Das Nachrichtenportal für Brandenburg
Startseite Märkische Onlinezeitung - MOZ.de
Logo Brandenburger Wochenblatt

Oberschule
Die unterschätzte Alternative

Alle wollen nur das eine: das Abiturzeugnis. Dies ist auch auf dem Weg über eine Oberschule erreichbar.
Alle wollen nur das eine: das Abiturzeugnis. Dies ist auch auf dem Weg über eine Oberschule erreichbar. © Foto: Picasa
Sandra Euent / 14.12.2018, 20:00 Uhr
Havelland (MOZ) Es ist wieder soweit: Die Schüler der 6. Klassen müssen sich überlegen, welche weiterführende Schule sie demnächst besuchen möchten – Gymnasium, Oberschule oder Gesamtschule.

Die Vorsitzende des havelländischen Kreis-Elternrates, Ute Jahnke, bedauert, dass der Besuch einer Oberschule von vielen Eltern als Makel angesehen wird: „Im Land Brandenburg sind Oberschulen inzwischen wie Gesamtschulen, nur halt ohne eigene gymnasiale Oberstufe, an der man Abitur machen kann. Dazu geht man nach der 10. Klasse ganz einfach an eine – ab der 11. Klasse nicht mehr so überfüllte – Gesamtschule oder an ein Oberstufenzentrum.“ Denn jeder Oberschüler, der die 10. Klasse mit guten Noten absolviert, hat einen gesetzlichen Anspruch auf einen Schulplatz an einer Gesamtschule oder an einem Oberstufenzentrum, der im Regelfall auch erfüllt werden kann.

„Einem Siebtklässler muss man daher nicht unbedingt einen extrem weiten Schulweg zur Gesamtschule zumuten, wenn eine Oberschule gleich um die Ecke liegt. Ab der elften Klasse kann man solch Wege deutlich leichter meistern. Und nur weil ein Schüler von der Grundschule direkt auf eine Gesamtschule wechselt, heißt das noch lange nicht, dass er dort auch Abitur machen wird. Im Durchschnitt schaffen nur ein bis maximal zwei Drittel der Gesamtschüler den Sprung in die 11. Klasse – darunter auch einige, denen man das in der Grundschule nicht zugetraut hätte. Andere wiederum hatten Gymnasial-Empfehlung und beginnen dann nach der 10. Klasse doch lieber eine Berufsausbildung“, gibt die zweifache Mutter zu bedenken.

Die Durchschnittswerte erklären sich durch die gesetzlich festgelegte Drittel-Regelung für Gesamtschulen. Je ein Drittel der dortigen Schülerschaft muss eine andere Schulempfehlung haben: die Allgemeine Hochschulreife (AHR – auch bekannt als Gymnasial-Empfehlung), die Fachoberschulreife (FOR – anderenorts Realschul-Empfehlung genannt) und die Erweiterte Berufsbildungsreife (EBR – in anderen Bundesländern als Hauptschul-Empfehlung bezeichnet). Zudem gibt die Falkenseerin zu bedenken: „Am Gymnasium scheitern einige Schüler mit ihren Noten, an der Gesamtschule an zu großem Andrang. An Oberschulen hingegen darf jeder lernen – ganz egal mit welcher Schul-Empfehlung. So zeigt sich auch hier oftmals eine bunte Mischung, bei der dann nach der 10. Klasse etwa ein Drittel in Richtung Abitur weitergeht. Von daher finde ich den schlechten Ruf der Oberschulen  völlig unbegründet.“

Übrigens: Es gibt zwar auch immer wieder Schüler, die vom Gymnasium auf eine Gesamtschule wechseln wollen, um die Abiturprüfungen doch lieber erst in der 13. Klasse zu absolvieren. Aber da sie bereits einen Schulplatz bis zum Abitur haben, müssen sie sich hinter den zu versorgenden Oberschülern anstellen und schauen, ob sie noch einen der übrig gebliebenen Plätze ergattern können.

„Nicht zu unterschätzen sind die Oberstufenzentren mit ihrem breit gefächerten Angebot“, betont Jahnke. „Neben der Berufsschule für reguläre Azubis bieten Oberstufenzentren im ‚beruflichen Gymnasium‘ das reguläre Abitur in drei Jahren an. Und in der Fachoberschule kann man innerhalb von zwei Jahren die ‚Fachhochschulreife‘ erreichen (im Volksmund auch Fachabitur genannt), wobei man sich für einen Schwerpunkt entscheidet: Sozialwesen, Technik oder Wirtschaft. Anschließend kann man an jeder Fachhochschule seine berufliche Fachrichtung studieren und so seinen Fachhochschulabschluss machen, z.B. ‚Ingenieur (FH)‘. Diese Studiengänge gelten als besonders berufsorientiert und bieten gute Chancen auf dem Arbeitsmarkt.“ Oder man sucht sich nach der 10. Klasse einen Arbeitgeber, bei dem man ein duales Studium absolvieren und gleichzeitig ab dem ersten Tag Geld verdienen kann.

„Ein Abitur alleine ist kein Garant für gute Chancen auf dem Arbeitsmarkt. Nicht umsonst sagt man: ‚Handwerk hat goldenen Boden‘. Schließlich gibt es viele Ausbildungsberufe, die einem ein gutes Einkommen bieten, auf das so mancher Akademiker neidisch wäre“, mahnt die Elternsprecherin. „Und eins sollte man nie vergessen: In einer Gesellschaft werden alle Berufe benötigt. Was nützen einem tausend Wissenschaftler, wenn es keine Maurer, Bäcker, Friseure oder Pflegekräfte gibt?“

Schlagwörter

Leserforum

Um einen Kommentar zu schreiben, melden Sie sich bitte oben rechts an. Falls Sie noch keinen Login haben, registrieren Sie sich bitte.

Alle Leserkommentare geben ausschließlich die persönlichen Ansichten und Meinungen des Autors wieder und sind keine redaktionelle Meinungsäußerung. Für die Richtigkeit und Vollständigkeit der Inhalte übernimmt die Redaktion keinerlei Gewähr.

Ihr Kommentar zum Thema

Kommentartitel
Name
(öffentlich sichtbar)
Email
(wird nicht veröffentlicht)
(Ihr Name wird auch in der Zeitung veröffentlicht. Die Adresse wird nicht veröffentlicht.)
© 2019 MOZ.de Märkisches Medienhaus GmbH & Co. KG