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Lokalgeschichte
Wo schon die Schweden durch das Luch marschierten

Helmut Augustiniak / 10.02.2019, 08:30 Uhr
Nauen Das Interesse an den Wintervorträgen des Vereins der Heimatfreunde Nauen ist ungebrochen. Wie in den vorangegangenen Veranstaltungen reichten auch am letzten Januartag die Sitzgelegenheiten nicht aus, um alle Besucher unterzubringen. Thema der Vortrags war der ehemalige Ruppiner Damm.

Die Dammstraße ist eine der historisch interessantesten Straßen der Stadt. Sie war ursprünglich ein durch Knüppel befestigter Damm, der vom Rand des Havelländischen Luches, an dem Nauen liegt, durch das Luch zu der strategisch wichtigen Stadt Kremmen führte. Er war 625 m lang und 2 bis 3 m breit. Auf ihm marschierten schon die Schweden im Dreißigjährigen Krieg und 1806 eine Kolonne von 75.000 Soldaten Napoleons.

Die wichtigsten und auch die interessantesten Häuser sollen hier erwähnt werden. Der Vortrag begann mit den Gebäuden, die der Holzmarktstraße am nächsten stehen. Das Bekannteste ist hier das Café Korn. Seit 1906 war es ein Café mit einer Konditorei. Die Standfestigkeit in dem moorigen Boden erhält das Gebäude durch das Einbringen von 191 Eichenpfählen, die eine Länge von 12 m haben. Es ist eins von sieben gastwirtschaftlichen Hotels und Cafés zwischen der Holzmarktstraße und dem Bahnhof im Jahre 1924.

Mit den Hausnummern 24, 25 und 26 standen drei Wirtschaften nebeneinander. Dabei leistete sich die Stadt mit dem Hotel „Funkenturm“, Dammstraße Nummer 26, auch ein Bordell. Drei Häuser weiter in Richtung Bahnhof steht noch heute das Gebäude des „Kaiserlichen Postamts“. Die Bezeichnung erhielt es auf Befehl des deutschen Kaisers als Bismarck dem Fürsten von Thurn und Taxis das Postwesen abgekauft hatte. Seit 1894 waren auf dem Dach schon Vorrichtungen für den Telegrafendienst angebracht, erst 1924 erhielt es einen Anbau für den Telefonverkehr.

Neben der Post steht das Gebäude des ehemaligen St. Georgenhospitals. Es entstand auf dem Gelände des städtischen Siechenhauses in den Jahren 1870/71. Wirtschaftlich war es autark, da es zur Sicherung des Betriebes landwirtschaftliche Flächen erhielt. Ab 1911 konnten sich auch evangelische Christen für 384 Mark in das Haus einkaufen. 1956 wurde das Haus zum Feierabendheim „Clara Zetkin“, heute dient es als Familientreff.

Ein besonders auffälliges Haus ist die Nummer 12. Es ist ein großes Geschäfts- und Wohnhaus. Von 1910 bis 1911 war im Ladenlokal ein Konfektionsgeschäft untergebracht, danach hatten die Brandenburgischen Kreis-Elektrizitätswerke dort einen Ausstellungsraum. Nach ihnen betrieb der Friseurmeister Müller dort sehr lange einen Friseursalon. Der Ur-Nauener Malermeister Wolfgang Döpke, der an jeder Veranstaltung der Heimatfreunde teilnimmt, gab Folgendes zum Besten: „Dieses Haus und das Nebenhaus in der Spandauer Straße waren durch einen großen lichtlosen Keller verbunden. Meine Kumpels und ich spielten in dem Keller Verstecken. Wenn man in der Spandauer Straße in den Keller einstieg, konnte man in der Dammstraße wieder herauskommen. Der Friseurmeister durfte das nicht bemerken, sonst gab es Ärger.“

Den Abschluss der Dammstraße bildeten die Schienen der Berlin-Hamburger Eisenbahn und die der Kleinbahn Nauen-Rathenow. Sie verliefen quer über die Straße. Sobald sich ein Zug näherte, wurde der Verkehr auf der Dammstraße angehalten. Die Lage entspannte sich erst, als eine Eisenbahnbrücke gebaut wurde, die die Straße überquerte. Die Kleinbahn wurde 1961 eingestellt.

Der nächste Vortrag, der die Thematik des Nauener Staatsbahnhofes behandelt, findet am 28. Februar statt.

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