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Kein Beschluss
Pattsituation zur Fortschreibung des Nahversorgungskonzeptes

Der Kaiser’s-Supermarkt an der Adlerstraße ist schon lange geschlossen.
Der Kaiser’s-Supermarkt an der Adlerstraße ist schon lange geschlossen. © Foto: Silvia Passow
Silvia Passow / 11.01.2019, 13:00 Uhr
Falkensee Am Dienstag stellte Dr. Manfred Bauer von der Beratungs- und Management GmbH Cima das fortgeschriebene Konzept zur Nahversorgung für Falkensee im Ausschuss für Stadtentwicklung, Umwelt und Wirtschaft vor. Überzeugen konnte er damit nicht. Die Beratung hätte zu einem Beschluss führen sollen, drei der Abgeordneten stimmten für das Konzept, drei dagegen, bei zwei Enthaltungen.

Bereits im Vorjahr hatte Bauer den Mitgliedern des Ausschusses das Konzept vorgestellt. Diesmal gab es eine modifizierte Version. Zwei Stunden dauerten Vorstellung und die Beantwortung der Fragen der Abgeordneten. Dabei wurden nicht für jedes Ausschussmitglied alle Fragen schlüssig geklärt. Trotz Patt in der Abstimmung soll das Nahversorgungskonzept in der Stadtverordnetenversammlung (SVV) vorstellig werden. Der Vorsitzende im Ausschuss, Hans-Peter Pohl (CDU) forderte jene Abgeordnete, die sich gegen das Konzept aussprachen, auf, ihre Änderungsvorschläge bis dahin einzureichen.

Das Nahversorgungskonzept sollte das bereits bestehende Konzept aus dem Jahr 2012 fortschreiben, was nicht zuletzt den steigenden Bevölkerungszahlen geschuldet ist. Dafür wurde von Bauer zunächst der Ist-Zustand analysiert. Die derzeitige Situation in Falkensee bewertet er als gut, aber durchaus ausbaufähig. Errechnet wird der Bedarf pro 1.000 Einwohner. Im Vergleich zu Städten wie Königs-Wusterhausen oder Eberswalde ist das Falkenseer Angebot niedrig. Allerdings lohnt hier ein etwas genauerer Blick.

Zu wenig Drogerien, nur eine, um genau zu sein. Laut Bauer wird pro 12.000 Einwohner mit einer Drogerie gerechnet. Im Bereich Lebensmittel sieht es dafür gut aus, es gibt allerdings eine deutliche Dominanz bei den Discountern. Die derzeitigen Versorgungszentren sind nicht nur autoorientiert angelegt, stellt Bauer lobend fest. Die Versorgungszentren sind günstig und relativ gleichmäßig im Stadtgebiet verteilt, sagt er weiter.

33 Ladeneinheiten stehen derzeit leer, was insgesamt rund 3.100 Quadratmetern entspricht. Davon entfallen allein 1.000 Quadratmeter auf den ehemaligen Kaiser’s Markt in der Adlerstraße. Mit einem Leerstand von 16 Prozent liegt Falkensee unter dem Brandenburger Schnitt von 22 bis 23 Prozent. Allein 29 Prozent der Verkaufsfläche entfälle aber, laut Bauer, auf das Real Warenhaus.

Die zentralen

Versorgungspunkte

In Falkenhain ist der Bereich um das Haveleck für etwa 7.000 Einwohner der zentrale Versorgungspunkt. In Finkenkrug finden 8.000 Einwohner rund um den Bahnhof ihr Versorgungszentrum, nicht weit entfernt liegt das Zentrum Wachtelfeld. Im Bereich der Adlerstraße wird sichtbar, wie es sich auswirkt, wenn der Magnet, hier Kaiser’s, wegfällt. Das Zentrum wirkt nicht einladend, Bauer rät dringend zu einer Reaktivierung des Gebäudes, besser noch einem Neubau. Denn für die heutigen Supermärkte ist das Gebäude zu klein, eventuell ließe sich hier ein Discounter einrichten.

Mit Blick auf die Bevölkerungsdichte in dem Bereich sieht Bauer für den Standort großen Handlungsbedarf. Hier kann Bürgermeister Heiko Müller (SPD) Neuigkeiten weiterreichen. Mit den Eigentümern des seit Jahren leerstehenden Gebäudes steht die Verwaltung nun wieder in Kontakt. Die Ruhe wäre, so Müller, vom Eigentümer ausgegangen. Mit der Aufnahme der Gespräche erhofft er sich eine Lösung für die Adlerstraße. Verkaufen wollten die Eigentümer nicht, wohl aber selbst investieren, so Müller.

Auch der Dorfanger zählt zu den Nahversorgungszentren. Gemeint ist hier die Rathauspassage und der benachbarte Discounter und die Bäckerei Thonke. Und dann ist da noch die Bahnhofstraße im Zentrum.

Solitärstandorte, wie zum Beispiel der Lidl in der Falkenhagener Straße, kommen zu den Zentren hinzu. Der Lidl liegt im Einzugsbereich von rund 1.000 Einwohnern, lockt aber augenscheinlich weitaus mehr Kunden. Auch der NP-Markt in der Falkenstraße ist aus strukturellen Gründen wünschenswert, so Bauer. Für etwa 3.300 Einwohner ist der Markt das nächstgelegene Einkaufsziel. Zu diesen Solitärstandorten zählt auch der Norma in der Seegefelder Straße und der Nahkauf in der Spandauer Straße.

Bauers abschließende Empfehlung lautet die Nahversorgungsbereiche städtebaulich zu schützen, die Solitärstandorte zu erhalten, aber nicht im größeren Umfang auszubauen. Das Konzept zu veröffentlichen, ist ebenso seine Empfehlung.

Das Potenzial der alten Stadthalle, besser das, was dort mal entstehen könnte, ist im Konzept nicht hinreichend geklärt. Die Situation in der Adlerstraße ist unbefriedigend und bedarf schneller Verbesserung.

Die kleinen Einzelhändler an der Spandauer Straße sind nicht im Nahversorgungskonzept erfasst. Auch hier sehen einige Abgeordnete Änderungsbedarf. Und auch die Frage, ob die die Stadt überhaupt so ein Konzept braucht, steht im Raum.

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