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Hügelgräber
Spirituell aufgeladener Ort

Peter Wittstock / 21.01.2018, 11:03 Uhr
Milower Land (BRAWO) Nicht wirklich vorstellen kann man sich, dass vor etwa 15.000 Jahren noch eine wohl rund 70 Meter hohe Eisschicht die hiesige Gegend bedeckte. Es herrschte Kaltzeit. Etwa 12.000 Jahre soll es erst her sein, dass eine Wärmeperiode einsetzte, während der das Eis schmolz, das allerhand Geröll, Sand und Steine vor sich her geschoben hatte. So genannte Endmoränen, wie der Vieritzer- und Bützersche Berg sowie der Milower Berg, sind Andenken an zehntausende, sehr kalte Jahre.

Kaum hatte sich Vegetation gebildet, die Tieren Nahrung und Schutz bot, erreichten Menschen die Gegend. Darauf deutet auch das brandenburgische Bodendenkmal mit der Nummer 50244 hin, das sich in Mögelin befindet. Laut Denkmalliste handelt es sich dort um einen Rast- und Werkplatz des Mesolithikums. Dieses, zu Deutsch: Mittelsteinzeit, steht für die Phase nach der Eiszeit, die etwa 10.000 Jahre vor Christus einsetzte. Das Mesolithikum ging, laut Auskunft von Dr. Thomas Kersting, Leiter der Archäologischen Denkmalpflege im zuständigen Brandenburgischen Landesamt, dem Neolithikum voraus, das besser als Jungsteinzeit bekannt ist. Diese begann im sechsten Jahrtausend vor Christus. Im Neolithikum begann offenbar auch in Milow die Siedlungsgeschichte.

Jener etwa zwischen 3.300 und 3.000 v.Chr. dort bestattete Vertreter der Jungsteinzeit, dessen Schädel und Gesicht sowohl im Archäologischen Landesmuseum in Brandenburg an der Havel als auch (als Kopie) im Naturparkzentrum betrachtet werden kann, ist uns heute als "Mann von Milow" bekannt. Sein Grab wurde 1967 in der Ernst-Thälmann-Straße entdeckt.

Hügelgräber aus der Jungsteinzeit (ca. 2500 v. Chr.), der Bronzezeit (1800-750 v.Chr.) und Gräber aus der Zeit der ersten slawischen Einwanderer (500 bis 900 n.Chr.) fanden sich am Nordosthang des Vieritzer Bergs. Ist das einst ein spirituell aufgeladener Bereich gewesen? Schließlich haben die Menschen, die in der Regel an eine Existenz nach dem Ableben glaubten, über Jahrtausende viele Tote an diesem mystisch anmutenden Ort bestattet. Freilich wurden nicht alle Menschen dort beigesetzt. Die großen Aufschüttungen hätten bedeutenden Personen der Stämme gegolten, wie unter anderem auf der Info-Tafel am Wegesrand zu lesen ist. Wer an den gekennzeichneten Stellen der Hügelgräber inne hält und die Augen schließt, kann sich vielleicht gedanklich in die Vergangenheit fühlen und eine besondere Aura spüren.

Um 1900 wurden die Hügelgräber für wissenschaftliche Zwecke geöffnet. Zahlreiche Funde von dort wurden dem Genthiner Heimatmuseum zur Verfügung gestellt. Daher blieben später versuchte Plünderungen der Hügelgräber, wie Mitte der 1960er Jahre geschehen, ohne Erfolg. Aber die Grabstellen wurden teils zerstört.

Typisch für die Hügelgräber war der mehrere Meter im Durchmesser aufgeschüttete Erdwall mit umgebenden Graben, der nur südlich von einer Art Erdbrücke unterbrochen wurde. Auf einer 110 Jahre alten Ansichtskarte, aufgenommen am Fuß des Vieritzer Bergs, lagen zur rechten Hand hin die Hügelgräber. Links im Hintergrund ist der Milower Berg abgelichtet. In diese Richtung führt der Weg über Wolfsmühle und die Stremmebrücke nach Milow (1,5 km). Das Wissen um die mutmaßlich spirituelle Bedeutung des Orts, die ihm durch die Menschen seit der Jungsteinzeit beigemessen worden sein könnte, regt die Fantasie wunderbar an. Wenn Wanderer, Nordic-Walker und Radfahrer auf dem gut befestigten Weg die eiszeitlichen Hügel gemächlich umrunden (ca. 5 km) schafft die Stille genügend Raum für geschichtliches "Kopfkino". Auch bei dem gegenwärtig halbherzigen Winterwetter lohnt sich ein Ausflug an die historischen Stätten. Im Übrigen hat auch der Milower Berg manche "Schätze" frei gegeben, vor allem zu jener Zeit, als dort in Größenordnungen Sand abgebaut wurde. So fand man 1937 in einer Kiesgrube einen Mammutzahn, der nach Auskunft der Genthiner Museumsleiterin immer noch zu bestaunen ist.

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