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Neujahrsempfang
Flammende Reden für ein geeintes und starkes Europa

Gemeinsam für Europa: Mitglieder der Europa-Union und Redner beim Neujahrsempfang.
Gemeinsam für Europa: Mitglieder der Europa-Union und Redner beim Neujahrsempfang. © Foto: Silvia Passow
Silvia Passow / 09.02.2019, 08:45 Uhr
Elstal Das die im Mai anstehende Wahl für ein Europäisches Parlament auch zur Schicksalswahl für die Europäische Union werden könnte, darüber waren sich alle Redner auf dem Neujahrsempfang der Europa-Union Havelland einig. Populisten und Europagegnern keinen Raum lassen und der dringende Aufruf wählen zu gehen, waren wiederkehrende Botschaften.

Etwa hundert Gäste waren der Einladung zum Neujahrsempfang in der Pfannkuchenschmiede in Karls Erlebnisdorf gefolgt. Unter den Gästen: Mitglieder der Europa-Union, Kommunalpolitiker verschiedener Parteien, eine Vertreterin der Interessengemeinschaft „Freunde für Europa“ aus Rathenow.

Hans-Peter Pohl (CDU), Vorsitzender der Europa-Union Havelland, betont in seiner Begrüßungsrede die angestiegene positive Resonanz, die die Europäischen Union (EU) in der Bevölkerung findet. Jährlich ermittelt die Europäische Kommission im „Europa-Barometer“, die Haltung der Europäer zur EU. Dafür wurden rund 28.000 Europäer/innen aus allen 28 Mitgliedstaaten befragt. Hier sprachen sich 60 Prozent der Befragten für eine EU-Mitgliedschaft als gute Sache aus. In Deutschland waren es sogar 79 Prozent. Das „eigene“ Land profitiere von einer Mitgliedschaft, sagten rund zweidrittel. Seit 1983 der höchste Wert. Dreiviertel der Deutschen glauben, Deutschland profitiere von der EU, so das Barometer. 72 Prozent der Deutschen glauben, dass ihre Stimme in der EU Gewicht hat.

Sieht doch gut aus für die EU, warum die Sorge? Pohl fürchtet, die Menschen würden von ihrem Wahlrecht keinen Gebrauch machen. Ähnlich wie in Groß Britannien zum Brexit-Votum, nicht wählen gehen und hinterher über die Konsequenz erstaunt sein. Pohl findet deutliche Worte: „Es darf nicht zu einem Dexit, also einem Austritt Deutschlands aus der EU oder einer Auflösung der EU kommen, so wie es in der AfD diskutiert wird“, sagt er und verweist auf das Wahlprogramm der Partei.

„Es muss den Menschen klar sein, was auf dem Spiel steht“, sagt Landesvorstand Wolfgang Balint. „Ein geeintes Europa ist Friedensgarant“, sagt er weiter. Dabei sieht er durchaus Reformbedarf in der Institution EU. Europa muss sozialer werden und er wirbt für die Einführung eines Mindestlohns in allen Mitgliedstaaten. Einheitliches Auftreten in der Außen- und Sicherheitspolitik, fordert er, sowie eine gemeinsame Einwanderungs- und Asylpolitik, dazu die Sicherung der EU-Außengrenzen. „Wir müssen den Reichtum der Vielfalt erhalten. Das macht auch Spaß.“

Lobende Worte findet der Landesvorstand der Europa-Union für den Kreisverband Havelland. Diesen Worten schließt sich Generalsekretär Christian Moos an. „Kaum ein Kreisverband hat eine solche Entwicklung hingelegt.“

Für Günter Chodzinski (B’90/ Die Grünen), Mitglied bei der Europa-Union Havelland, zählen der Frieden, wie auch das gemeinsame kulturelle Erbe zu den großen Gewinnen in Europa. Klima- und Naturschutz, deren Auswirkungen keinen Respekt vor Grenzen kennen, lassen sich nur gemeinschaftlich bewerkstelligen. Mit den europaweiten Fauna-Flora-Habitaten sieht er einen Schritt in diese Richtung. Auch Chodzinski warnt vor dem Zerfall Europas, sehr bildlich. „Wenn aus dem Ei erst einmal Rührei wurde, lässt sich das nicht mehr rückgängig machen.“

Ohne Europa wäre die „Ehe für Alle“ nicht möglich geworden, sagt Harald Petzold (Die Linke). „Politik geht nicht mit einfachen Sprüchen“, sagt der frühere Bundestagsabgeordnete Petzold. Er selbst möchte sich als Kandidat für die Wahlen aufstellen lassen. Für Simon Vaut, Kandidat der SPD, sind neben der Digitalisierung auch die sozialen Fragen ein Thema. „Die Menschen haben das Gefühl, Europa ist zu viel Markt und zu wenig sozial“, sagt er.

„Wustermark ist Europa“, sagt der parteilose Bürgermeister aus Wustermark, Holger Schreiber. Schließlich sei die Gemeinde mit Karls Erlebnisdorf und dem Outlet-Center Besuchermagnet, etwa 40 Prozent der Gäste seien Touristen. „Die Gemeinde profitiert von im Güterverkehrszentrum angesiedelten Firmen“, sagt er und verweist auch auf die vielen Fördergelder aus EU-Mitteln, von denen Wustermark profitiert hat. Auch Schreiber ruft zum Wahlgang im Mai auf. „Gehen sie wählen, gegen die Populisten und Nationalisten. Wir brauchen ein geeintes Europa, kein Verrücktes.“

Während die ersten Pfannkuchen-Kreationen à la Karl serviert wurden, gewährte Frank Havemann, Kommunikationschef bei Karls, noch einen Ausblick in die Zukunft des Erlebnisdorfes. Robert Dahl, der den Familienbetreib führt, plant am Standort Elstal mit Investitionen von insgesamt 100 Millionen Euro. Neben dem Baubeginn für das erste Hotel auf dem Areal, soll am 13. April das Wasserabenteuer „Plantsch“ im Außenbereich eröffnen.

Europa-Union Havelland

Die Europa-Union ist die größte Bürgerinitiative Europas. Die ehrenamtlichen Mitglieder wollen neue Perspektiven für Europa öffnen und Vorbehalten gegen die EU in Informationsveranstaltungen und Diskussionsrunden mit den Bürgern begegnen. Die Europa-Union agiert unabhängig und überparteilich. Im Kreisverband der Europa-Union Havelland sind 62 Mitglieder aktiv. Die Plattform ist für alle Europäer offen, neue Mitglieder sind willkommen. „Im Kreisverband sind wir nicht nur Deutsche. Wir sind Europäer“, sagt Stefan Rosenbohm, Mitglied der Europa-Union Havelland. In den „geraden“ Monaten treffen sich die Mitglieder den dritten Donnerstag eines Monats um 19 Uhr im Falkenseer Restaurant „Karyatis“ zum Stammtisch.

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