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Havelkanal
Flutung in nur drei Stunden

Sandra Euent / 30.04.2019, 13:42 Uhr - Aktualisiert 30.04.2019, 20:41
Schönwalde-Glien (MOZ) Eigentlich hatten Bürgermeister Bodo Oehme (CDU) und der CDU-Ortsverband nur eine dieser Kanal-Fahrten geplant. Doch bereits nach wenigen Tagen hatten sich zum ersten Termin weit mehr Menschen gemeldet, als auf dem Ausflugsdampfer Platz fanden. Daher wurde zusätzlich zum Termin Anfang April noch einer Ende April anberaumt. Auch im Herbst will man nochmals auf Dampferfahrt gehen.

Die ausgebuchte Fahrt am 28. April begann mit einer nicht so schönen Überraschung. Die Schleuse in Berlin-Spandau hatte nur wenige Tage zuvor ihren Dienst quittiert und somit war der kürzeste Weg vom Spandauer Lindenufer in den Havelkanal und zur Schleuse Schönwalde versperrt. Die Umfahrung über Spree und die Schleusen Charlottenburg und Plötzensee dauerte rund zwei Stunden. Auf dem Rückweg umging man die Einschränkung und hielt vor der Spandauer Schleuse. Das bedeute zwar für die Passagiere einen kleinen Fußmarsch, aber dafür keine weitere Verzögerung. Trotz des Umwegs war man so kurz nach 15 Uhr wieder an Land.

Eine Ausflugsfahrt auf dem Havelkanal mit allerlei Wissenswertem zum Kanalbau organisierte der CDU-Ortsverband aus Schönwalde. Auf Grund der hohen Anmeldezahlen wurden aus einer geplanten Fahrt Anfang April gleich drei: Anfang und Ende April sowie eine weitere Fahrt im Herbst. Da die Schleuse in Berlin-Spandau defekt war, wurde am Sonntag mit einem Umweg über die Schleusen Charlottenburg und Plötzensee Richtung Havelkanal gefahren.
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Fahrt auf dem Havelkanal

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Unterwegs erzählte Bodo Oehme allerlei Wissenswertes über den Bau des Havelkanals. Im April 1951 war dieser beschlossen worden und nach nur 13 Monaten Bauzeit fertig gestellt. Heute allein durch aufwendige Planfeststellungsverfahren undenkbar. Der Havelkanal, der die Havel bei Nieder Neuendorf/ Hennigsdorf verlässt und bei Ketzin/Havel wieder in den Fluss mündet, ist 34,9 Kilometer lang, im Schnitt 34 Meter breit und 3 Meter tief. Nur eine Schleuse, die in Schönwalde, gibt es am Kanal. Ursprünglich waren drei Schleusen im Gespräch, aber das hätte die Fahrtzeiten sehr lang gemacht – unattraktiv für die Schifffahrt. So kommt es, dass die Schleuse in Schönwalde Höhenunterschiede von bis zu 2,25 Metern überwinden muss – je nach Wasserstand in Oberer und Unterer Havel.

Gebaut wurde südlich der Schleuse im Nassbauverfahren, nördlich davon trocken. Zur Havel hin sicherte hier ein Sanddamm ab. Nach Fertigstellung des Kanals war geplant, diesen binnen drei Tagen langsam zu fluten, wie Oehme berichtete. Doch Wasser habe seine eigenen Gesetze und so spülte das Havelwasser, dem man einen kleinen Weg durch den Damm geöffnet hatte, diesen kurzerhand weg und flutete das gesamte Kanalstück in nur drei Stunden.

Das hatte Folgen. Zum einen befanden sich noch schwere Baumaschinen, wie Bagger und Loren im Kanalbecken, die dann mühsam gerettet werden mussten. Zum anderen sank der Wasserstand der Havel in diesen drei Stunden um 50 Zentimeter. Auch ein mittig stehender Brückenpfeiler, der noch nicht mit einer Brücke verbunden war, wurde von den Wassermassen einfach umgekippt.

Bilder vom Bau des Kanals und der Schleuse sind rar. Das Projekt war damals Staatsgeheimnis und die Fotos, die auf dem Schiff gezeigt werden konnten, haben Arbeiter damals quasi illegal gemacht. 1.500 Menschen kam durch den Kanalbau nach Schönwalde. Sie bewegten rund 5,56 Millionen Kubikmeter Erde, schütteten Deiche auf, bauten Schöpfwerke und Brücken.

Heute leben im Kanal verschiedene Fische, haben Otter und Biber dort ein Zuhause. Wassersportler und -Touristen nutzen den Weg über die Schönwalder Schleuse genauso wie Binnenschiffe. Durch den Havelkanal verkürzte sich der Weg zwischen Elbe und Oder um immerhin neun Kilometer.

Übrigens, die Schleuse in Schönwalde ist nur unter der Woche geöffnet, so drehte der voll besetzte Ausflugsdampfer am Ziel einfach um und schipperte ohne Schleusung wieder zurück nachSpandau.

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