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Regionalgeschichte
Ein Bahnhofsgebäude wurde nicht mehr errichtet

Der Bahnhof Nauen im Jahr 2019.
Der Bahnhof Nauen im Jahr 2019. © Foto: Helmut Augustiniak
Helmut Augustiniak / 23.04.2019, 16:03 Uhr
Nauen Aus Sicherheitsgründen können die Nauener Heimatfreunde zu ihren Vorträgen nur noch maximal 60 Personen zulassen. Bei der großen Beliebtheit dieser Veranstaltungen wird zukünftig nur mit Voranmeldung ein Besuch im Richard-Hof möglich sein.

Der Flyer der Einladung zum dritten Wintervortrag zeigte das spektakuläre Bild eines Schienenfahrzeuges, das den wenigsten Besuchern bekannt war. Wolfgang Johl, Vorsitzender des Vereins, klärte zu Beginn des Vortrages die Anwesenden über das abgebildete Fahrzeug auf. Es war der von Franz Krukenberg 1929 konstruierte Eisenbahntriebwagen, der vom Konstrukteur "Flugbahn-Wagen" genannt wurde. Er stellte bei seiner Fahrt von Berlin nach Hamburg einen Geschwindigkeitsrekord von 230,2 km/h auf. Dieser Rekord hatte 24 Jahre Bestand. Interessant war für die Zuhörer, dass dieser futuristische Triebwagen auch den Bahnhof Nauen durchfuhr. Aufgrund verschiedener Umstände war sein Betrieb aber nicht wirtschaftlich und es wurde nur das eine Versuchsexemplar gebaut.

Der darauf folgende Vortrag war überschrieben mit "Das Verkehrsprojekt 2 Deutsche Einheit". Er behandelte die Veränderungen von 1945 bis 1997, die den Bahnhof Nauen betrafen. Wolfgang Seeger, der sich auch um die Kriegsgräberfürsorge im Havelland und besonders in Nauen kümmert, knüpfte an das Ende des zweiten Wintervortrages an. Er wies auf die gewaltigen Zerstörungen des Bahnhofsgebäudes und der Bahnanlagen hin. Eindrucksvolle Bilder wurden von den zerstörten Betrieben und den Eisenbahnbrücken gezeigt. Die Gleisanlagen blieben relativ unzerstört. Menschenopfer waren zu beklagen. 85 Tote gab es, darunter 13 Eisenbahnangestellte.

Am 24. April 1945, als die Rote Armee Nauen und Umgebung erreichte, sprengten deutsche Pioniere noch alle unzerstörten Brücken. Ab 15. Mai 1945 wurde die deutsche Zivilbevölkerung zu Aufräumarbeiten eingesetzt. Ein wenig bekanntes Eisenbahnunglück ereignete sich am 10. Oktober 1945, als ein Personenzug auf einen haltenden Güterzug auffuhr. 16 Todesopfer waren zu beklagen. Die Berichterstattung darüber wurde in den Lokalzeitungen von der russischen Kommandantur verboten, nur die "Berliner Morgenpost" berichtete darüber.

In den Nachkriegsjahren verlief der Eisenbahnverkehr zwischen Nauen und Berlin recht normal. Viele Nauener arbeiteten in Berlin, auch in Westberlin. Oft wurden Reisende, die aus Berlin kamen, in Nauen im Eisenbahntunnel kontrolliert und die von ihnen mitgeführten Waren beschlagnahmt. Trotzdem war der Bahnhof Nauen ein Lebensmittelpunkt der Stadt. Auch noch als 1961 die Berliner Mauer gebaut wurde und die direkte Verbindung Nauen – Berlin unterbrochen wurde. Hier befanden sich die Ausbildungsstätte für die Lehrlinge der Deutschen Reichsbahn, eine Mitropa-Gaststätte, die Abfertigung für die Güterzüge der Nauener Betriebe, eine Fahrrad- und Gepäckaufbewahrung, eine Toilettenanlage und eine Fahrkartenausgabe sowie eine Station der Inneren Mission.

Viele dieser Institutionen wurden nach der Wende eliminiert. Das Leben wurde anders organisiert. Der Wunsch nach dem Aufbau eines Nauener Bahnhofsgebäudes flammte wieder auf. Wenig bekannt ist, dass zwischen dem Vorsitzenden des ehemaligen Rates des Kreises Nauen und dem Präsidenten der Reichsbahndirektion Berlin schon vor der Wende turnusmäßige Besprechungen zum Bau solch eines Gebäudes geführt wurden. Der Alt-Bürgermeister von Nauen, Werner Appel, hatte dann das Glück, den Grundstein für ein neues Gebäude zu legen. Ein Foto dazu wurde während des Vortrages gezeigt. Ein Gebäude wurde aber nicht errichtet. Jedoch wurden erhebliche Verbesserungen im Eisenbahnverkehr zwischen Nauen und dem Umland erreicht.

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