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Anglerglück
Vom Wels die Havel aufwärts gezogen

Norman Söchting (li.) mit  Andy Maier und dem bisher größten Fang.
Norman Söchting (li.) mit  Andy Maier und dem bisher größten Fang. © Foto: Peter Wittstock
Peter Wittstock / 08.11.2018, 17:46 Uhr
Havelland Als Norman Söchting aus Bützer  und sein Angelfreund Andy Maier aus Mögelin am 4. November gegen 13.30 Uhr im kleinen Boot mit Außenbordmotor in Richtung Premnitz/Döberitz schipperten, wollten die passionierten Petrijünger ihrem geliebten Hobby nachgehen. Hechte, Barsche oder Zander sollten auf die Gummiköder-Imitationen reinfallen. Aber da biss was ganz anderes zu.

Beide machten ihr Angelzeug an einer für sie „guten Stelle“ klar. Zunächst passierte eine Weile lang gar nichts. Doch dann ruckelte es gewaltig. Nach Söchtings Schilderung hatte er seinen Gummiköder, etwa 15 cm lang im Barschdekor, ungefähr 50 Meter weit ausgeworfen. Er nutzte eine Spinnrute (bis 100 Gramm Wurfgewicht) mit einer 400er-Diver-Rolle und feiner 0,18-Millimeter-Wiplash-Schnur. Er rollte, bis  es nach etwa 20 Metern einen Ruck gab, wie bei einem Hänger, wenn der Haken an Wurzelwerk oder an einem Stein festhängt. Doch dieser „Stein“ bewegte sich!

Sofort stellte Söchting, er angelt schon seit seinem dritten Lebensjahr und ist vielfacher Friedfisch- und Spinnangelmeister  der Ortsgruppe des Angelverbandes Milow, die Bremse ein, so dass der Fisch schonender und Erfolg versprechender an der Schnur geführt werden konnte. Andy Maier, ein Wels erfahrener Angelfreund, machte das Boot los. Denn das konnte nur ein Wels sein, so wie der Bursche Schnur nahm und abzog. Norman Söchting hatte zuvor zwar schon alles Mögliche an Fisch gefangen in den Havelgewässern, aber noch keinen Wels. Daher staunte er nicht schlecht, als der mutmaßlich kapitale Fisch plötzlich das Boot mitsamt beider Insassen flussaufwärts zog. Aus Fernsehserien  kannte er „Flussmonster“, aber dass er jetzt selber mit einem Riesenfisch ringt, damit betrat der Angler Neuland.

Nach rund zehn Minuten drehte der Wels um und zog  die Angler zur „Biss-Stelle“ zurück, um dann erneut gegen die Strömung anzukämpfen.  Für Beide, also für Fisch und Angler, ein enormer Kraftakt.  Nach etwa 30 Minuten sahen die Petrijünger Blasen aufsteigen, groß wie Untertassen. Sie ahnten, was nun bevor stand. Und als sie weitere zehn Minuten später erstmals den Kopf des gewaltigen Welses erblickten, schauten sie sich an und schüttelten nur den Kopf. Söchtings Puls dürfte inzwischen die 180 überschritten haben, als er den Fisch parallel zum Kahn holte. Aber das war kein Wels für Pfanne oder Backofen. Denn bei einer Größe zwischen 80 und 120 Zentimeter gelten Welse aus heimischen Gewässern, ob gebraten oder geräuchert, zu den schmackhaftesten Fischen. Doch dieses Exemplar  war weit größer und passte nicht ins Boot.

Um Verletzungen zu vermeiden, wollten die Angler den Riesen an einer seichten Uferstelle anlanden. „Wenn Du den Wels berührst, wird er fliehen“, meinte Andy. Tatsächlich, als Norman den Wels ganz sachte streichelte, machte dieser plötzlich einen Schlenker und tauchte ab in die Tiefe. Doch war die Bremse noch so eingestellt, dass der Raubfisch nicht ausbüchsen konnte. Es dauerte wieder einige Zeit, bis seine immense Ausdauer endlich nachließ. An einer flachen Uferstelle gingen die Angelfreunde mit vereinten Kräften daran, den Wels auf feuchtes Gras zu ziehen. Fix wurde der Haken mit der Zange entfernt. Da lag er nun der Riese: 207 Zentimeter lang, geschätztes Gewicht 70 bis 80 Kilogramm. Norman Söchtings Arme reichten nicht um den Wels herum, so dick war dieser.

Bevor der Fisch zurück ins Wasser gesetzt wurde, gab es natürlich noch  Fotos. Den Fisch liegend knipsen, klappte auf Anhieb. Ihn hoch haltend abzulichten, war dagegen wegen des enormen Gewichts und des Schleims ein aufwendiges Unterfangen. Nachdem der Wels wieder in die Havel gesetzt wurde, schwamm er sogleich davon. Die ersten fünf Meter noch ruhig, dann aber war  er mit wuchtigem Schwall dahin verschwunden, wo er her kam.

Im Havelabschnitt zwischen Bahnitz und Rathenow zählt dieser Wels zu den bisher größten angelsportlich gefangenen Fischen. Berufsfischern sollen bereits Exemplare von bis zu 2,40 Metern ins Netz gegangen sein. Es ist übrigens eher ungewöhnlich, dass der Wels vom 4. November am helllichten Tage biss. Im Normalfall ist dieser Raubfisch nachts aktiv.

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