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Schloss Paretz
Vorerst kein Japanisches Haus über der Grotte

Wolfgang Balzer / 09.10.2019, 21:20 Uhr
Paretz Fast genau sechs Jahre nach dem Abschluss der archäologischen Erkundung am Grottenberg im Paretzer Schlosspark nutzten kürzlich erstmals rund 20 Besucher während des historischen Erntefestes die Möglichkeit, die wieder hergestellten Teile dieser bedeutenden Gartenstaffage zu besichtigen.

So konnte Matthias Marr, Vorsitzender des Vereins Historisches Paretz, zeigen, wie der vor Jahren fast vollständig gefundene und geborgene Architekturschmuck des versunkenen "Tempels", eine an die Antike angelehnte Tempelruine zum Gedenken Verstorbener, nun wieder nach historischen Zeichnungen seinen ursprünglichen Platz einnimmt. So wird voraussichtlich im nächsten Jahr die große Giebelfront aus Sandstein mit den toskanischen Säulen und der in Art einer Felsenlandschaft gestalteten Fassadeneinfassung öffentlich besichtigt werden können.

Die damalige Inschrift im Giebelfeld der Tempelfront "Er ist nicht mehr" bezog sich auf den frühen Tod von Friedrich Ludwig, dem Bruder von Friedrich Wilhelm dem III. Nach dem Tode der Königin Luise wurde sie durch die verallgemeinernde Inschrift "Gedenke der Abgeschiedenen" auf einer Marmorplatte überdeckt. Hier stehen noch in diesem Jahr Restaurierungsarbeiten bevor.

Zu dieser im Wesentlichen in den Jahren 1797/1798, vermutlich noch nach Plänen von David Gilly entstandenen, bedeutenden Gartenstaffage gehörten auch die einst den Tempel überspannende eichene Brücke mit Knüppelgeländer, die Grotte und darüber das achteckige japanische Haus, welches über eine am Austritt überwölbte Treppe, eher versteckt, direkten Zugang zur Tempelruine hatte, wie Matthias Marr vor Ort zeigte. Bei der anschließenden Besichtigung der aus Bruchsteinen gemauerten Grotte verwies Marr darauf, dass jeder der großen Kalksteinblöcke, die die Grotte einfassen, den Auflagen der Denkmalpflege entsprechend wieder an seinem ursprünglichen Platz zu finden sei. Der Verein Historisches Paretz verfüge über ein sehr großes Fotoarchiv, das solche detailgetreuen Restaurierungen ermöglicht, sagte er.

Auch das Tonnengewölbe ist, wie sich die Besucher im Innern der Grotte überzeugen konnten, wiederhergestellt. Nach dem Paretzer Skizzenbuch war es mit Ornamentbändern sowie einer Mittelrosette im Scheitelpunkt geschmückt. Die Fächermuster auf der Rückwand waren mit verschiedene Materialien, wie Moose, Steinblumen, Tannenzapfen, Muscheln, Spiegelglas, Porzellan sowie Eichen- und Birkenborke ausgeführt. Während der Ausgrabungen konnten einige der Muscheln geborgen werden. Ob auch diese Dekoration einst wieder die Grotte zieren wird, sei noch nicht entschieden, meinte Marr.

Allerdings wird die bereits vor fast einhundert Jahren morsche und abgetragene Brücke bald wieder zum Denkmalensemble gehören. Auf der Grotte wird eine Plattform entstehen, von der Besucher weit in die Landschaft blicken können. Damit würden im November die Restaurierungsarbeiten vorerst abgeschlossen, meinte der Vereinsvorsitzende. Es sei auch an die Errichtung des einstigen über der Grotte befindlichen achteckigen Japanischen Hauses gedacht. Beides bildete den zentralen architektonischen Schwerpunkt. Aber wann das sein könnte, ist noch ungewiss, informierte Matthias Marr. Es fehlen wohl noch die finanziellen Mittel, und das trifft auch für den einst davor befindlichen großen Teich zu.

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