahr 948 das Bistum Brandenburg", ist auf www.dom-brandenburg.de nachzulesen. Die Gründungsurkunde wird im Dom aufbewahrt, wie so viele Schätze. "Die qualitätsvollen Kunstwerke stammen aus allen Epochen vom Mittelalter bis ins 20. Jh.", heißt es auf der Internetseite des Domes, der nach der Corona-Schließzeit seit 3. Mai wieder für Gottesdienste, Besichtigungen, Fürbitten und stille Momente geöffnet ist (Mo-Sa 11-17 Uhr, So 12-17 Uhr). BRAWO hat die "Schatzkiste Dom" längst geöffnet und stellt ein Jahr lang jede Woche einen Schatz vor. Um Vorfreude auf einen nächsten Besuch zu schüren sowie auch den Stolz der BrandenburgerInnen.

Karl von Böhmen (1316–1378), der spätere Kaiser Karl IV., regierte seit 1373 die Mark Brandenburg. Sie spielte in der ehrgeizigen Europapolitik der Dynastie der Luxemburger, die das böhmische Königshaus stellte, eine wichtige Rolle. Zahlreiche wichtige Handelsrouten durchzogen das Land. Außerdem wählte der Brandenburger Markgraf als einer der sieben Kurfürsten den Kaiser. Die böhmische Ära wirkt in der Rückschau als Blütezeit der Kunst.

Gezielt nutzte Karl IV. die Kunst seiner Zeit als Herrschaftsinstrument. Überall sollten Kunstwerke seine Herrschaft deutlich machen. Das bekannteste Werk aus dieser Zeit ist der Böhmische Altar im Brandenburger Dom, ein Schnitzaltar aus der Zeit um 1375/80. Ursprünglich schmückte das Retabel den Hochaltar des Domes.

Seine Flügel waren zweimal klappbar und umschlossen einen hölzernen Schrein. Im Zentrum thronen die gekrönte Maria, die betend ihre Hände vor der Brust verschränkt, und Jesus Christus mit der Weltkugel in seiner linken Hand, seine Mutter mit der rechten segnend. Augustinus, Petrus, Paulus und Andreas vervollständigen die zentrale Darstellung. Im unteren, heute leeren Fach standen früher vermutlich Kelche oder Reliquiare, also wertvolle Gefäße, in denen Reliquien aufbewahrt oder gezeigt wurden. Wurde der Altar zur Messfeier geöffnet, so war das Altargerät, das der Priester während des Gottesdienstes benötigte, gleich greifbar. Die Flügel des böhmischen Altars sind mit Blattgold belegt und zeigen jeweils 14 Heiligenfiguren in einer gotischen Spitzbogenarchitektur. Die bemalten Tafeln an der Unterseite der Flügel umschlossen einst den unteren Teil des Schreins. Ihre sehr detailreichen und lebendigen Malereien zeigen Szenen aus den Lebensgeschichten der Dompatrone Petrus und Paulus. Links vom Betrachter aus wird die biblische Geschichte vom "Sinkenden Petrus" dargestellt. Petrus, der im See Genezareth zu versinken droht, bittet Jesus um Hilfe. Dieser kritisiert seinen zweifelnden Jünger, rettet ihn aber. Die Bilder rechts vom Betrachter zeigen die Wandlung des Saulus zum Paulus (Apostelgeschichte 9): Der Jude Saulus befindet sich auf dem Weg nach Damaskus, um dort die christliche Gemeinde zu verfolgen. Vor Damaskus, so erzählt es die Apostelgeschichte, wird Paulus von einem Licht umflutet. Auf dem Altarbild erscheint im Licht eine Gestalt, die Gott darstellt. Gott selbst fragt: "Saulus, Saulus, warum verfolgst Du mich?" Saulus bekehrt sich aufgrund dieser "Damaskuserfahrung" und lässt sich auf den Namen Paulus taufen. Die detailreiche Malerei zeigt tumultartig stürzende Pferde, die Soldaten unter sich begraben, und den reitenden Saulus mit dem Schwert in der Hand.

Aus dem Umfeld Karls IV. stammen nicht nur der Altar, sondern auch wertvolle Gewänder, die ältesten im umfangreichen Brandenburger Textilschatz. Es handelt sich um eine Dalmatik und ein Subtile, also um Messgewänder eines Diakons bzw. Subdiakons. Beide wurden aus rotem Samt geschneidert. Ursprünglich dienten sie als profane Gewänder für Personen im königlichen Umfeld, wie die rote Farbe vermuten lässt. Bemerkenswert sind die Aufsätze aus gemustertem Goldstoff, die die Ärmel, Säume sowie die Brust und den Rücken zieren. Sie stammen aus dem Fernen Osten und waren so kostbar, dass man geistliche Gewänder mit ihnen schmückte.

Ein mächtiger Parteigänger Karls war der Brandenburger Bischof Dietrich von der Schulenburg (Bischof von 1366 bis 1393), der neben seinem geistlichen Amt auch politische und diplomatische Dienste für den Kurfürsten versah. Er bereitete auch Karls Machtübernahme in der Mark vor. Auf seinem Grabstein ließ sich Dietrich als mächtiger Kirchenfürst adeliger Herkunft darstellen. Er trägt seinen Bischofsornat, hält Krümme und Buch in seinen Händen und steht auf einem Löwen. Links und rechts vom Haupt des Bischofs schwebt je ein Engel aus einer Wolke herab.

Beide Kunstwerke, der Altar und der Grabstein stehen heute im südlichen Querhaus der Domes.

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