Das Nachrichtenportal für Brandenburg
Startseite Märkische Onlinezeitung - MOZ.de
Logo Brandenburger Wochenblatt

Angefahren
Die Sache heißt Fritz

Kater Fritz wurde angefahren und muss nun den Käfig hüten bis seine Verletzungen geheilt sind.
Kater Fritz wurde angefahren und muss nun den Käfig hüten bis seine Verletzungen geheilt sind. © Foto: privat
Silvia Passow / 10.07.2019, 20:00 Uhr
Falkensee Kater Fritz streicht gern durch sein Revier. Er ist mit seinen 15 Jahren ein erfahrener Kater. Lärm mag er nicht, erst recht keine Autos, um die er für gewöhnlich einen großen Bogen macht. Wie ausgerechnet Fritz, liebevoll Fritzi genannt, unter die Räder kommen konnte, ist seinem Frauchen, Christiane Seja, ein Rätsel.

Schnell kann es passieren, die Katze taucht wie ein Schatten zwischen parkenden Autos auf und spurtet los. Nicht immer ist es für Autofahrer möglich, rechtzeitig auf die Bremse zu treten. Die Katze wird angefahren oder überfahren. Für manchen Fahrzeugführer ist das ein Schock. Anderen ist es schlichtweg egal und sie setzen ihren Weg unbeeindruckt fort. In den sozialen Medien kann man regelmäßig verbale Schlagabtausche zum Thema lesen. Darf man nach einem solchen Vorfall einfach weiterfahren? Jein. Zunächst einmal gilt, wer mit seinem Fahrzeug in einen Unfall mit Personen- oder Sachschaden verwickelt ist, darf sich nicht einfach vom Unfallort entfernen. Das wäre Fahrerflucht, nachzulesen im Strafgesetzbuch unter § 142.

Eine Katze gilt rechtlich als Sache, dennoch liegt hier keine Sachbeschädigung, hinsichtlich der Katze, vor. Denn der Besitzer des Haustieres ist verpflichtet, dafür zu sorgen, dass das Tier keine Gefährdung darstellt. Der Fahrer ist also nicht haftbar für die Schäden am Tier. Im Gegenteil, der Tierhalter kann für Schäden am Fahrzeug zur Verantwortung gezogen werden. Es besteht für den Fahrzeugführer zunächst keine Meldepflicht und er muss den Besitzer des Tieres auch nicht ausfindig machen. Anders liegt der Fall, wenn durch das tote oder verletzte Tier eine Verkehrsgefährdung vorliegt. Dann muss die Unfallstelle gesichert und die Polizei gerufen werden.

Ist das Tier verletzt und der Fahrer setzt seinen Weg fort, kann das dennoch rechtliche Konsequenzen haben. Das deutsche Tierschutzgesetz sagt: Kein Tier darf unnötigem Schmerz oder Leid ausgesetzt werden. Die Katze einfach verletzt sich selbst überlassen, kann als Verstoß gegen das Tierschutzgesetz geahndet werden. Laut Bußgeldkatalog kann dies mit bis zu 5.000 Euro bestraft werden.

Christiane Seja fand ihren Fritz vor einigen Wochen jammernd im Carport auf ihrem Grundstück. Er konnte weder laufen, noch stehen. Christiane Seja fuhr mit ihm sofort in die Tierklinik, dort wurde er operiert. Achillessehne zerfetzt, Fußwurzelknochen und Sprunggelenk gebrochen, nur wie durch ein Wunder keine inneren Verletzungen. Nun heißt es sechs Wochen Ruhe halten. Christiane Seja nahm sich Urlaub für die Pflege ihres Katers, reduzierte danach ihre Arbeitszeit. Die Kosten für die Behandlung gehen in den vierstelligen Bereich. "Egal", sagt sie, "hauptsache Fritz wird wieder gesund." Christiane Seja fragt sich: "Hätte Fritz durch schnellere Hilfe weniger leiden müssen?" Denn der rote Kater ist in der Umgebung bekannt. Hätte der Unfallfahrer angehalten und Nachbarn gefragt, man hätte gewusst, wo er hingehört.

Das verletzte Tier einfach seinem Schicksal überlassen, passiere leider viel zu oft, sagt auch Ellen Schütze, Vorsitzende im Landestierschutzverband und Juristin. "Manche Leute fahren auch nach Personen- oder Sachschäden einfach weiter", gibt sie zu bedenken und sagt: "Wir haben einen Wertemangel in der Gesellschaft."

Schlagwörter

Leserforum

Um einen Kommentar zu schreiben, melden Sie sich bitte oben rechts an. Falls Sie noch keinen Login haben, registrieren Sie sich bitte.

Alle Leserkommentare geben ausschließlich die persönlichen Ansichten und Meinungen des Autors wieder und sind keine redaktionelle Meinungsäußerung. Für die Richtigkeit und Vollständigkeit der Inhalte übernimmt die Redaktion keinerlei Gewähr.

Ihr Kommentar zum Thema

Kommentartitel
Name
(öffentlich sichtbar)
Email
(wird nicht veröffentlicht)
(Ihr Name wird auch in der Zeitung veröffentlicht. Die Adresse wird nicht veröffentlicht.)
© 2019 MOZ.de Märkisches Medienhaus GmbH & Co. KG