Das Nachrichtenportal für Brandenburg
Startseite Märkische Onlinezeitung - MOZ.de
Logo Brandenburger Wochenblatt

Olympisches Dorf
Wohnen an einem geschichtsträchtigen Ort

Links Speisehaus der Nationen, rechts Heizhaus und alles holt sich die Natur langsam zurück.
Links Speisehaus der Nationen, rechts Heizhaus und alles holt sich die Natur langsam zurück. © Foto: Passow
Silvia Passow / 12.05.2018, 08:15 Uhr
Wustermark/Elstal Der 5.Mai war der Tag der Städtebauförderung, ein passendes Datum um den Plänen der Baudenkmalsanierungs-Gesellschaft terraplan für das Olympische Dorf von 1936 ein Gesicht zu geben. Vor Ort stellten Erik Roßnagel, Geschäftsführer der terraplan und seine Mitarbeiter, die Planungen für das Wohnprojekt G.O.L.D., Gartenstadt Olympisches Dorf, vor.

Gleichzeitig wurde viel zur Historie des Ortes vermittelt, denn hier wird zwar Neues entstehen, viele der geschichtsträchtigen Gebäude werden aber auch saniert und erhalten bleiben. Eine Symbiose aus alt und neu. „Wir wollen schöne Häuser und Wohnungen schaffen“, sagte Roßnagel. Tatsächlich wünscht er sich, dass hier mehr als nur Wohnraum entsteht. Lebensraum, Menschen, die als Mieter oder Käufer kommen, zusammenwachsen, eine Gemeinschaft bilden, so eine Art Olympischer Gedanke in Sachen Wohnen. Unterstützung für seine Pläne findet er im parteilosen Bürgermeister Holger Schreiber der Gemeinde Wustermark.

Bereits beim Errichten des Dorfes stellte das Speisehaus der Nationen den Mittelpunkt des Gebäudekomplexes dar. Die geplanten Stadt- und Mehrfamilienhäuser werden in zwei halben und offenen Ringen beinahe einen Halbkreis um das historische Gebäude bilden. In den Mehrfamilienhäusern werden Wohnungen zwischen 43 und 95 Quadratmeter entstehen, wobei Roßnagel viel Wert auf praxisnahe Grundrisse legt. Gleiches gilt für die Stadthäuser, sie werden über 115 bis 120 Quadratmeter Wohnfläche verfügen.

Im Mittelpunkt, nicht nur des allgemeinen Interesses, liegt das Speisehaus der Nationen. Rund neunzig Wohnungen sind hier geplant, von kleineren preisgünstigeren Wohnungen bis zum Penthouse. Fünf Saunen, für je zwei Personen, werden den Bewohnern zur Verfügung stehen. Dazu ein großzügiger Ruheraum.

Mehrere Eingänge werden in das Gebäude führen, einer wird mit einer Lounge ausgestattet. Hier soll der Hausmeister zu finden sein, aber auch Raum für einen gemeinsamen Kaffee und Plausch für die neuen Bewohner geschaffen werden. „Wer Gesprächsbedarf hat, wird hier fündig. Vielleicht lernt hier der junge Familienvater die ältere Dame kennen. Vielleicht entwickelt sich eine gute Beziehung. Möglicherweise passt die Dame dann mal auf die Kinder des Mannes auf und er hilft ihr bei den Einkäufen.“ Roßnagel möchte mit seinem Konzept mehr als nur Wohnraum schaffen, ein kleines Quartie mit Bewohnern, die einander kennen und unterstützen, wäre seine Idee.

Für die Sanierung des Gebäudes möchte Roßnagel gut erhaltene Elemente aufarbeiten und weiterverwenden. „Ziel ist es nicht, alle Gebrauchsspuren zu entfernen. Dann raubt man dem Gebäude seinen Charme.“ So plant er, eine Erweiterung des Gebäudes in Richtung des Innenhofes, einen Flur, wobei die alten Wände stehen bleiben, die Fenster als Vitrinen dienen könnten.

Auch das alte Heizhaus hinter dem Speisehaus der Nationen soll eine Überholung erfahren um dann wieder seine ursprüngliche Aufgabe zu haben – für Wärme sorgen. Stellplätze für Autos werden nach unten in Tiefgaragen verlegt. Der ruhende Verkehr soll weitgehend unsichtbar bleiben. Laut Roßnagel ist eine Busanbindung bereits geplant. Für Kinder wird ein großer Spielplatz auf dem Gelände gebaut. Der sportliche Gedanke soll sich in einer Laufstrecke mit Fitnessgeräten wiederfinden. In einem der Häuser wird eine Wohngemeinschaft für Demenzkranke entstehen.

Baubeginn soll im dritten oder vierten Quartal dieses Jahres sein. Roßnagel möchte für unterschiedliche Arbeiten auch lokale Firmen gewinnen. Die Ausschreibungen laufen bereits. Er rechnet mit rund drei Jahren Bauzeit. So der Plan, das Problem: „Uns fehlen eine ganze Generation an Handwerkern.“ Fachkräfte wie Maurer oder Zimmerer sind Mangelware. Sollte alles nach Plan laufen, wird das Speisehaus der Nationen 2020/21 im neuen Glanz erstrahlen und sich das Olympische Dorf von 1936 wieder mit Leben füllen.

Das Speisehaus der Nationen

Ganze 16 Tage diente das Speisehaus seinem Zweck – vom 1. bis 16. August 1936. Bereits bei der Planung des Gebäudes war die spätere Nachnutzung berücksichtigt worden. Auch der Standort selbst, nahe dem Truppenübungsplatz Döberitzer Heide war bewusst gewählt worden. Erst sollten der Welt friedliche Spiele geboten werden, dann wurde der Ort Teil der Kriegsvorbereitungen Nazideutschlands. Die Nutzung blieb weiterhin militärisch. Nach dem Krieg übernahmen die sowjetischen Streitkräfte das Areal bis 1992. Heute steht das Olympische Dorf unter Denkmalschutz.

Im Speisehaus der Nationen nahmen einst die männlichen Athleten aus über dreißig Nationen ihre Mahlzeiten ein (die weiblichen Sportlerinnen waren an einem anderen Ort untergebracht). Hinter jedem der Speisesäle befand sich eine eigene Küche. Die Architektur war dem Bauhausstil angelehnt und galt als überaus modern. Von den oberen Etagen bot sich der Ausblick auf das Berliner Olympiastadion.

Schlagwörter

Leserforum

Um einen Kommentar zu schreiben, melden Sie sich bitte oben rechts an. Falls Sie noch keinen Login haben, registrieren Sie sich bitte.

Alle Leserkommentare geben ausschließlich die persönlichen Ansichten und Meinungen des Autors wieder und sind keine redaktionelle Meinungsäußerung. Für die Richtigkeit und Vollständigkeit der Inhalte übernimmt die Redaktion keinerlei Gewähr.

Ihr Kommentar zum Thema

Kommentartitel
Name
(öffentlich sichtbar)
Email
(wird nicht veröffentlicht)
(Ihr Name wird auch in der Zeitung veröffentlicht. Die Adresse wird nicht veröffentlicht.)
© 2018 MOZ.de Märkisches Medienhaus GmbH & Co. KG