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Grüner Salon
Wie geht fahrradfaire Politik?

Stefan Overkamp, Thomas Zylla, Martin Eiselt, Ines Jesse und Thomas Gelbhaar (v.li.) diskutieren über fahrradfaire Politik.
Stefan Overkamp, Thomas Zylla, Martin Eiselt, Ines Jesse und Thomas Gelbhaar (v.li.) diskutieren über fahrradfaire Politik. © Foto: Silvia Passow
Silvia Passow / 05.10.2018, 21:05 Uhr
Falkensee Was genau wäre denn fahrradfreundlich? Stefan Overkamp, Vorstand des Allgemeinen Deutschen Fahrrad-Club (ADFC) Brandenburg, der Bundestagsabgeordnete Stefan Gelbhaar (Bündnis 90/Die Grünen), zuständig für die Radverkehrspolitik, Ines Jesse (SPD), Staatssekretärin im Ministerium für Infrastruktur und Landwirtschaft des Landes Brandenburg (MIL) und Thomas Zylla, Fahrradbeauftragter der Stadt Falkensee, diskutierten über eine fahrradfreundliche Zukunft für Falkensee, das Havelland und Brandenburg.

Der Blick durch den Veranstaltungsraum im Hotel-Restaurant Kronprinz zeigte, das Interesse am Thema ist da, rund fünfzig Besucher kamen. Moderiert wurde die Veranstaltung vom Bündnisgrünen und bekennenden Fahrradliebhaber Martin Eiselt. Eiselt setzt sich aktiv für die Interessen der Fahrradfahrer ein und erteilt das Wort zunächst Overkamp.

Die Regelwerke, die sich auf die Verteilung der Verkehrsflächen beziehen, seien „geschrieben durch die Sicht einer Windschutzscheibe“, sagt Stefan Overkamp und führt aus: „Um die Leistungsfähigkeit einer Straße zu ermitteln, werden die Kraftfahrzeuge pro Stunde gezählt.“ Neben solchen planerisch-politischen Themen spricht er auch über den Stellenwert des Radfahrers in der Gesellschaft. Für manche Menschen scheint das Rad noch immer das Verkehrsmittel der armen Leute zu sein. „Zahl erst mal Steuern“, musste Overkamp sich schon mehrfach von Autofahrern sagen lassen. Overkamp sagt, er verdiene gut und zahle entsprechend Steuern. Es stellt sich dennoch die Frage, haben weniger begüterte Menschen im Straßenverkehr weniger Rechte?

Fahrradfreundliches Falkensee?

Der 1. Beigeordnete der Stadt Falkensee ist auch deren Fahrradbeauftragter. „Fahrradbeauftragter wird man nicht, nur weil man Fahrrad fahren kann. Man sollte auch alle anderen Verkehrsarten kennen. Es gibt in Falkensee nicht nur Fahrradfahrer.“ Thomas Zylla sieht beim Radwegebau noch ganz andere Probleme. Die Kosten oder besser zusätzlichen Kosten, die hier die Anlieger mitzutragen hätten. Das wird nicht überall auf Gegenliebe treffen, ahnt er. Ein Radverkehrskonzept stellt er dennoch in Aussicht. 2019 soll es mehr Abstellplätze für Fahrräder am Bahnhof geben und ab 2020 sogar Fahrradboxen. Die Lückenschlüsse zu den umliegenden Gemeinden stehen an, Radwegebau auch auf den Hauptverkehrsstraßen. An der Planung mangelt es laut Zylla nicht, auch nicht am Geld, das sei bereitgestellt, das Problem liege eher an der Umsetzung. Den Baufirmen mangelt es an Personal und wo Mangel herrscht, zieht nur all zu oft der Preis an. Zylla weist auf den gerade laufenden „Fahrradklima-Test“ hin. „Wäre schön, wenn sich möglichst viele Menschen beteiligen.

Das Land fördere den Radwegebau, sagt Ines Jesse und berichtet über diverse Fördermöglichkeiten für die Kommunen durch das Land. Auch sie denkt hier nicht nur an die Radfahrer. „Das muss man weiter denken.“ Der öffentliche Nahverkehr, viele Radler nutzen ihr Gefährt um den Bahnhof zu erreichen. Jesse sagt, sie kenne das Problem der übervollen Züge, hier soll bereits ab dem kommenden Jahr und schrittweise weiter für Abhilfe gesorgt werden. „Wohnen und Mobilität gehören für mich zusammen.“ Und da hat sie nicht nur die Pendler im Blick, auch die Kinder, deren Schulwege sicher sein sollten. Positiv bewertet sie die Zusammenarbeit des Landes Brandenburg mit dem Land Berlin. Von Berlin aus denkt man jetzt weiter, Verkehrswege, besonders Radwege, werden über Landesgrenzen hinweg geplant.

Für den Bündnisgrünen Stefan Gelbhaar steht fest, das Angebot muss stimmen. Wo eine gutes Radwegenetz besteht, wird es auch genutzt. Bei Autobahnen sei das schließlich auch so. Radwege, so sagt der Berliner, müssten sicher sein. „Sicher ist, wenn ich mein eigenes Kind oder meine Oma darauf fahren lassen würde.“ Er appelliert hier an die Politik. Mut zur Lücke und mehr Entscheidungsfreude in Sachen fahrradfreundliches Verkehrsnetz, fordert er ein.

Der Anteil der Radfahrer im Brandenburger Gesamtverkehr beträgt 13 Prozent. Einige dieser Radfahrer sind im Grünen Salon dabei. Kritik wird laut bei der Sicherheit der Schulwege. Die Meinungen gehen deutlich auseinander, was sicher ist und was nicht. Allgemeine Einigkeit bei der Frage, dass das Image der Radfahrer einer dringenden Überholung bedarf. In Punkto Sicherheit wird der Einwand erhoben, dass auch Räder, Stichwort E-Bikes, immer schneller werden. Den Vorwurf, in der Verkehrsplanung der Stadt Falkensee arbeite man immer noch „autozentriert“ weist Zylla von sich. „Den Stellenwert des Radverkehrs sehe ich als priorisierende Maßnahme.“ Er weist auf einen geplanten Workshop im November in der Stadthalle hin, wo sich Bürger am Thema beteiligen können.

Der „Grüne Salon“ bietet in regelmäßigen Abständen Diskussionsabende zu verschiedenen Themen an. Organisiert werden sie von der Heinrich-Böll-Stiftung Brandenburg. Mehr hierzu auf www.boell-brandenburg.de. Den ADFC-Klimatest gibt auf www.fahrradklima-test.de oder Formular anfordern beim ADFC, Mohrenstraße 69, 10117 Berlin.

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