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Gegenwart und Perspektiven
Ketzin/Havel im Jahr 2030

Wolfgang Balzer / 27.06.2020, 10:00 Uhr
Ketzin/Havel Aktuell leben in der Havelstadt mehr als 6.600 Einwohner. Die Prognose von 2005 hatte ihr lediglich 5.700 zugestanden. Und im Jahre 2030 soll laut aktueller Prognose die Einwohnerzahl um rund 840 Ketziner gesunken sein. Für Bürgermeister Bernd Lück ein permanentes Ärgernis, denn mit den in der Planung befindlichen Wohngebieten "Baumschulwiese" und "Zuckerfabrik" sowie kleineren Bauflächen, wie gegenwärtig in der Fontanestraße, rechnet er mit einem vorsichtig geschätzten Zuwachs der Einwohnerzahl um mehr als 1.000. Eine Differenz von rund 1.800 Einwohnern zur Prognose! Das Problem: Davon hängen nach dem gegenwärtigen Prozedere die finanziellen Schlüsselzuweisungen des Landes ab. Immerhin je hundert falsch prognostizierte Einwohner 45.000 Euro weniger.

Aus gegenwärtiger Sicht passt eigentlich alles in Ketzin/Havel für die vom Bürgermeister bereits mehrmals skizzierte Entwicklung. Mit den Wohngebieten entstehen zwar dringend benötigte Wohnungen, aber auch ein für die kleine Stadt riesiger Bedarf an allem, was zur Infrastruktur gehört. Der Personennahverkehr müsste angepasst werden. Auch wenn die Absicht besteht, im künftigen Wohngebiet Zuckerfabrik Arbeitsplätze zu schaffen, wird die Anzahl der Berufspendler erheblich zunehmen.

Deshalb ist es gegenwärtig die Absicht aller Beteiligten, durch die Wiederinbetriebnahme der Bahnstrecke nach Wustermark den Bedarf an öffentlichen Verkehrsmitteln anzupassen. Stundentakt ab den frühen Morgenstunden, in 50 Minuten zum Berliner Hauptbahnhof, 20 Minuten für die 15 Bahnkilometer, so die Aussagen in einer positiv ausgefallenen Studie.

Passend zu dieser städtischen Zukunft wäre ein von Edis im vergangenem Jahr vorgestelltes Energiewendelabor am Standort des ehemaligen Untergrundgasspeichers. So könnte mit den Windenergieanlagen auf der Nauener Platte, der strom- und gasseitigen leitungsgebundenen Infrastruktur, der Biogasanlage sowie der geplanten eigenen kleinen Windenergieanlage das Zusammenspiel von Sonne, Wind, Biogas und Energieeinspeisung versuchsweise praktiziert werden. Es gibt Überlegungen, dass die im technologischen Prozess anfallende "grüne Abwärme" für die Fernheizung in den neuen Wohngebieten dienen könnte, und ob in einem weiteren Schritt die Züge nach Wustermark mittels neuer Speichertechnologien zeitweilig anfallende überschüssige Energie nutzen könnten.

Bereits jetzt sind die Kindertagesstätten, die Schulen und Senioreneinrichtungen voll belegt. Angestrebt werden der Bau je einer Kindertagesstätte in den neuen Wohngebieten und eine weiterführende Schule sowie eine Senioreneinrichtung im Gebiet Zuckerfabrik. Soweit die ersten Gedanken. Aber zu einer derartigen Stadterweiterung gehört mehr, beispielsweise kulturelle und sportliche Möglichkeiten, Straßenanbindungen und Gastronomie. Hinter allem stehen große Fragezeichen. Antworten soll ein in Erarbeitung befindliches Stadtentwicklungskonzept geben.

Entgegen steht dieser grob skizzierten Entwicklung, dass der Stadt im Jahre 2010 der Status eines Grundzentrums aberkannt wurde, obwohl die Voraussetzungen damals wie heute erfüllt werden. Die Folge: Bisher mehr als eine Million Euro weniger finanzielle Zuwendungen für die Stadtentwicklung, also auch für Bildungseinrichtungen und Infrastruktur. Die Hoffnung der Kommunalpolitiker beruht nun darauf, dass die Einstufung von Ketzin/Havel als "Grundfunktionaler Schwerpunkt", wie es heute heißt, geprüft wird. Zumindest steht es auf der Prioritätenliste der Regionalen Planungsgemeinschaft auf Platz eins.

Aber die Ketziner warten nicht auf das, was im nächsten Jahrzehnt die Stadt prägen könnte. So ist von einer Gruppe spielbegeisterter Laienschauspieler die Ketziner Bürgerbühne gegründet worden und startet mit den ersten Workshops. Das viel diskutierte Problem Nutzung der Freilichtbühne mitten im Stadtzentrum findet eine Kompromisslösung. Am 25. Juni eröffnete die KUSS-Arena, was für Kultur, Spiel und Sport steht. Gestartet wurde mit der Möglichkeit, hier öffentlich täglich erste Sportgeräte nutzen zu können.

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