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Fahrlässige Tötung
Zweiter Prozesstag anberaumt

Im Amtsgericht Nauen begann am Mittwoch die Verhandlung zu dem tödlichen Unfall an der L20 im Juni 2017 vor dem Jugendschöffengericht.
Im Amtsgericht Nauen begann am Mittwoch die Verhandlung zu dem tödlichen Unfall an der L20 im Juni 2017 vor dem Jugendschöffengericht. © Foto: Archiv Rachner
Wolfgang Balzer / 08.11.2018, 11:00 Uhr - Aktualisiert 08.11.2018, 11:24
Nauen Am 4. Juni vergangenen Jahres starben bei einem Verkehrsunfall auf der L 20 zwischen Falkensee und Schönwalde-Siedlung ein 16-jähriges Mädchen und ein 17-jähriger Junge, der damals 20-jährige Fahrer wurde schwer verletzt. Hatte er Schuld an diesem tragischen Unfall? Diese Frage stand am Mittwoch im Mittelpunkt der Verhandlung im Nauener Jugendschöffengericht.

Nach Auffassung des Staatsanwaltes hätte der Unfall durch normale Geschwindigkeit (70 statt laut Gutachten 73 km/h bis 90 km/h) und entsprechende Fahrweise vermieden werden können. Deshalb warf er in seiner Anklageschrift dem jungen Mann die fahrlässige Tötung der zwei Jugendlichen vor.

Der Angeklagte wollte sich selbst nicht zur Sache äußern, das übernahm für ihn der Verteidiger. Dieser bestätigte in der Sache zwar den Unfall wie er geschildert wurde, meinte aber, dass sein Mandant durch „bisher nicht im Einzelnen geklärter Ursachen von der Fahrbahn abgekommen“ sei. Um diese herauszufinden, hatte das Gericht eine ganze Reihe Zeugen geladen, die teilweise auf Grund der ungewöhnlich starken Sicherheitskontrollen im Gerichtsgebäude nicht rechtzeitig den Verhandlungssaal erreichen konnten. Diese waren wohl anberaumt worden, weil der Angeklagte nach dem Unfall nach Aussagen seines Verteidigers mehrfach Morddrohungen erhielt.

Nach Aussage des den Unfall aufnehmenden Polizeibeamten wären weder Schleuder- noch Bremsspuren feststellbar gewesen. Das heißt, dass es keine Spuren gab, die darauf schließen ließen, wie es zu dem Unfall kam.

Die Aussagen von Freunden und Bekannten des Unfallfahrers konnten unterschiedlicher kaum sein. Ein Zeuge und Freund des Angeklagten befand, dass dieser eigentlich „normal“, manchmal auch etwas schneller als erlaubt gefahren sei. Er musste sich aber vom Amtsrichter vorhalten lassen, in einer früheren Aussage von einem „rasanten Fahrstil, auch in den Kurven“ gesprochen zu haben. Zwei weitere Zeuginnen schilderten, wie sie unerlaubterweise zu sechst im Auto auf der Straße durch den Brieselanger Wald gefahren seien. Slalomfahren, mehrmaliges stoppen und zu schnell, urteilten sie und antworteten auf eine entsprechende Frage des Richters, dass alle im Auto den Fahrer aufgefordert hätten, normal zu fahren.

Drastischer drückte es Zeuge H., bis zum Unfall ein Freund des Angeklagten und oft in seinem Audi mitgefahren. „Verrückt, durchgeknallt, schon mal mit 140 km/h durch eine 60er Zone und driftend durch den Wendehammer“, sagte er zur Fahrweise des Angeklagten. Der war zu dieser Zeit erst rund vier Wochen im Besitz des Führerscheins, der nach dem Unfall auch nicht eingezogen wurde.

Den Blick zu den Müttern der getöteten Jugendlichen vermied der Angeklagte. Sie nahmen als Nebenklägerinnen am Prozess teil. Wie der Verteidiger sagte, habe der Angeklagte den betroffenen Familien nach dem Unfall schriftlich sein Bedauern und sein Beileid ausgedrückt.

Da der Angeklagte sich selbst an den Unfall nicht erinnern konnte und aus den Fahrspuren keine Rückschlüsse zu ziehen waren, maß das Gericht der Aussage der einzigen direkten Zeugin entsprechende Bedeutung bei. Allerdings war weder der Polizeibeamte, der mit ihr gesprochen hatte, noch die Zeugin selbst zur Verhandlung geladen. Da es zwar nach Meinung des Gutachters „technisch undenkbar“ sei, dass der Angeklagte selbst aus dem Havelländer Weg gekommen war, sei aber nicht auszuschließen, dass ein anderes Fahrzeug aus dieser Richtung den Angeklagten in seiner Fahrweise in irgendeiner Form beeinflusst hat. So hielt es der Richter nach Abstimmung mit den Schöffen zur Klärung der Schuld des Angeklagten am Unfall für notwendig, weitere Zeugen einzuladen und vertagte den Prozess auf den 21. November.

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