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Zugverkehr
Bekenntnisse für Reaktivierung der Bahnstrecke von Ketzin nach Wustermark

Minister Beermann (Mitte) und Bürgermeister Lück ließen sich von Norman Schubert (v.li.) über die Details des Vorhabens der Reaktivierung des Ketziner Bahnhofs informieren.
Minister Beermann (Mitte) und Bürgermeister Lück ließen sich von Norman Schubert (v.li.) über die Details des Vorhabens der Reaktivierung des Ketziner Bahnhofs informieren. © Foto: Wolfgang Balzer
Wolfgang Balzer / 30.07.2020, 13:28 Uhr - Aktualisiert 30.07.2020, 13:51
Ketzin/Havel (BRAWO) Die Reaktivierung der Bahnstrecke von Ketzin/Havel nach Wustermark ist weiter im Gespräch und das nun auch im Land Brandenburg auf höchster Ebene. Nun  informierte sich Verkehrsminister Guido Beermann (CDU) auf Einladung von Christian Görke, Fraktion Die Linke im Landtag und strikter Befürworter der Reaktivierung, vor Ort über die Notwendigkeit und die Voraussetzungen.

Eine eindeutige Zustimmung war in diesem Vorbereitungsstadium nicht zu erwarten. Aber ein klares Bekenntnis des Ministers zu ernsthafter Prüfung gab es, und keinerlei geäußerte Zweifel an der Zweckmäßigkeit des Vorhabens. Es müsse einen Kosten-Nutzen-Vergleich geben, die Wirtschaftlichkeit der 15 Millonen-Investition sei entscheidend, sagte er.

Klar ist, dass die Entscheidung im Jahre 2023 fällt. Dann müsste die Reaktivierung des Zugverkehrs in den Landesnahverkehrsplan aufgenommen werden. Das wird nur geschehen, wenn bis dahin diese Wirtschaftlichkeit von allen Beteiligten nachgewiesen ist. Und diese Beteiligten sind unter anderem der Eigentümerin der Strecke, die Havelländische Eisenbahn, Norman Schubert, Besitzer des Bahnhofsgebäudes inklusive einiger Teilflächen, die Stadt selbst als politischen Entscheidungsträger vor Ort und der Landkreis Havelland.

In seltener Einmütigkeit haben sich bisher alle Fraktionen der politischen Parteien sowohl der Ketziner Stadtverordneten als auch des Kreistages dafür ausgesprochen. Das trifft auch auf die Fraktion Die Linke im Landtag zu.

Landrat Roger Lewandowski (CDU) verwies auf die notwendigen Entwicklungen im ländlichen Raum und das dabei die Mobilität nicht vergessen werden dürfe. Rund 660 Arbeitsplätze, unter anderem in den Firmen Mosolf und Hermes, gäbe es direkt an der Strecke. Bürgermeister Bernd Lück (FDP) argumentierte mit der absehbaren Bevölkerungsentwicklung, die aktuell entgegen aller Prognosen auf 6.659 gestiegen ist. Hinzu kämen in den nächsten Jahren 225 Wohneinheiten auf der Baumschulwiese und 500 weitere im Baugebiet Zuckerfabrik, mit Wassertankstelle, Kurhotel, Senioreneinrichtungen, Schule und Kita, wie Lück anmerkte. Insgesamt mehr als 2.000 weitere Einwohner.

Wie Schubert informierte, habe eine Umfrage in der Stadt ergeben, dass die Ketziner mit wenigen Ausnahmen die Aufnahme des Zugverkehrs begrüßen würden. Er informierte den Minister direkt auf dem Bahngelände anhand einer Machbarkeitsstudie über Details des potentiellen Zugverkehrs. Möglich wäre ein Stundentakt bis Wustermark mit sofortiger Umsteigemöglichkeit. So sei man in 50 Minuten im Berliner Zentrum. Auf und neben den jetzigen Flächen des Bahnhofs bedürfe es zahlreicher Anpassungen und eines Neubaus eines Bahnsteiges.

Er brachte zwei Kreisverkehre ins Gespräch. So am Abzweig nach Brandenburg und nach Falkenrehde. Diese bräuchten die Bewohner der benachbarten Wohngebiete nicht befahren. Für sie sei der Bahnhof künftig über einen neuen direkten Rad- und Gehweg erreichbar. Bahnkunden würden einen Kiss-&-Ride-Platz auf dem jetzigen Bahngelände nutzen können. Bus- und Taxihaltestellen ermöglichen dort mit wenigen Schritten das Einsteigen. Gegenüber sei ein Parkplatz (P&R) mit 126 Stellflächen in der Studie ausgewiesen, dazu drei Ladestationen für E-Autos. Radler könnten ihre Gefährte gleichermaßen abstellen. 40 Ladestationen für die E-Bikes würden zur Verfügung stehen und auch sieben Busse hätten dort einen Parkplatz.

Diese günstige Bahnverbindung von und nach Berlin würden auch viele Touristen nutzen, um die Havelstadt zu besuchen oder von dort die Hauptstadt, ist sich Stadtverordnete Renate Donat (Die Linke) sicher. Das würde das Anliegen der Havelstadt fördern, den Tourismus weiterzuentwickeln, sagte sie.

Eine Randnotiz: In dem derzeit ungenutzten Gebäude in der Nähe der Einmündung Brandenburger Straße könnten Bahnreisende ein Café und eine kleine Verkaufsstelle für Reisebedarf nutzen.

Das Fazit des Tages: Alle Teilnehmer aus der Politik, der Kommune, die Einwohner und Mitarbeiter der Betriebe, Norman Schubert selbst bis hin zum Bahnkundenverband wünschten sich die Reaktivierung des Bahnhofes, die damit ein kleines Stück wahrscheinlicher geworden ist.

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