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Wie das Pfeifen fallender Bomben

Rene Wernitz / 30.12.2017, 15:09 Uhr
Rathenow (BRAWO) Silvester wird es wieder laut. Hotspot in Rathenow ist traditionell der Verkehrskreisel (B102/B188) in der City. Wer Angst vor tieffliegenden Raketen und Böllern hat, die unmittelbar neben einem explodieren, sollte besser zu Hause bleiben. Vor Explosionsgeräuschen bleibt man aber auch dort nicht verschont.

Wie mögen sich erst Tiere fühlen, deren Gehör um ein Vielfaches sensibler ist als das der Menschen? Alle Jahre wieder gibt es Nachrichten von Hunden, die beim Gassi gehen auf und davon rannten, als es plötzlich knallte. Hauskatzen müssen womöglich zu Neujahr erst aus einem Winkel irgendwo in der Wohnung geholt werden, in den sie sich verängstigt verkrochen haben.

Echte Jahresend-Pyromanen hat das nie vom kollektiven Böllervergnügen abgehalten. Auch nicht die Furcht, die manche pyrotechnischen Produkte bei bestimmten Menschen auslösen können. Denn es gibt sie, schwer traumatisierte Leute, die sich zu Silvester am liebsten in den Keller verkriechen würden. Nicht etwa, weil sie sich dort sicherer fühlen, sondern weil das Geknalle womöglich schwer zu kontrollierende Emotionen und Erinnerungen an Kriegszeiten weckt.

Wenn Fliegeralarm war, musste es, wo vorhanden, schnell in den Schutzraum gehen - begleitet von der panischen Angst vor einem Volltreffer des Wohnhauses. Tatsächlich kann ein Silvester-Heuler ein Geräusch erzeugen, dass Kinder von einst, die heute um die 80 sind, an das Pfeifen einer fallenden Bombe erinnern dürfte. Eine ganze Batterie, also kurz nacheinander gezündete Heuler, klingt zudem wie das todbringende Feuerwerk der Katjuscha genannten Raketenwerfer, die die Rote Armee sehr wahrscheinlich auch zur Eroberung Rathenows einsetzte. "Über 400 Einwohner kommen ums Leben; die Ost-West-Achse der Stadt wird fast restlos zerstört. 90 % der Innenstadt liegt in Schutt und Asche. Die Gesamtzerstörung wird mit 70 % angegeben", wie es in einer Stadtchronik auf www.rathenow.de heißt.

Derweil erreichen sogenannte Donner- bzw. Kanonenschläge Geräuschpegel von um die 150 Dezibel (Hörsturzgefahr!). Ihre Explosion lässt manchen an einen Raketeneinschlag in der Nachbarschaft denken. Inzwischen gibt es sogar jüngere Leute, denen zu Silvester 2017 Angst und Bange werden könnte. Wer aus Terror und Krieg geplagten Staaten wie Syrien nach Deutschland flüchtete, hat vielleicht Bombenanschläge, Raketenbeschuss, Häuserkampf oder Luftangriffe überlebt.

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