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Ehrenbürger
Historischer Friedhof erzählt Geschichte

Christa Eißer führt an diesem Samstag erneut über den historischen Friedhof in Rathenow. Treff ist um 13.30 Uhr am Torhaus, das vom Alten Hafen aus zu erreichen ist.
Christa Eißer führt an diesem Samstag erneut über den historischen Friedhof in Rathenow. Treff ist um 13.30 Uhr am Torhaus, das vom Alten Hafen aus zu erreichen ist. © Foto: Weber
Simone Weber / 07.11.2018, 15:43 Uhr
Rathenow Für die einen sind Friedhöfe nicht geheuer. Sie betreten diese nur, wenn es sein unbedingt muss. Für andere stellen Friedhöfe Orte der Ruhe dar, über die man wie durch einen Park spazieren kann. Der historische Friedhof zu Rathenow vermittelt gar etwas Heimatgeschichte. Mehrmals im Jahr, auch an diesem Samstag, ab 13.30 Uhr, führt Steinmetzmeisterin Christa Eißer  interessierte Leute über die heute 18 Hektar große Anlage auf dem Weinberg.  Das Mitglied des Memento e.V. weiß viel zu berichten über prominente Leute der Stadt, die dort  ihre letzte Ruhestätte fanden. So auch ein paar Ehrenbürger Rathenows.

Bis dato wurden nur neun Personen zu Ehrenbürgern erklärt. Zwei können die damit verbundenen Vorzüge genießen:  Günther Thonke  und Klaus Eichler erhielten 2009 die Ehrung. Die anderen sind teils schon vor mehr als 100 Jahren gestorben. So auch Johann Friedrich Meuß (1818-1878). Er war 1877 zum Ehrenbürger erklärt worden. Das Metallkreuz mit seinen Lebensdaten steht in der schon 1764 angelegten Familiengrabstätte der Apotheker-Familie Schönermarck, die zu den ältesten erhaltenen Grabstätten auf dem historischen Friedhof zählt. Unter den späteren Nachkommen mit dem Familiennamen Meuß waren auch Pfarrer. Die heute in ganz Deutschland verstreuten Nachfahren ließen die Grabstellen in den 1990er Jahren sanieren.

In der auf www.rathenow.de zu findenden Auflistung der Ehrenbürger steht Friedrich Heinrich Ernst Graf von Wrangel (1784-1877) an erster Stelle. Seit 1796 hatte er in der preußischen Armee gedient. Er war nach 1856 erfolgter Beförderung zum Generalfeldmarschall ihr ranghöchster Offizier. Mit Rathenow verband ihn praktisch nichts, doch im Jahr der Beförderung wurde er durch die Ehrenbürgerschaft geehrt. Zumindest eine gewisse Verbindung besteht zwischen der Stadt und Otto von Bismarck (1815-1898). Die politische Karriere des späteren Reichskanzlers hatte 1849 in Rathenow ihren Anfang genommen. Dort wurde Bismarck von Wahlmännern der Stadt als Abgeordneter in den 2. preußischen Landtag gewählt. 1875 wurde er zweiter Ehrenbürger. Meuß  war der dritte.

An vierter Stelle folgt in der Auflistung Maximilian Hobrecht (1827-1899). Der Grabstein des gebürtigen Königsbergers befindet sich auf dem historischen Friedhof etwas unterhalb der Auferstehungskirche. 1848 nach Amerika ausgewandert, kehrte Hobrecht zwei Jahre später zurück und siedelte sich in Rathenow an. Hier wurde der Journalist 1865 Mitinhaber einer Dampfmühle. 32 Jahre lang war er Stadtverordneter, hatte davon 22 Jahre lang das Amt des Vorstehers inne. 1873 bis 1876 vertrat er den Wahlbezirk Westhavelland–Zauch–Belzig, als Mitglied der Nationalliberalen Partei, im Abgeordnetenhaus. Zu seinem 70. Geburtstag, 1897, wurde er mit der Ehrenbürgerschaft geehrt. Hobrecht blieb ferner als Dichter und Autor in Erinnerung.

Als Bürgermeister mit der bisher längsten Amtszeit von 27 Jahren ging Friedrich Lange (1844-1916) in die Rathenower Stadtgeschichte ein. Er war 1906 zum Ehrenbürger erhoben worden. Seine Grabstelle existiert nicht mehr.

Indes ist die des sechsten Ehrenbürgers seitlich der Treppe zur Auferstehungskirche zu  finden. Der Bildhauer Karl Mertens (1903-1988) war Ehrenbürger seit 1987. Unter seinen dutzenden Figuren, Monumenten, Reliefs und anderen Kunstgegenständen findet man in Rathenow zum Beispiel in einem City-Kreisverkehr seinen „Abtragejungen“.

Erste geehrte Frau und damit erste Ehrenbürgerin (Platz 7 in der Liste) wurde Erika Guthjahr (1916-2005). Als Malerin, Heimatforscherin und Autorin ist Erika Gutjahr (1916- 2005) in Erinnerung geblieben. Ihre Ehrung erfolgte 1996. Auch ihr Grab befindet sich auf dem historischen Friedhof, etwa  50 Meter rechts vom Turm der Auferstehungskirche. Im Berufsleben war Erika  Guthjahr als Kunsterzieherin tätig gewesen.

Ab 1732 wurde der evangelische - heute konfessionsoffene -  historische Friedhof am nördlichen Weinberg angelegt. Das 1759 als Leichenhalle errichtete Torhaus dient nun als Kulturstätte. Ausstellungen organisiert der Memento e.V. dort, auch musikalische Darbietungen und Lesungen gibt es gelegentlich. Teilnehmer der Führungen mit Christa Eißer treffen sich stets im Torhaus, das nächste Mal an diesem Samstag, 10. November, um 13.00 Uhr.

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