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Streit um Altlasten
Hallenbad-Grundstück in Falkensee wird beräumt

Altlastenberäumung auf dem Grundstück an der Seegefelder Straße in Falkensee, auf der einst das Hallenbad geplant war. Der Blick zum Bahnhof und dem Logistik-Zentrum ist nun frei.
Altlastenberäumung auf dem Grundstück an der Seegefelder Straße in Falkensee, auf der einst das Hallenbad geplant war. Der Blick zum Bahnhof und dem Logistik-Zentrum ist nun frei. © Foto: Silvia Passow
Silvia Passow / 20.02.2020, 07:05 Uhr - Aktualisiert 20.02.2020, 13:43
Falkensee (MOZ) Das zuletzt geplante Hallenbad fand keine Mehrheit bei den Stadtverordneten. Doch viele von jenen, die dagegen stimmten, signalisierten auch, dass sie durchaus für ein Hallenbad seien, nur eben nicht für dieses. Für dieses Hallenbad liegt allerdings bereits eine Baugenehmigung vor. Gebaut wird wegen des Votums in der SVV erstmal nicht. Der Seniorenbeirat sammelt allerdings aktuell Unterschriften für den Bau des Bades. Trotz des Baustopps mussten auf dem Grundstück Seegefelder Straße Ecke Seeburger Straße, wo mal das Bad geplant war, kürzlich viele Bäume und Sträucher weichen.

Ende Januar 2020 wurde das Gelände eingezäunt und es rückte auf dem Areal schweres Gerät an. Eine Altlastensanierung gab die Stadt bekannt, solle hier stattfinden. Sogenannte Haufwerke mit einem Gesamtvolumen von 10.000 Kubikmetern sollen abgefahren werden. Zum Vergleich: der Rauminhalt eines Olympischen Schwimmbeckens liegt bei 2.000 bis 3.000 Kubikmetern. Dazu sollten zahlreiche Bäume gefällt werden.

Der Falkenseer Architekt Till Ratzeburg hat sich die der Sanierungsmaßnahme zugrunde liegenden Gutachten (B 7634/18 und B 7650/18) gründlich angesehen und kommt zu dem Schluss, dass wegen der "Altlasten" hier gar kein Baum hätte gefällt werden müssen. Nachdem er die 449 Seiten des Bodengutachtens der Firma BAULAB ausgewertet hat, hat er seine Erkenntnisse in einer Stellungnahme veröffentlicht. Ratzeburg ist Mitglied der AG Umwelt der Lokalen Agenda 21 Falkensee. Seine Stellungnahme gibt aber nicht die Meinung der gesamten Agenda wieder.

Ratzeburg hat Kartenmaterial beigefügt und beschreibt auch für Laien gut nachvollziehbar, wie und wo die Bodenproben entnommen wurden. An fünf Stellen wurde an den Erdoberflächen ein auffälliger PAK-Wert ermittelt. PAK steht für Polycyclische aromatische Kohlenwasserstoffe. An vier dieser Stellen ergab eine tiefere Beprobung keine weiteren Auffälligkeiten. In einem Fall ergab auch die zweite Probe einen Wert über dem Grenzwert.

Wie gefährlich diese PAK sind, hängt von deren Zusammensetzung ab, viele werden als krebserregend eingestuft. Ratzeburg schreibt aber, der Flächenanteil mit Schadstoffen läge nur bei 0,06 Prozent der Gesamtfläche. Auffällig sei auch die Stelle HW 4, hier wurde Wellasbest-Plattenbruch gefunden. Im nordöstlichen Teil wurde bei drei Tiefenbohrungen, die zu einer Mischprobe zusammengefasst wurde, ebenfalls ein erhöhter PAK-Wert ermittelt. Es wurde auch Bauschutt gefunden, lokal begrenzt, sagt Ratzeburg. Der Schutt hätte sich auch nicht mit den viel älteren Erdwällen vermischt und wäre somit einfach zu entfernen. Laut Gutachten, sagt Ratzeburg, wurde der Boden dadurch nicht kontaminiert.

Dennoch würden die Deponie- und Transportkosten mit mehr als einer Million Euro zu Buche schlagen. Der Grund liegt in der Erdgeschichte Falkensees. Der Boden enthält die für Falkensee typischen pleistozänen Flugsande, die Torf und Humus enthalten. Diese saure Erde sei heute nicht mehr erwünscht und damit in der Entsorgung teuer, erklärt Ratzeburg auf Nachfrage. Ratzeburg kommt zu dem Schluss, dass von Altlastensanierung keine Rede sein könne. Er stellt die Frage, warum die umfangreichen Arbeiten stattfinden.

Liegen/lagen auf dem Grundstück gesundheitsgefährdende Altlasten? Nein, eine akute Gesundheitsgefahr, die ein sofortiges Handeln erforderlich macht, sehe die Stadtverwaltung nicht, heißt es auf Nachfrage. Und schränkt dann ein: "Allerdings besteht bei Altlasten immer eine Gefährdung, deshalb der Begriff Altlasten.". Ferner beruft man sich in der Antwort auf eine positive Wirkung auf Boden und Wasser, wenn bodenverunreinigende Stoffe entfernt werden. Ein Einsickern von Schadstoffen ins Grundwasser solle vermieden werden.

Bei den Altlasten handelt es sich im Wesentlichen um Boden-Bauschutt-Gemisch. Dazu Haufen aus Teerpappe, Asbest, Bauresten, ein Autowrack und diversen Schrott. Alle asbesthaltigen Abfallarten gelten laut Umweltbundesamt als gefährliche Abfälle. Kommt Asbest mit der Atemluft in den Körper, kann es lebensbedrohliche Krankheiten, wie Asbestose oder Lungenkrebs, auslösen. Verwitterung kann zu einem Ablösen der Fasern führen. Ob diese schädlich sind, muss laut Umweltbundesamt im Einzelfall geprüft werden. Allerdings wurde "nur" an einer Stelle auf dem Areal Asbest gefunden.

Für Ratzeburg und einen Anwohner bleibt die Frage, ob es nötig war, wenn es doch "nur" um Altlasten ging, so viele Bäume, ein Anwohner spricht von rund 200, zu fällen oder ob man Asbest, Bauschutt und Autowrack nicht auch mit weniger Aufwand zu Leibe rücken hätte können.

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