Das Nachrichtenportal für Brandenburg
Startseite Märkische Onlinezeitung - MOZ.de
Logo Brandenburger Wochenblatt

Sparkasse auf Sparkurs

Michael Dietrich / 14.10.2016, 08:00 Uhr
Schwedt (MOZ) Niedrigzinsen und immer restriktivere Auflagen machen kleinen Banken wie der Stadtsparkasse Schwedt zunehmend zu schaffen. Noch sei die wirtschaftliche Lage auskömmlich, erklärte das Geldinstitut, kündigte aber Personalabbau und Sparmaßnahmen an.

Der Vorstand der Stadtsparkasse, der gerade von der Stadtverordnetenversammlung für das Geschäftsjahr 2015 entlastet wurde, bezeichnet die Vermögens-, Finanz- und Ertragslage der Stadtsparkasse als "zufriedenstellend", die Aussicht als "mittelfristig noch auskömmlich".

Das klang auch schon mal besser. Die kleinste der Brandenburgischen Sparkassen bekommt die anhaltend niedrigen Zinsen und den immer größeren Aufwand, den die verschiedensten Bankenaufsichten einfordern, deutlich zu spüren. Der Zinsüberschuss verringert sich, wenn auch vorerst nur leicht, das Betriebsergebnis und der Gewinn gingen gegenüber 2014 schon deutlich zurück. Allein für die vorgeschriebenen Berichte, bei denen jedes Jahr mehr Seiten zur Risiko- und Liquiditätseinschätzung beschrieben werden, gibt die Sparkasse mittlerweile 150 000 Euro aus. Ein Drittel des Aufwandes sei völlig unnötig, wie Vorstand Dietrich Klein einschätzt. Was die Politik forderte, um Großbanken besser in Krisen zu schützen, wirkt auf kleine regionale Banken wie Hochwasserschutz in der Wüste.

Die Sparkasse reagiert auf den Rückgang der Erträge und die gleichzeitigen Kostensteigerungen mit einem Restrukturierungsprogramm "Fit für 2020". Dessen Kern ist die Begrenzung der Sachkosten sowie die Reduzierung der Personalkosten. Von derzeit 99 Mitarbeitern will das Kreditinstitut auf 85 im Jahr 2020 schrumpfen. Statt vier Auszubildenden will die Sparkasse künftig nur noch zwei einstellen. Der Personalabbau soll auf freiwilliger Basis erfolgen. Mitarbeitern sollen verkürzte Arbeitszeiten und attraktive Angebote zur Beendigung der Arbeitsverhältnisse unterbreitet werden. Schon jetzt arbeiten nur 59 Mitarbeiter vollbeschäftigt, 40 in Teilzeit.

Um Sachkosten zu begrenzen, will die Sparkasse noch mehr Prozesse automatisieren, also mit weniger Personal bearbeiten. Kaum ein Bankkunde sucht noch für Ein- und Auszahlungen oder Überweisungen den klassischen Schalter auf. Bequem kann er all dies online oder im Selbstbedienungsbereich erledigen - rund um die Uhr.

Anstelle der Kassen und Schalter in ihrer Kundenhalle hat die Stadtsparkasse jetzt bei der Modernisierung auch mehr Beratungsräume eingerichtet. Das ist auch nötig, um den klassischen Geldanleger - die Schwedter Stadtsparkasse hat mit 460 Millionen Euro im Vergleich zu anderen Sparkassen überdurchschnittlich hohe Kundeneinlagen - künftig über Anlagemöglichkeiten wie Aktien oder anderer Wertpapiere zu beraten, die anders als das Geldsparen noch attraktiv sein können. Auch im Kreditgeschäft will die Sparkasse zulegen, um weiterhin Geld zu erwirtschaften, was ebenfalls mehr Beratung erfordert.

2015 hatte die Stadtsparkasse bereits bei ihren Geschäftskunden die Preise und Gebühren für die Kontoführung erhöht. Das hat Bankvorstand Dietrich Klein nun auch für das Privatkundengeschäft angekündigt. 2017 werde es eine moderate Preiserhöhung geben.

Leserforum

Um einen Kommentar zu schreiben, melden Sie sich bitte oben rechts an. Falls Sie noch keinen Login haben, registrieren Sie sich bitte.

Alle Leserkommentare geben ausschließlich die persönlichen Ansichten und Meinungen des Autors wieder und sind keine redaktionelle Meinungsäußerung. Für die Richtigkeit und Vollständigkeit der Inhalte übernimmt die Redaktion keinerlei Gewähr.

Ihr Kommentar zum Thema

Kommentartitel
Name
(öffentlich sichtbar)
Email
(wird nicht veröffentlicht)
(Ihr Name wird auch in der Zeitung veröffentlicht. Die Adresse wird nicht veröffentlicht.)
© 2018 MOZ.de Märkisches Medienhaus GmbH & Co. KG