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Kultur
Führung durch Schloss und Kirche Paretz

Die Dorfkirche Paretz ist ein besonderes Kleinod im Märkischen - sie verfügt über eine Königsloge.
Die Dorfkirche Paretz ist ein besonderes Kleinod im Märkischen - sie verfügt über eine Königsloge. © Foto: Helmut Augustiniak
Helmut Augustiniak / 14.08.2019, 01:15 Uhr
Paretz Bei herrlichem Sommerwetter, einem Tag, an dem die Menschen sich im Freien wohlfühlen, fand in Paretz eine Führung durch das Schloss und die Kirche statt. Von der Annahme, dass die Vielzahl der Fontane-Veranstaltungen das Interesse an den "Wanderungen durch die Mark Brandenburg" erlahmen lässt, war am vergangenen Samstagabend nichts zu spüren.

Von den ehemaligen Dörfern um Ketzin/Havel, Etzin, Falkenrehde und Paretz, die das Interesse Fontanes durch besondere geschichtliche Ereignisse weckten, steht allein Paretz im Fokus des Jubiläums "Fontane 200". Dem tragen die Stiftung Preußische Schlösser und Gärten und der Verein Historisches Paretz Rechnung. Das ehemalige Dorf und jetzige Ortsteil von Ketzin/Havel  wäre nach Einschätzung von Fontaneforschern ein Dorf unter hundert anderen Dörfern im Land Brandenburg geblieben, hätte es Fontane nicht  als Landsitz der Hohenzollernfamilie beschrieben. Insbesondere als "Schloss still im Land" für Friedrich Wilhelm III. und der Königin Luise.

Die Führung durch das Schloss übernahm die Schlossbereichsleiterin Evelin Friedrich. Interessant sind gegenwärtig die zum Schloss Paretz passenden Exponate von der Pfaueninsel. Das Schloss auf der Pfaueninsel wurde 2018 geschlossen, um eine Hüllensanierung durchführen zu können. In Paretz werden mehrere Jahre alte Teile eines KPM-Services mit Vogelmalerei, Hüte, die wahrscheinlich Königin Luise getragen hatte und ein Spieltisch ausgestellt, den Friedrich Wilhelm III. anfertigen ließ. Interessant ist die Zusammenführung dreier Gemälde, die das Schloss und das Dorf Paretz sowie die Pfaueninsel um 1800 zeigen. Sie sind eine Dauerleihgabe des Hauses Hohenzollern.

Nach der Führung konnten sich die Besucher bei Kaffee und kleinem Imbiss auf den Vortrag zur Geschichte der Paretzer Kirche vorbereiten. Blumengebinde schmückten den Innenraum der Kirche. Auch wenn das Kirchlein solch einen Schmuck aufgrund seiner Historie verdient hätte, an diesem Tage diente er zu etwas Anderem. Kurz vorher hatte hier die Trauung einer Urenkelin des legendären Ketziner Bürgermeisters Otto Zesch stattgefunden. Dieser regierte die Stadt von 1889 bis 1923. Er wurde 1913 sogar vom Magistrat auf Lebenszeit für dieses Amt gewählt.

Der Vorsitzende des "Vereins Historisches Paretz e. V." Matthias Marr übernahm den Vortrag zur Geschichte der Kirche. Umrahmt wurde der Vortrag durch Orgelmusik. Holger Wiesner, Kantor des evangelischen Kirchenkreises Rathenow-Nauen, spielte an der Gesell-Orgel von 1864 Werke von Josef Rheinberger, Otto Dienel und Carl Piutti, Zeitgenossen von Theodor Fontane.

Keiner Kirche in der Region wird so viel Aufmerksamkeit entgegengebracht wie dieser kleinen Kirche, die 1797/98 mit dem Dorfumbau durch Friedrich Wilhelm III. an Stelle eines Vorgängerbaues entstand. Friedrich Wilhelm III. bedachte die Kirche mit vielen Schenkungen. Mit dem Neubau der Kirche entstand auch eine Königsloge in der Westwand. Neben den vielen anderen Kunstwerken, die sich an den Wänden des Gotteshauses befinden, erregt die "Apotheose der Königin Luise von Preußen" in der Königsloge besondere Aufmerksamkeit bei den Besuchern. Sie wurde 1811 von Johann Gottfried Schadow geschaffen und auf Befehl des Königs 1820 in der Loge angebracht. Dieses Tonrelief gilt als eines der bekanntesten Luisendenkmäler in Deutschland. Theodor Fontane sah das nicht so. Im Band drei seiner Wanderungen schrieb er: "In ihrer Mischung von christlicher und heidnischer Symbolik ist uns die Arbeit kaum noch verständlich, jedenfalls unserem Sinne nicht mehr adäquat." Eine Meinung, die eher in unsere Zeit passt, als in die Fontanezeit. Seit 1856 kam es zu größeren Eingriffen in das ursprüngliche Aussehen der Kirche. Nach der Wende erfolgte eine umfangreiche Restaurierung des Gotteshauses, womit der Zustand von 1797/98 wieder hergestellt wurde.

Am 20. August gibt es eine weitere Gruppenführung zu den Fontanebesuchen in Paretz.

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