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Karfreitag
Wo das Sammlerherz höher schlägt

Gruß aus Rathenow (1911): Ansichtskarte mit Postboten und Tasche, die sich öffnen lässt. Darin sind winzige Rathenower Impressionen.
Gruß aus Rathenow (1911): Ansichtskarte mit Postboten und Tasche, die sich öffnen lässt. Darin sind winzige Rathenower Impressionen. © Foto: Peter Wittstock
Peter Wittstock / 16.04.2019, 04:30 Uhr
Rathenow (MOZ) Jürgen Mai ist ein Freund der Kultur und auch der Geschichte. Zudem sammelt er Briefmarken. Mai ist also ein Philatelist. Und weil es so viele Leute gibt, die Lücken in Sammlungen stopfen wollen, gibt es den Sammlertreff im Blauen Saal des Rathenower Kulturzentrums - seit 2003 organisiert durch den Premnitzer. Alle Jahre am Karfreitag, so wieder am 19. April von 9.00 bis 14.00 Uhr, werden hunderte Sammler aus der näheren und ferneren Umgebung erwartet. Unter diesen befinden sich längst nicht nur Philatelisten.

Es wird getauscht, ver- und gekauft. Neben Briefmarken wechseln viele  Münzen die Besitzer. Das Sammelgebiet "historische Ansichtskarten"  ist die dritte große Säule des Aktionstags.

So wie Briefmarken für Jürgen Mai Zeitgeschichtliches dokumentieren, illustrieren Ansichtskarten häufig gesellschaftliche Entwicklungen der letzten 120 Jahre und natürlich kommunale Entwicklungen. Schlösser, Kirchen, Betriebe, Geschäfte, Restaurants, Hotels  und fotografierte Menschen berichten von früher. Daher sammeln in der Regel solche Leute Ansichtskarten, die an Heimatgeschichte interessiert sind. Höchstes Interesse erregen freilich jene Motive, die mit der eigenen Heimat in Verbindung stehen.

Ansichtskarten können auch begehrt sein, weil sie rar und/oder äußerst originell gestaltet sind. Beispiel dafür ist ein Exemplar aus Rathenow. Diese Karte wurde im Juni 1911 auf postalische Reise geschickt. Der dargestellte Postbote trägt authentische Dienstkleidung von der Hose bis zur Mütze, auch trägt er den damals bereits modischen "Horst-Lichter-Schnäuzer". Äußerst bemerkenswert ist die Tasche, die der Postbote trägt. Denn diese ist im wahrsten Sinne echt!

"Rathenow" prangt auf der aufgeklebten Tasche, die sich sogar öffnen lässt. Heraus kommen zehn sauber gefaltete Aufnahmen Rathenows - am Stück! Die Sankt-Marien-Andreas-Kirche ist zu sehen, das Landratsamt, Denkmäler, mehrere Straßenzüge und ein Havelabschnitt. Das war zur damaligen Zeit, es war einige Jahre vor dem Ersten Weltkrieg, beste touristische Eigenwerbung.  Mag sein, dass diese Ansichtskarte für damalige Verhältnisse nicht gerade billig gewesen ist, heute kostet sie viel mehr.

Seltene und gut erhaltene historische Ansichtskarten, wie diese mit dem Rathenower Postboten, sind für knapp 30 Euro zu haben.  Andere Raritäten, meist mit Ablichtungen inzwischen abgerissener Gebäude, überschreiten teils die 50-Euro-Marke. Indes sind aber die meisten Ansichtskarten mit historischen Motiven aus dem Havelland zu Preisen zwischen 1 und 25 Euro zu haben.  Über die 120 Jahre, in denen es auch von hier Ansichtskarten gibt, lässt sich kaum schätzen, wie viele Karten insgesamt aufgelegt und verschickt wurden und heute noch in Sammlungen oder Schubladen existieren.

Wer etwa als Neuling während des Sammlertreffs ein Exemplar mit heimatlichem Motiv entdeckt, natürlich werden Karten aus allen möglichen Gegenden verfügbar sein, sollte Vorsicht walten lassen. Eine Leidenschaft könnte geweckt werden, die zur Sucht auswachsen kann. So wie bei Briefmarken, Münzen, Pokemonkarten, Ü-Eier-Inhalten, Feuerzeugen, Kugelschreibern, Zollstöcken  etc.

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