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Lebensweisheiten
Magie und Kitsch trennt nur das Erleben

Nach der Lesung aus seinem Buch „Ohne Plan durch Kirgisistan“ signiert Markus Huth Bücher seiner Zuhörer. Auch Daniela Möschl hat nun ein Exemplar.
Nach der Lesung aus seinem Buch „Ohne Plan durch Kirgisistan“ signiert Markus Huth Bücher seiner Zuhörer. Auch Daniela Möschl hat nun ein Exemplar. © Foto: Manuela Bohm
Manuela Bohm / 18.04.2018, 15:25 Uhr
Rathenow (MOZ) Zwischen „Gregs Tagebuch“, „Malen nach Zahlen“, Krimis und Kochbüchern entführte Markus Huth seine Zuhörer in der Buchhandlung Tieke auf einen wilden Ritt durch Kirgisistan. Für solch eine Reise „light“ interessierten sich offenbar viele Rathenower. „Ich bin schockiert“, kommentierte der Autor humorvoll das volle Haus.

Geritten ist der Weltenbummler tatsächlich im vom Nomadenleben geprägten ehemaligen Teil der Sowjetunion. Seinen ersten Ritt auf einem „Gaul mit Autoritätsproblemen im Ponyformat“ schildert Huth in seinem Buch ausführlich und entlockte den Zuhörern Schmunzeln und Lacher. Die Pferde sind in Kirgisistan kleiner. Mit einem hochgewachsenen Mitteleuropäer drauf, muteten Ross und Reiter komisch an. Huth fühlte sich wie „Lorenz von Kirgistan“ - mit waschechtem kirgisischen Cowboy an seiner Seite und einem österreichischen Hacker.

Bei einer Flussquerung warf die zickige Stute den Fotografen samt Kamera beinahe ins Wasser. Neben den Auszügen aus seinem Abenteuerbericht begeisterten die Fotografien. Sie zeigten ein wild-romatisches Land, in dem das Leben geordnet in den Elementen der freien Natur abläuft. 94 Prozent des Landes bestehen aus Bergen, der höchste ragt 7.439 Meter empor. Dazwischen finden sich eingeschnittene Täler und klare Bergseen. Die Nomaden, bei denen die Reisenden am Son-Kul genannten See übernachteten, leben in den Sommermonaten in Jurten in den hohen Bergen, in den Wintermonaten in einem kleinen Dorf.

Am Bergsee erlebte Markus Huth, wie man sich ohne Internet und Programm fühlen kann. Morgens um 6.00 Uhr aufgewacht und die Naturschönheiten im ersten Sonnenlicht betrachtet, fragte er sich noch, was er bis zum Sonnenuntergang treiben soll. Doch bei einer Wanderung über Blumenwiesen, entlang des Sees mit vorbei galoppierenden Pferden, verging die Zeit wie im Fluge. Wie tausende Diamanten glitzere der See in der Morgensonne, gedrängt in die schneebedeckten Berge dahinter, mit zwölf Pferden davor, beschreibt Huth im Buch das Ende der Welt, die menschenleere Bergsteppe, in der er das wahre Kirgisistan fand: „Magie und Kitsch trennt nur das Erleben“. Der Autor schließt jedes Kapitel mit einer Weisheit, die er selbst in Kirgisistan erfahren hat.

Zurück aus diesem Idyll ging es per Anhalter zum nächsten Punkt der Reise ohne Plan. „Ich war bis dahin noch nie per Anhalter gefahren“, so Huth. Trotz Skrupel streckte er den Daumen hoch - keine 15 Minuten später hielt das erste Auto, ein klappriger Lada. Dessen Fahrer folgte seiner Familie in den Urlaub an den Yssykköl - dem größten See des Landes. Dahin ging nun die weitere Reise. Yssykköl bedeutet heißer See. Allerdings ist das Wasser dort alles andere als heiß. Ein Badeversuch endete für Huth in Kniehöhe und mit Spot von Jugendlichen am Strand. Das Wasser ist sehr kalt. Auf 1.600 Meter über dem Meeresspiegel friert der Yssykköl einfach nur nicht zu - wegen seines hohen Salzgehalts.

„Manchmal führt der Weg zurück nach oben“, so lautet die Weisheit Nummer zehn. Mit seinem österreichischen Reisebegleiter wanderte Huth in den Bergen am Yssykköl und kam dabei in eine tiefe Schlucht, die durch steil aufragende Felsen begrenzt ist. Der Rückweg endete in einer Kraxeltour eben auf diesen Felsen und Bergen - mit einem für die Strapazen mehr als entschädigenden Blick von Berg zu Berg und über den See, der  rund zwölf Mal größer ist als der Bodensee.

Wie kommt man als gebürtiger Havelländer mit Wurzeln in Nennhausen nach Kirgisistan? Huth stand damals mitten in einer Lebenskrise: Job gekündigt, Freundin weg. Ein Anruf von einem Freund: „Kommst du mit?“, und die Reise begann. Der heute 36-Jährige hatte damals zugesagt nach Kirgisistan zu reisen, ohne zu wissen, wo das Land eigentlich liegt.

Während seiner Lesung in der Rathenower Buchhandlung  gab er ferner einen Vorgeschmack, auf das, was noch kommen wird. Im nächsten Jahr soll ein weiteres Buch erscheinen, in dem Huth seine Erfahrungen beim Haustiersitting auf der ganzen Welt beschreibt. Aufträge von Haustierbesitzern, die ohne ihre Lieblinge in den Urlaub fuhren, führten den Autor in die verschiedensten Gegenden Australiens, Asiens und Afrikas.

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