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Filmprojekt
Neuartiger Schreibstift löst LRS-Probleme

Mit dem Schreibstift: Dreh der Schlüsselszene durch die Siebtklässler unter fachkundiger Anleitung.
Mit dem Schreibstift: Dreh der Schlüsselszene durch die Siebtklässler unter fachkundiger Anleitung. © Foto: Simone Weber
Simone Weber / 16.05.2018, 08:39 Uhr
Rathenow „Janz schöön ungerecht“ - So heißt der Kurzfilm-Schülerwettbewerb, an dem sich aktuell die elf Schüler der 7. Klasse der J.-H.-Pestalozzi-Förderschule beteiligen. In der vorigen Woche kam ein kleines Team des Berliner Vereins für inklusive Medienbildung nach Rathenow, um den Dreh des fünfminütigen Rathenower Beitrags – mit entsprechender Technik und Anleitung – zu unterstützen.

„Unser Schulsozialarbeiter Lutz Wagner stieß auf die Ausschreibung und bot uns die Beteiligung an. Nach Besprechung mit allen Schülern haben wir uns gemeinsam für die Teilnahme entschieden“, erzählte Klassenlehrerin Silka Mage. „Vor einigen Wochen haben wir unsere Filmidee als Tagebucheintrag eines Schülers eingereicht. Bereits vor zwei Wochen waren Leska Rupert und Cathrina Göldner zum Workshop an unserer Schule, um aus der Filmidee ein Drehbuch zu entwickeln.“

Der Schüler Elias hat eine Lese-Rechtschreibstörung (LRS) und ist von der Aufmerksamkeitsdefizit-/Hyperaktivitätsstörung (ADHS) betroffen. Alle meckern über seine schlecht lesbare Schrift, die Familie und vor allem die Lehrer. Elias schreibt so, wie er spricht. Als er auch Probleme hat, den Aufnahmeantrag für seinen Fußballverein auszufüllen, in dem er mitspielen möchte, hat er die Lösung: Er erfindet einen Schreibstift, der mittels Spracheingabe funktioniert, die Wörter selbstständig korrigiert und so fehlerfrei schreibt.

„An unserer Schule lernen zirka 100 Schüler. Wie auch an Regelschulen gibt es auch unter unseren Schülern jene, die von unterschiedlichen Lern- und Verhaltensstörungen betroffen sind“, sagte Silka Mage, die seit 34 Jahren an Förderschulen unterrichtet, seit 1988 an der Pestalozzi-Schule in Rathenow. „In meiner Klasse habe ich auch drei, vier Schüler mit ADHS. Der Begriff ADHS bürgerte sich Anfang der 1990er Jahre auch in Ostdeutschland ein. Schüler mit diesen Störungen gab es aber schon immer. Was uns Lehrern aber die Arbeit mit betroffenen Schülern im Vergleich zu früher schwerer macht, ist der Umstand, dass Lehrer keine Lobby mehr haben und die Lösung von Problemen in Zusammenarbeit mit manchen Eltern problematischer geworden ist.“

ADHS zählt zu den Verhaltens- und emotionalen Störungen, die mit rund fünf Prozent häufigste psychiatrische Erkrankung bei Schülern. Sie äußert sich durch Probleme bei der Aufmerksamkeit, Impulsivität und Selbstregulation und teilweise zusätzlich durch starke körperliche Unruhe (Hyperaktivität). Ursache ist eine neurobiologische Entwicklungsverzögerung.

LRS, auch Legasthenie, ist eine massive und lang andauernde Störung des Erwerbs der Schriftsprache. Menschen mit LRS haben Probleme mit der Umsetzung der gesprochenen in die geschriebene Sprache und umgekehrt. Als Ursache gelten eine genetische Disposition mit Problemen bei der auditiven und visuellen Wahrnehmungsverarbeitung, bei der Sprachverarbeitung. Davon sind durchschnittlich vier Prozent der Schüler betroffen.

Zum durchaus anstrengenden, insgesamt fünfstündigen Filmdreh hatten die Schüler viel Spaß. „In einer Szene habe ich Elias‘ Mutter gespielt. Das war toll“, so Sarah. Nach dem Dreh begann am Nachmittag die Schnittarbeit. „Den Film müssen sie noch selbständig schneiden und bearbeiten“, erklärt Silka Mage. „Damit wollen wir dann am Wettbewerb teilnehmen, bei dem die zehn besten eingereichten Filme zur Gala im Babylon-Kino in Berlin-Mitte am 2. Juli gezeigt werden.“

Die drei besten Filme werden durch eine Jury prämiert. Zusätzlich gibt es einen Zuschauerpreis. Dabei entscheidet die Klickzahl für den entsprechenden Film auf www.youtube.com/kurzfilmwettbewerb. So können auch die Rathenower die Pestalozzi-Schüler unterstützt werden. Der Kurzfilmwettbewerb zum Thema Gerechtigkeit richtet sich an Schüler der 7. bis 10. Klassen in Berlin und Brandenburg. Bisher haben sich mehr als 50 Teams aus Förder- und Regelschulen angemeldet. Teilnahmeschluss ist am 15. Juni. Mehr Infos auf www.janz-schoen-anders.de und in sozialen Netzwerken.

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