Was von Fouqué geblieben ist

Friedrich de la Motta Fouque, Bleistiftzeichnung von Philipp Veit.
Friedrich de la Motta Fouque, Bleistiftzeichnung von Philipp Veit. © Foto: MOZ
Irene Krieger / 07.01.2013, 08:30 Uhr
Nennhausen (MOZ) Traurig ging das Leben eines Dichters zu Ende, der einmal Ruhm und Anerkennung bis zur Verehrung erlebt hatte und der dann jahrelang seinen untergehenden Stern verfolgen musste. Als der Dichter Friedrich de la Motte Fouqué am 21. Januar 1843 in Berlin um Mitternacht bei der Heimkehr auf der Treppe zu seiner Wohnung zusammenbrach und zwei Tage später verstarb, fand man seine Tagebucheintragung, die zeigte, dass er sein nahes Ableben vorausgesehen hatte.

Am Morgen, ehe er das Haus verließ, hatte er in sein Tagebuch geschrieben: "Heil. ich fühle es, der Herr ist mir nah, doch nah auch der Tod mir...". Dann machte er einige Besuche, unter anderem besuchte er seine Muse und Patin seines Sohnes Karl, die Prinzessin Marianne, die ihm noch Vorschläge für weitere Arbeiten und Veröffentlichungen machte.

Im Sommer 1841 war Fouqué nach mehr als neunjährigem Aufenthalt in Halle, wohin es ihn verschlagen hatte, als er Schloss Nennhausen gemäß des Testaments seiner Frau Karoline verlassen musste, nach Berlin übergesiedelt. Denn zum Thronwechsel hatte sein Jugendfreund, der nun König gewordene Friedrich Wilhelm IV, der Romantiker auf dem Preußenthron, Fouqués Pension aufgestockt und ihm zu Weihnachten sogar 100 Taler geschenkt. Der König wollte dem verehrten Dichter sogar Sacrow, das Paradies seiner Jugend, zum angenehmen Sommeraufenthalt anbieten. Doch Fouqués plötzlicher Tod kam dazwischen.

Fouqué hatte mit Frau Albertine, Sohn Karl und der Schwiegermutter in der Karlstraße 23 a in Berlin seine Wohnung genommen. Am 21. Januar 1843, so berichtete seine Frau Albertine, war Fouqué heiterer als zuvor und scherzte mit seinem Sohn Karl, bis ihm heiße Tränen über die Wangen liefen. Gefragt, warum er denn so bewegt sei und weine, äußerte Fouqué: "Weil ich euch bald verlassen werde."

Dann schrieb er einen Brief an seine Majestät die Zukunft seines Sohnes betreffend, er wollte ihn in den königlichen Schutz geben. Seinen zweiten Sohn, Friedrich Wilhelm Waldemar, lernte er nicht mehr kennen, denn dieser wurde erst drei Tage nach Fouqués Beerdigung am 26. Januar 1843 auf dem Berliner Garnisonfriedhof, also am 29. Januar, in Berlin geboren. Aus der Ehe mit Caroline, verw. von Rochow, geb. von Briest, entstammte die Tochter Marie und aus der Ehe mit Albertine Tode eine Tochter, die kurz nach der Geburt verstarb, und die zwei bereits genannten Söhne. Sein ältester Sohn Karl Friedrich Wilhelm verstarb nach kinderloser Ehe im Oktober 1874 in Charlottenburg als kgl. preußischer Hauptmann und Kompaniechef im I. Rg. 8. Der jüngste Sohn, Friedrich Wilhelm Waldemar (verst. als Gen. Major 1921), hat die Familie fortgepflanzt. Er hatte die fünf Kinder Margarete, Heinrich August, Lucie, Friedrich Karl Robert Hans und Karl.

Mit 36 Jahren war Fouqué von Nennhausen aus in die Freiheitskriege gezogen, und nach Kämpfen hatte er das Gelübde abgelegt, sein Schwert, wenn er es mit Siegerehren aus der Lützener Schlacht zurückbringe, in der Nennhausener Kirche aufhängen zu lassen. Mit Wehmut trennte er sich von der "guten Klinge" und war gewiss, "sie mehrst allsonntäglich wiederzuschauen". In seinen Lebenserinnerungen schrieb er: "Es ist viel anders geworden. - Fahrwohl, du ehrliches Schwert und mahne Dörfner und Dörfnerinnen bisweilen noch an ihren alten Freund..."

In den Freiheitskriegen hatte Fouqué Philipp Veit, den Sohn der Dorothea Schlegel, und auch Joseph von Eichendorff in seine Schwadron reitender Jäger übernommen. Als Fouqué dann bei einem nächtlichen Ritt auf einem fremden Pferd in einen See gestürzt und tropfnass weitergeritten war, erkrankte er schwer. Der König ernannte daraufhin Philipp Veit zum Offizier und zum Nachfolger von Fouqué. Dieser reiste später zu Fouqué nach Nennhausen, wo er von dem Dichter und von dessen Frau je eine Bleistiftzeichnung anfertigte.

Nach längerer Krankheit, auch einem Schlaganfall, konnte Fouqué in seinen Lebenserinnerungen schreiben: "Nach einigen Monden konnte der früher Gelähmte wiederum ohne Beihilfe und ohne sich auf seinen Stab zu stützen, in den schönen weitgedehnten Nennhausener Pflanzungen rüstig umhergehen". Diese Krankheit aber bedeutete auch den langsamen Untergang seines Ruhms und seiner Popularität. Fouqué hatte um 1819 schon erkannt, dass sich viele von ihm abwendeten. Resignierend schrieb er, dass Aufforderungen an ihn ergangen seien, seine Dichterkraft ausschließlich auf Geistliches zu verwenden und nicht auf sogenannte weltliche Gegenstände. Viele ehemalige Freunde wendeten sich von ihm ab, er aber ließ sich nicht beirren und schrieb weiterhin dagegen an, er vollendete Angefangenes, schrieb Neues und hielt in Halle wie auch später in Berlin Vorlesungen im kleinen Kreis.

Heute nach 170 Jahren fragt man sich, was dem ehemals so verehrten Dichter geblieben sei außer einem Grabmal auf dem Berliner Garnisonfriedhof? Es ist seine Erzählung "Undine", die er 1811 veröffentlichte. Sie ist mehrfach als Oper vertont worden und wird noch heute gelegentlich aufgeführt. Die Erzählung "Undine" wurde schon zu Fouqués Zeit in viele Sprachen übersetzt und wird auch heute noch gedruckt und hat seinen Weltruhm begründet.

Es ist auch die Fouqué-Gesellschaft Berlin-Brandenburg und es ist eine Ausstellung ++"Nennhausen, ein romantischer Musenhof", nicht im Schloss Nennhausen in dem er über dreißig Jahre lebte und dichtete - sondern im alten Gärtnerhaus in Nennhausen. Wiederentdeckt wurde das Oratorium "Die Frauen am Grabe des Heilands", das Fouqué dichtete und der Dresdener Freund Carl Borromäus von Miltitz vertonte, das am 4. September 2005 im Brandenburger Dom seine Brandenburger Erstaufführung erlebte. Und es ist das Heldenspiel "Alboin, der Langobardenfürst", das von Borromäus von Miltitz als zweiaktige Oper: "Alboin und Rosamunde" vertont wurde und aus der Handschrift in gedruckte Noten gesetzt und mit einem Klavierauszug und dem Libretto versehen wurde. Einer Welturaufführung dieser Oper steht nun nichts mehr im Wege.

Havelland. (chr) Die Weihnachtszeit dauert in Skandinavien etwas länger. Während das Fest hierzulande am 6. Januar, dem Tag der Heiligen drei Könige endet, markiert in Norwegen, Schweden und Finnland der 13. Januar, der St.-Knut-Tag, das Ende der Weihnachtszeit. Dann werden die Weihnachtsbäume von der Stube auf den Gehwegen verfrachtet. Auch im Havelland wird der Weihnachtsschmuck dieser Tage entsorgt. An folgenden Terminen holt die Abfallentsorgung des Landkreises die Bäume ab: Im Rathenower Stadtgebiet am 23. und 24. Januar, in Premnitz am 25. Januar, im Milower Land sowie in Böhne, Göttlin, Grütz und Steckelsdorf am 28. Januar, in den Gemeinden Gollenberg, Großderschau, Havelaue, Kleßen-Görne, Semlin, Rhinow, Seeblick, Stechow, Ferchesar und Kotzen am 29. Januar, in Nennhausen und Märkisch Luch am 30. Januar. Die Bäume müssen komplett abgeschmückt und frei von Lametta bis 6 Uhr am Straßenrand liegen.

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