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Gedenken
"Wir wollen keine weiteren schweren Unfälle"

Im Gedenken an bei Verkehrsunfall getötete Radfahrerin auf der L201 zwischen Falkensee und Alt Brieselang wurde ein Geisterfahrrad an einen der Bäume gelehnt, eine Freundin des Opfers stellte das Foto dazu.
Im Gedenken an bei Verkehrsunfall getötete Radfahrerin auf der L201 zwischen Falkensee und Alt Brieselang wurde ein Geisterfahrrad an einen der Bäume gelehnt, eine Freundin des Opfers stellte das Foto dazu. © Foto: Silvia Passow
Silvia Passow / 19.04.2019, 11:00 Uhr
Havelland Seit einem Jahr radelt die "Critical-Mass"-Initiative mit einer deutlichen Botschaft durch Falkensee. Die Verkehrswege für Radfahrer sicher machen und Radfahrende als gleichberechtigte Verkehrsteilnehmer wahrnehmen. Am 12. April führte die Route aus Falkensee hinaus, Richtung Alt-Brieselang, der L201 folgend.

Die rund vierzig Teilnehmer hielten an einem Abschnitt der Landstraße, deren kurvige Streckenführung an Reiterhöfen vorbeiführt. Hohe Bäume säumen die Fahrbahn, der Wald grenzt an die Straße. Schönstes Brandenburger Land. Für Radfahrer ist die Strecke jedoch nicht empfehlenswert. Es gibt keinen Radweg und keine Querungshilfen für die Anwohner, beklagt eine Frau, die auf einem der Höfe ihr Pferd zu stehen hat. So wie auch das Unfallopfer, eine 77-jährige Frau, die am Abend des 19. März an dieser Stelle tödlich verunglückte. Die Seniorin war mit dem Fahrrad unterwegs gewesen.

Es wird angenommen, dass sie in einen Waldweg abbiegen wollte. Dabei fuhr die Radfahrerin einem Auto, dass sie gerade überholte, in die rechte Fahrzeugseite. Sie stürzte, verlor das Bewusstsein und erlag trotz eingeleiteter medizinischer Notfallmaßnahmen ihren Verletzungen. Laut Polizei haben Zeugen ausgesagt, der Autofahrer habe geblinkt und habe einen ausreichend großen Sicherheitsabstand eingehalten.

"Jeder Tod im Straßenverkehr hinterlässt durchschnittlich über einhundert Trauernde", sagte Martin Eiselt (B’90/Die Grünen) in seiner Rede am Ort des Unfalls und drückte im Namen aller Anwesenden die tiefe Anteilnahme aus. Eiselt spricht für den Allgemeinen Deutschen Fahrradclub (ADFC) Falkensee, das Netzwerk fahrradfreundliches Falkensee und der Arbeitsgemeinschaft Radwege im Havelland. "Wir wollen keine weiteren schweren Unfälle", bekräftigte er.

Ein weißes, sogenanntes Geisterfahrrad wird auf die Straße gelegt. Man bildete einen Kreis darum und gedachte der getöteten Radfahrerin in einer Schweigeminute. Die begleitende Polizeieskorte sperrt die L201 für die Trauernden rund fünfzehn Minuten ab. Doch es wurde nicht nur getrauert. Eiselt stellte in seiner Rede klare Forderungen. "Unaufmerksamkeiten bei Kraftfahrzeugführern oder bei Radfahrenden können gleichermaßen zu schweren Unfällen führen und es hilft nicht, nur die Schuldfrage zwischen den Unfallbeteiligten zu klären", sagte Eiselt und forderte stattdessen Maßnahmen. Radwege, die möglichst durchgängig geführt werden und somit so wenig wie möglich den Kfz- Verkehr kreuzen. Dazu Querungshilfen und breite Radfahrstreifen, wo viel Radverkehr herrscht.

Und nicht zum ersten Mal erinnerte er an die Situation für Radfahrer an der Schönwalder Straße in Falkensee. Eiselt mahnt hier einen dringenden Bedarf für eine Querungshilfe an. Besonders mit Blick auf die Schüler des Vicco-von-Bülow- und Lise-Meitner- Gymnasiums. Eiselt richtete sich ganz konkret an die Verantwortlichen in der Politik: "Veranlassen Sie dies, Herr Garn für diese Stelle, an der wir hier stehen. Veranlassen Sie dies, Herr Müller und Herr Zylla, für die Querungshilfe an der Schönwalder Straße. Der Landesbetrieb für Straßenwesen braucht für Radwege eine hinlängliche Finanzierung vom Ministerium für Infrastruktur und Landesplanung. Veranlassen Sie dies, Frau Ministerin Schneider. Verhindern Sie künftige Verkehrstote in Brandenburg durch zukunftsgerichtetes Handeln."

2018 wurden 20 Radfahrer auf Brandenburgs Straßen getötet. Das sind sechs weniger als im Vorjahr. Bei der Zahl der verletzten Radfahrer gab es einen Anstieg. Insgesamt ist die Zahl der Verkehrstoten gesunken. Dennoch ist Brandenburg gefährliches Pflaster. Nur in Sachsen-Anhalt gab es noch mehr Verkehrstote als hier. Von Radwegen für die Sicherheit profitieren aber nicht nur die Radfahrenden selbst. Der Autofahrer mag vor körperlichen Schäden geschützt sein, das traumatische Erlebnis einer Kollision mit einem Radfahrer dürfte aber psychische Spuren hinterlassen.

Geisterfahrrad

Die weißen Geisterfahrräder (Gost Bikes) sollen als Mahnmal für tödlich verunglückte Radfahrer dienen und gleichzeitig auf Gefahrenpunkte aufmerksam machen. Die ersten zwanzig Geisterräder wurden 2003 in St. Louis (Missouri/USA) aufgestellt. 2009 stellte der ADFC elf weiße Gedenkräder in Berlin auf. Auch für die zehnjährige Radfahrerin, die im Vorjahr in Brandenburg an der Havel bei einem Unfall getötet wurde, ist ein Geisterfahrrad errichtet worden.

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