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Vortrag
Schützenwerte Vogelarten im Fokus

Imposant: Eine Schleiereule mit ausgebreiteten Flügeln zieht vondannen.
Imposant: Eine Schleiereule mit ausgebreiteten Flügeln zieht vondannen. © Foto: privat
Silvia Passow / 05.04.2018, 21:21 Uhr
Falkensee (MOZ) Rund 30 interessierte Zuhörer fanden sich jüngst im Johannes R. Becher Haus ein, um sich dort über die Arbeit des NABU zu informieren. Seit drei Jahren kümmert sich der passionierte Naturschützer Konrad Bauer um die Brutplätze von Schleiereulen, Turmfalken und Dohlen im Osthavelland. Bauer und seine zwei Mitstreiter nutzten zunächst die Gunst der Stunde, um neue Mitstreiter zu werben. Dazu hat er, erklärte er augenzwinkernd, extra einen Eignungstest entwickelt. Er lud die Anwesenden ein, diesen zu nutzen und versprach schon mal vorab: "Geeignet ist jeder."

Nun ja, schwindelfrei sollte man für die Arbeit vor Ort sicherlich sein. Denn die Vögel um die es hier geht, haben durchaus gewisse Ansprüche an ihren Nistplatz. Hoch oben sollte er sein, ungestört vor menschlichen Einflüssen und räuberischen, tierischen Besuchern, wie dem Marder. Und handwerkliches Geschick wäre auch von Vorteil. In den letzten drei Jahren haben Bauer und sein Team an 53 verschiedenen Orten im Osthavelland 75 Nistkästen eingebaut. Dafür haben sie etwa 8.000 Stunden Arbeit abgeleistet und sind rund 6.300 Kilometer durchs Land gefahren. Sie suchen Kontakt zu Kirchengemeinden, verhandeln mit Besitzern von Trafotürmen, sprechen mit Landwirten, deren Scheunen nicht selten auch einen hervorragenden Brutplatz für Schleiereule und Co abgeben würden. Doch wer sind eigentlich diese scheuen Untermieter?

Die Schleiereule fasziniert die Menschen durch ihren lautlosen Flug und ihren einzigartigen Gesichtsschleier, dem sie auch ihren Namen verdankt. Sie nistet gern in Kirchen, Scheunen und Ruinen. Auf umliegenden Wiesen und Felder geht sie auf Mäusejagd. In Brandenburg wird sie auf der roten Liste als gefährdet eingestuft. Ihre Eier legt sie im Abstand von zwei Tagen, entsprechend versetzt schlüpft dann auch ihr Nachwuchs. Die Sterblichkeit der Jungvögel liegt im ersten Lebensjahr bei 50 bis 60 Prozent. Gefährdet ist der Bestand durch einen Mangel an Brutmöglichkeiten, schrumpfendes Nahrungsangebot, Gifte, speziell Mäusegifte und dem Straßenverkehr.

Auch Turmfalken nisten gern in luftiger Höhe. Der Turmfalke steht in der roten Liste Brandenburgs auf der Vorwarnstufe und ist somit etwas weniger gefährdet als seine Nachbarin, die Schleiereule. Turmfalken jagen Insekten, Mäuse und Reptilien, sie stehen dann regelrecht in der Luft, über Wiesen und Feldern, was als Rüttelflug bezeichnet wird. Turmfalken bauen kein eigenes Nest. Sie lassen sich ebenfalls gern in Kirchtürmen nieder. So auch in Dallgow, wo sie gerade ein altes Krähennest für sich entdeckt haben. Die Sterblichkeit der Jungen wird im ersten Lebensjahr mit 55 Prozent beziffert.

In Brandenburg vom Aussterben bedroht ist die Dohle. Sie lebt nicht gern allein, ohne Nachbarn. Die Koloniebrüter sind treue Kirchgänger, was für die Vögel nicht immer gut ausgeht. Bei seinen Arbeiten in Kirchtürmen trifft Bauer regelmäßig auf verendete Tiere. Den Weg in den Turm fanden die Vögel, nur nicht mehr hinaus, verhungert im Kirchturm.

Bauer und seine zwei Mitstreiter wirken dem entgegen, bringen Nistkästen an, erneuern, reparieren, führen Bestandslisten. Für die Kirchtürme und die Vögel ein Gewinn. Kein Nistmaterial fliegt weiter durch den Turm, die Tiere haben einen sicheren Zufluchtsort und ganz nebenbei räumen Bauer und seine Leute die Hinterlassenschaften der Vögel ein, und, wenn der Hammer schon mal zur Hand ist, reparieren hier und da was gerade noch so anliegt und mit einigen Handgriffen erledigt werden kann. In einem Trafoturm haben sie gleich eine ganz neue Tür eingebaut. Zum Schutz der Tiere, hielt nur nicht lange, Einbrecher, wahrscheinlich auf der Suche nach Kupfer, so vermutet Bauer, zerstörten die Tür. Die weniger schönen Momente im Leben des, wie er sich selbst nennt, Naturschutzmachers Bauer. Aber da sind auch die guten, die lohnenden Augenblicke. Wenn die Kästen angenommen werden und die Bruterfolge ihre Arbeit krönen. Und auch mit so manchen Landwirt hat Bauer beste Erfahrungen gesammelt. Da wird nicht nur die Scheune zur Verfügung gestellt, sondern aus Heuballen gleich eine Treppe gebaut.

Und so blickt Bauer auf drei erfolgreiche Jahre zurück. Unter anderen wurden in Tremmen vier Dohlenkästen, ein Turmfalkenkasten und ein Schleiereulenkasten angebracht. Vier Dohlenkästen in der Kirche von Wernitz. Der Trafoturm in Gutenpaaren war 2015 und 2016 bei den Schleiereulen sehr beliebt. Nach Bautätigkeiten im direkten Umfeld wird hier aktuell nicht mehr gebrütet. Erfolgreich läuft es in Berge. Die Schleiereule hat ihren Nistkasten gern angenommen "Die freundlichste Schleiereule, die ich kennen", versichert Bauer. 2016 und 2017 waren auch gute Jahre für die Turmfalkenbrut in der Pausiner Kirche. Das sind Auszüge, Bauer gibt an diesem Abend noch weitere positive Beispiele bekannt. Gleichzeitig sucht er weiter, Kirchen, Trafotürme und Scheunen. Was ihm vorschwebt, wäre eine Auszeichnung für Kirchen mit Brutstandorten. Besonders vor geplanten Dachsanierungen an Kirchtürmen würde sich Bauer über eine Kontaktaufnahme durch die Gemeinden freuen.

Ach ja, bliebe noch der Eignungstest zur Mitarbeit im Team Bauer. Diesen und natürlich auch Angebote zu neuen Standorten oder über Möglichkeiten einer Nistkastenpatenschaft erhalten sie unter: kobafa@web.de bei Konrad Bauer.

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Eignen Johannes R . Becher Schleiereule Konrad Bauer Vogelart

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