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Verkehrsplanung
Die Quadratur des Kreises

Herbert Staadt (li.) und Thomas Zylla (re.) informierten und diskutierten mit den Besuchern, Hans-Peter Pohl führte moderierend und kommentierend durch den Abend.
Herbert Staadt (li.) und Thomas Zylla (re.) informierten und diskutierten mit den Besuchern, Hans-Peter Pohl führte moderierend und kommentierend durch den Abend. © Foto: Silvia Passow
Silvia Passow / 30.11.2018, 21:15 Uhr
Falkensee Kann ein Kreisverkehr die Verkehrssituation für alle Verkehrsteilnehmer besser werden lassen? Baudezernent Thomas Zylla und Stadtplaner Herbert Staadt sagen Ja. Eine Meinung, die nicht unbedingt geteilt wird. Einige Stadtverordnete, wie auch Einwohner, sehen das kritisch. Bei einer Informationsveranstaltung mit anschließender Diskussion stellten sich beide den Fragen der Falkenseer in der Stadthalle.

Beinahe hundert Besucher nutzten die Chance. Dabei sollte es primär um den Kreisverkehr Bahnhof-/Poststraße gehen. Zu kurz gedacht, befanden viele Besucher, denn diese Straßen sind Teil von etwas, was auch als Falkensees Mitte gehandelt wird. Baudezernent Zylla führt die Anwesenden ein Stück zurück in die verkehrstechnische Entwicklung der Stadt. Verkehrsplanung und Baumaßnahmen seien gemeinsam zu betrachten, so Zylla. „Einzelne Maßnahmen können nicht ohne Zusammenhang gesehen werden“, sagt er. Der Entscheidung für einen Kreisverkehr waren Verkehrsuntersuchungen vorausgegangen. Verschiedene Varianten wurden geprüft, jede dieser Varianten wirkt wechselseitig.

Dabei stellte man fest, so Zylla, dass zwei aufeinanderfolgende Kreisverkehre (in der Poststraße am Bahnhof befindet sich unweit der nächste) sich gegenseitig ergänzen. Alle Varianten waren den Stadtverordneten vorgestellt worden. 2015 gab es dann den Beschluss für den Bau des besagten Kreisels. Das Problem kennt eigentlich jeder, auf Bahnhof- und Poststraße sind zu den Hauptgeschäftszeiten für den KFZ-Verkehr nur stopp-and-go durch den Ampelrückstau möglich. Fußgänger und Radfahrer teilen sich den Gehweg, was nicht immer unkompliziert verläuft, besonders da, wo es denn wirklich eng wird, wie vor dem Biomarkt. Es gibt keinen Radweg, die Ampel gibt Fußgängern grün und gleichzeitig dem motorisierten Verkehr die Möglichkeit nach rechts abzubiegen, was immer wieder zu Diskrepanzen führt.

Prof. Dr.-Ing. Herbert Staadt, Geschäftsführender Gesellschafter der StaadtPlan Ing.GmbH, verspricht sich vom Kreisverkehr eine sichere und bessere, Fachdeutsch, leistungsfähige Variante. Nach seiner Prognose würde sich die Wartezeit für KFZ auf 12 Sekunden verkürzen und auch Fußgänger müssten an den Fußgängerüberwegen mit weniger Wartezeiten rechnen.

Mit dem Kreisverkehr soll es nicht nur für den motorisierten Verkehr besser rollen, so die Verwaltung und der Planer. Sicherheit und weniger Verkehrsbelastung für alle Verkehrsteilnehmer soll er bringen. Alle Einfahrten zum Kreis sind mit Fußgängerüberwegen ausgestattet. Radfahrer sollen die Fahrbahn nutzen. Diese soll schmal genug sein, dass Autos die Radfahrer nicht überholen können, was deren Sicherheit zuträglich sein soll. Der Innenring im Kreis soll Autofahrer durch bauliche Maßnahmen von solchen Manövern abhalten, für Busse und Schwerverkehr muss es dennoch diesen Ring geben. Auch die bisher unbefriedigende Lösung der Auffahrt zum Akazienhof soll hier entschärft werden und fand mit einer Zufahrt Berücksichtigung in der Planung.

Hauptverkehrsader oder

Flaniermeile

17.000 Fahrzeuge in 24 Stunden wurden an der Kreuzung gezählt. Dazu kommen 800 die Kreuzung querende Radfahrer und Fußgänger stündlich. Oder kamen? Die Zahlen stammen aus 2012. Sechs Jahre, möglicherweise haben sich die Zahlen verändert. Neuere Daten gibt es nicht. Sechs Jahre in denen manch Falkenseer seinen Anspruch an die Stadt verändert hat. Für so manchen zählt nicht nur die Frage, wie komme ich in die Stadt oder heraus, sondern, was bietet mir der Ort selbst?

Den Wunsch nach einer belebten Innenstadt, mit kleinen Geschäften, Cafés, Biergarten, Lokalen und Möglichkeiten zur Freizeitgestaltung, wurde jüngst im Ausschuss für Stadtentwicklung deutlich. Eine breite Gemeinschaft unterschiedlicher Akteure hatte hier Ideen für eine Zentrumsbelebung vorgestellt. Eine Stärkung des Wirtschaftsstandortes Falkensee wird von den Akteuren, unter ihnen auch Hans-Peter Pohl (CDU), Moderator an diesem Abend, ebenso angestrebt.

Auch für viele der anwesenden Besucher ist der Gedanke verlockend, längst mag nicht mehr jeder seine Freizeit in Berlin verbringen. Und das Feierabendbier trinkt auch schon lange nicht mehr jeder im eigenen Garten. Das hat sich, nicht zuletzt auch mit zunehmendem Wohnungsbau in Mehrfamilienhäusern gewandelt.

Lassen sich optimaler Verkehrsfluss und eine Aufenthaltsqualität in Falkensees Mitte verknüpfen? Thomas Lenkitsch, sachkundiger Einwohner, Mitglied in der Interessengemeinschaft Falkensee und starke Mitte, glaubt, es sei schwer, dies miteinander zu vereinbaren. Für ihn wäre es wichtig, Lösungen zu finden, wie der Verkehr aus dem Zentrum herausgeholt werden könnte. Ähnlich sieht das auch Lennart Meyer vom Jugendforum. Das Jugendforum setzt sich für eine Umwandlung der Bahnhofstraße in eine Fußgängerzone ein. Den geplanten Kreisverkehr hält er für Radfahrer und Fußgänger, ganz besonders für Kinder, für unsicher.

Auch Uwe Kaufmann, Sprecher des Allgemeinen Deutschen Fahrrad Club Falkensee, hält den Kreisverkehr für radfahrende Verkehrsteilnehmer für verbesserungswürdig. Er erwartet höhere Verkehrszahlen und ein damit wachsendes Konfliktpotenzial. In der nachfolgenden Diskussion werden noch viele Anregungen und Fragen zum Kreisverkehr an sich, wie auch seinem Bezug zum Zentrum, gestellt. Laut Hans-Peter Pohl sei im Februar eine endgültige Entscheidung zum vorliegenden Plan für den Bau des Kreisverkehres zu rechnen.

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