Gespräch
Wie der Joschka globale Entwicklungen einschätzt

Der frühere Spitzenpolitiker Joschka Fischer diskutierte in Premnitz über die geopolitische Entwicklung.
Der frühere Spitzenpolitiker Joschka Fischer diskutierte in Premnitz über die geopolitische Entwicklung. © Foto: weber
Simone Weber / 02.11.2018, 09:35 Uhr
Premnitz Am vergangenen Sonntag wählten die Hessen ein neues Landesparlament. Als bisheriger Juniorpartner in der Koalition mit der CDU, deren Stimmanteil fast ein Drittel niedriger ausfiel als 2013, verbesserten die Grünen ihr Stimmenergebnis um fast neun Prozent auf knapp 20 Prozent  und liegen nun mit der SPD gleichauf. Bereits 1985 schrieben die Grünen in Hessen Geschichte, als sie mit den Sozialdemokraten eine erste rot-grüne Landesregierung bildeten. Umweltminister wurde damals Joschka Fischer. Kürzlich war der ehemalige Grünen-Spitzenpolitiker in der Premnitzer Villa am See zu Gast. Journalist Ingo Kahle, bis 2016 langjähriger Moderator einer rbb-info-Radio-Talkshow, interviewte Fischer zu seinem Buch „Der Abstieg des Westens. Europa in der neuen Weltordnung des 21. Jahrhunderts“ und stellte durchaus unbequeme Fragen.

In seinem Buch analysiert Joschka Fischer die geopolitischen Verschiebungen unserer Zeit, eine Achsenverschiebung vom atlantischen zum pazifischen Raum und beleuchtet die „Krise der liberalen westlichen Demokratie“ sowie die erstarkenden nationalen Strömungen in Europa. Das „Zeitalter des Westens“ gehe zugunsten des unaufhaltsamen Aufstiegs Chinas zur neuen Weltmacht und eines neuen „amerikanisch-chinesischen Zeitalters“ zu Ende, stellte Fischer eine Hauptthese auf und begründete diese folgendermaßen.

„Der 9. November 1989 war ein Ereignis mit globaler Erschütterung. Mit dem Mauerfall endete die seit Ende des Zweiten Weltkriegs die Weltpolitik beherrschende Ost-West-Konfrontation. Die Wirtschaftskraft in Asien wächst stärker als in der westlichen Welt. Die USA haben zu China nicht nur ein politisch konfrontatives Verhältnis, sondern auch starke wirtschaftliche Beziehungen. Zudem steht Demografie gegen uns. Die Europäer nehmen in absoluten Zahlen ab.“

Ob diese Entwicklung friedlich verlaufen wird, konnte Fischer nicht beantworten. Der Gast hob hervor, dass auch Deutschland vom großen chinesischen Markt abhängig ist. „Deutschland wird diese Herausforderungen nicht allein schaffen. Dazu brauchen wir Partner wie Frankreich und Europa“, so Fischer auf Fragen in der anschließenden Diskussion. „Auch wenn Russlands weltpolitische Bedeutung, zu Gunsten Chinas, geringer wird, ist das Verhältnis Europas zu Russland weiterhin wichtig.“

Kritisch sah Fischer den in den USA, aber auch in Europa stärker werdenden Nationalismus mit seinen Auswirkungen auf die liberalen westlichen Demokratien, die sich bei aktuellen Themen wie der Asylpolitik zeigen und forderte, dass Europa Antworten geben müsse.

Nach einem kleinen Snack verließ Joschka Fischer Premnitz schnell wieder nach Berlin, wo er lebt – und ließ einige enttäuschte Gäste der ausverkauften Veranstaltung, die dort ein Exemplar  seines Buchs kauften, ohne Autogramm zurück. Aber sein Buch scheint sich auch ohne Mehraufwand des Autors gut zu verkaufen. Erschien es doch bereits in der 5. Auflage.

Joschka Fischer prägte als zuständiger Minister und Vizekanzler zwischen 1998 und 2005 die damalige Außenpolitik Deutschlands und zog sich danach aus der Politik zurück. Übrigens wurde nach Fischer, als Dank für seinen Einsatz als hessischer Umweltminister gegen die Nutzung der Grube Messel als Mülldeponie und für deren Bewahrung als bedeutende Fossilienfundstätte und späteres UNESCO-Weltkulturerbe, im Jahr 2005 eine fossile Schlange als „Palaeopython fischeri“ benannt.

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Paul Müller 04.11.2018 - 07:57:40

Ob nun Mielke oder Fischer ...

... die ganzen selbsternannten Humanisten :) bei denen musst du aufpassen Piefke ;-) Fischer ist ja auch so ein Stalinist. https://m.bild.de/politik/inland/joschka-fischer/die-polizei-akte-fischer-42530370.bildMobile.html###wt_ref=https%3A%2F%2Fwww.google.ch%2F&wt_t=1541314583889

Piefke Saga 03.11.2018 - 17:06:38

Woher wollen Sie wissen, dass ich eine bekennende Rote bin?

Vielleicht bin ich farbenblind ...

Peter Graf 03.11.2018 - 15:38:25

Peinliche "Liebesdiener"

@Piefke Als bekennender Roter, sollten Sie doch nicht die Haustüren verwechseln.

Piefke Saga 03.11.2018 - 14:27:47

P. Graf, ich setzte Ihnen zuliebe "einen" drauf"

Sie kennen ihn sicherlich, Erich, der liebestolle Volksliebhaber, seines Zeichens zweifacher eiskalter Polizistenmörder, ehemalige Minster für Staatssicherheit. Verstehe nicht, warum man Joschka's Sünden immer wieder aus der Klamottenkiste zieht, den Dreck vor der eigenen Haustür aber liegen lässt.

Peter Graf 03.11.2018 - 06:08:30

Fischer der Fan von Kinderliebhaber Cohn- Bandit

Dieser Fischer war und ist der Beweis, dass Bildung völlig überbewertet wird und für politische Ämter nicht erforderlich ist. Wer den Werdegang dieses Typen und seiner Kameraden verfolgt hat, kann sich entweder bewundernd oder angeekelt ob der Köpenickiade des Verkäufers geklauter Bücher zum Hausbesitzer im Grunewald abwenden. Dekadenz der totalen Verblödung: Ehe für Alle!

Paul Müller 02.11.2018 - 20:11:58

Piefke :) ...

... sicherlich meinte ich die Bananenrepublik. Auf dem Eierphone ist die Schrift halt ziemlich mikroskopisch und wenn man nebenbei noch „Babysitter“ ist, dann gibbets halt so Fehler. Nur mit dem GF, da irrst du, der ist mehr wie flüssig, aber das trifft ja genauso für die Kommunisten und Sozen zu ;-)

Piefke Saga 02.11.2018 - 16:08:28

Na na na, langsam ...

Sie und Ihre Gesinnungsfreunde sollten nicht so leichtfertig auf Platz 2 verzichten. Aber, Hand aufs Herz, "Banenrepublik", Sie meinen sicherlich Bananenrepublik ... wusste nicht, dass A.H. irgendeine Beziehung zu ihr hatte. Andererseits, hätten "die" damals gerufen ... "Ein Volk, ein Reich, eine Banane ..." Wer weiß, was alles anders gelaufen wäre.

Paul Müller 02.11.2018 - 13:58:52

Ein Steine werfendender Taxifahrer ...

... als Aussenminister oh man, nach Hitler einer der Tiefpunktpunkte dieser Banenrepublik ...

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