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Diskussion
Bürgerwerkstatt zum Parkraumkonzept

Rege Diskussionen an den Thementafeln, auch wenn das Parkraumkonzept nicht gerade viele Falkenseer gelockt hatte. Am Parkplatzmangel kann es nicht gelegen haben, die gab es vor der Stadthalle am Abend reichlich.
Rege Diskussionen an den Thementafeln, auch wenn das Parkraumkonzept nicht gerade viele Falkenseer gelockt hatte. Am Parkplatzmangel kann es nicht gelegen haben, die gab es vor der Stadthalle am Abend reichlich. © Foto: Silvia Passow
Silvia Passow / 10.10.2018, 19:30 Uhr
Falkensee „Ich drehe schon seit Stunden, hier so meine Runden...“, sang einst Herbert Grönemeyer. Die Suche nach einem geeigneten Abstellplatz für den fahrbaren Untersatz ist allerdings kein Exklusivproblem der Autofahrer. Auch das Fahrrad möchte ordentlich geparkt sein und auch wieder am Ort des Abstellens aufgefunden werden. Besonders für Pendler ist die Suche nach Parkraum in Falkensee eine Herausforderung. Das Parkraumkonzept soll Entlastung bringen. Ob es halten kann, was es verspricht, darüber konnten sich die Bürger/innen der Stadt am Dienstag informieren und austauschen, sowie Anregungen geben und Fragen stellen.

Das Parkraumkonzept wurde von der Gesellschaft für Raumplanung, Städtebau & Verkehrstechnik mbH, mit Sitz in Berlin, erarbeitet. Vorgestellt wurde es von Dipl.-Ing. Winfried Müller-Brandes und seinen Mitarbeitern im Foyer der Stadthalle.

Zunächst wurde die Ist-Situation betrachtet. Öffentliche und nichtöffentliche Parkplätze und Stellflächen, manche davon sind nicht als Parkraum ausgewiesen, werden aber als solcher genutzt. Letztere könnten in kurzer Zeit wegfallen, die Anzahl der dort abgestellten Fahrzeuge fließt in das Konzept ein, denn letztendlich geht es um den Bedarf. Zeiträume, wie lange wird wo geparkt, wurden für das Konzept ermittelt. Nutzung durch Anwohner, Besucher, Kunden und Pendler ergeben unterschiedlich lange Parkzeiten. Wo ist das Parken des Kfz ohne Einschränkungen möglich, wo wird die Parkzeit zeitlich reglementiert? Dabei ergab sich, dass es im Falkenseer Stadtzentrum, rund 20 verschiedene Parkraumbeschränkungen zu beachten gilt. Zuviel, sagen die Planer, und legten ihrem Konzept fünf solcher Beschränkungen zu Grunde.

Für die radfahrenden Pendler werden am Bahnhof Falkensee Abstellmöglichkeiten mit Anlehnbügel angeboten. Auf der Nordseite gibt es 316 überdachte und 102 nicht überdachte Parkmöglichkeiten für Fahrräder. Die Südseite des Bahnhofes bietet in drei Abschnitten insgesamt 354 überdachte Fahrradstellplätze. Das sind am Bahnhof Falkensee insgesamt 772 Fahrradstellplätze. Klingt viel, ist es aber nicht. Mittags lag die Auslastung auf beiden Seiten des Bahnhofs bei über hundert Prozent. Die Erhebung, und darauf wird im Konzept ausdrücklich hingewiesen, fand am 6. Dezember letzten Jahres statt, Temperaturen um den Gefrierpunkt, sonst trocken und sonnig. Der Verdacht liegt auch bei den Erstellern des Konzeptes nahe, im Sommer könnte der Bedarf an Stellplätzen deutlich größer sein.

Die Prognosen gehen von ansteigenden Bevölkerungszahlen aus. Nicht im Konzept berücksichtigt, da die Pläne gerade erst diese Woche auf den Tisch kamen, ist zum Beispiel die weitere Nutzung für das Areal ehemals See-Carré. Hier plant der Investor einen Wohnkomplex, in dem bis zu 1.000 Menschen eine neue Heimstatt finden sollen.

Der Bedarf an Parkraum steigt, nur wie sieht dieser Bedarf im Einzelnen aus? Pendler, die zu den Bahnhöfen fahren, Kunden, die im Stadtzentrum parken wollen, Beschäftigte, die dort arbeiten und Anwohner. Danach muss sich das Angebot der Parkplätze orientieren: Kurzparker, Mittel- und Langparkende. Drei Ansätze hat man in dem Konzept daraus abgeleitet. Die bedarfsgerechte Verfügbarkeit der Parkplätze, Verlagerung von Parkraum und die Verlagerung der genutzten Verkehrsmittel, sprich vom Auto weg zum Fahrrad.

Das vorgestellte Konzept beinhaltet drei Stufen. Stufe 1 sieht vor, die Abstellmöglichkeiten für Fahrräder an der Nordseite des Bahnhofes auf insgesamt 750 Abstellmöglichkeiten zu erhöhen. Möglich werden soll dies durch doppelstöckiges Parken. Dazu soll es ein Angebot für kostenpflichtige Fahrradboxen auf der Südseite des Bahnhofes geben. Je nach Aufstellprinzip könnten es 64-126 Boxen werden.

Die Parkmöglichkeiten an den Bahnhöfen Finkenkrug und Seegefeld sollen verbessert werden. Allerdings ist die Akzeptanz dieser Parkplätze vom Angebot auf der Schiene abhängig. Solange die meisten Züge nur am Bahnhof Falkensee halten, wird hier auch der größte Bedarf an Parkraum bleiben. Für Abhilfe könnte, die im Konzept erwogene Planung eines Parkhauses auf dem Gelände des ehemaligen Güterbahnhofs sorgen. Hier hängt die Anzahl der damit zur Verfügung stehenden Parkplätze von der Größe des Gebäudes ab, die Zahlen reichen von 300 bis 640 Stellplätzen. Hierfür müssten noch reichlich andere Fragen geklärt werden, Ab- und Zufahrtsstraßen, sowie die Gestaltung eines attraktiven und sicheren Fußweges. Ob es sich dann um ein kostenpflichtiges Parkhaus handeln wird, ist noch unklar. Das Konzept sieht auch die Schaffung von Ladesäulen für Elektro-Autos vor.

Die Stufen 2 und 3 bauen auf der ersten Stufe auf, Parkangebote sollen hier erweitert werden. Wie Bau-Dezernent Thomas Zylla sagt, kann in den einzelnen Punkten durchaus variiert und ausgetauscht werden. Die Maßnahmen der Stufe 1 liegen jetzt bei einer Kostenannahme von 9,3 Millionen Euro, Stufe 2 bei zuzüglich 1,2 Millionen, Stufe 3 erhöht den Betrag nochmals um 7,5 Millionen Euro, so dass das Gesamtpaket mit rund 18 Millionen Euro zu Buche schlägt. Das komplette Parkraumkonzept ist www.falkensee.de, Stichwort Parkraumkonzept, einsehbar.

Am Dienstag hatten die Einwohner der Stadt die Möglichkeit, sich über das Parkraumkonzept zu informieren und anschließend zu diskutieren. Rund fünfzig Einwohner machten von der Möglichkeit der offenen Bürgerwerkstatt Gebrauch. In einer geschlossenen Bürgerwerkstatt wird das Thema noch einmal, mit zufällig ausgewähltem Bürger/innen, diskutiert werden.

An drei Thementafeln konnten die Teilnehmer Anregungen abgeben, Kritik äußern, Fragen stellen. In Sachen Radverkehr wurde ein Fahrradparkhaus ins Gespräch gebracht und die Frage, wie der Radfahrer die neuen Abstellmöglichkeiten überhaupt erreicht, sprich Radwege. Abstellmöglichkeiten an Bushaltestellen wurden diskutiert und die Frage, ob auch Parkraum für Räder mit Anhänger geschaffen wird? Zur Frage des Parkens im Zentrum sollten die Menschen mit Behinderung nicht vergessen werden.

Wie sich ein Parkhaus auf den Verkehr in den umliegenden Straßen auswirkt, darüber besteht aus Sicht der Teilnehmer Klärungsbedarf. In Sachen Park & Ride und einem Parkhaus steht für viele der Anwesenden das Thema Sicherheit im Fokus. Parkhäuser genießen da nicht immer den besten Ruf. Der Fußweg Parkhaus/ Bahnhof (fünf bis neun Minuten) wird von vielen Teilnehmern kritisch gesehen. Ein Parkhaus auf dem Parkplatz vor der Stadthalle hätte hier mehr Zuspruch. Bedenken werden auch im Hinblick auf zu schaffende Parkplätze an den Bahnhöfen Seegefeld und Finkenkrug geäußert. Die Sorge gilt dem Baumbestand. Die einen fürchten um das Grün, andere um ihre Sicherheit, wenn der Wald an den Parkplatz grenzt.

Laut Bau-Dezernent Zylla wird die Umsetzung des Konzeptes ohnehin ein paar Jahre in Anspruch nehmen. Bis dahin kann weiter mit Grönemeyer gesungen werden.

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