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Anziehungspunkte
Frühslawischer Ringwall im Feuchtgebiet

René Wernitz / 09.06.2019, 07:00 Uhr
Bamme (MOZ) Bamme, das ist weit mehr als die BSG Einheit im Dorf. Tatsächlich verfügt es über zwei außergewöhnliche Anziehungspunkte. Neben der wohl ältesten erhaltenen Bockwindmühle Brandenburgs ist das der knapp 1.000 Meter westlich gelegene Ringwall, der als frühslawisch (7./8. Jahrhundert) ausgegeben wird. Dort lebten also schon vor mehr als 1.300 Jahren Menschen. Da war an Bamme noch lange nicht zu denken. Seine Ersterwähnung erfuhr das Dorf erst 1334 (14. Jahrhundert).

Wer den Ringwall besucht, erlebt Natur. Das kleine, auf Ackerland gelegene Ensemble erinnert an eine Oase. Augenscheinlich kreisrund wachsen die Bäume dort aus einem Flecken heraus.  Im 7./8. Jahrhundert hat es dort mit Sicherheit ganz anders ausgesehen.

Diese frühslawische Befestigung sticht unter den anderen, die im Havelland bekannt sind, dadurch hervor, dass sie nicht an einem Fluss wie Rhin und Havel und auch nicht an einem See geschaffen wurde. Ansonsten entstanden solche Anlagen in Wassernähe, so etwa in Riewend am Beetzsee, in Hohennauen und Lochow.

Im Buch "Das Havelland um Rathenow und Premnitz" (Böhlau-Verlag/2017) wird auch über das Bammer-Gräninger Ländchen geschrieben, das eine Endmoräne bildet. Bis dorthin hatte sich während der letzten Kaltzeit der Eispanzer geschoben. Die etwas höher gelegenen Terrains sind also Ablagerungen dessen, was der Gletscher vor sich her geschoben hatte. Als er schmolz, strömte das Schmelzwasser in Richtung Döberitz, Gapel und Pritzerbe und lagerte dort feinen Sand ab. Der entstandene Dünenzug wirkte später wie ein natürlicher Deich gegen das Wasser, das Nebenarme der Elbe heran führten. Als dieser Deich vor etwa 5.700 Jahren  brach, ergoss sich Elbewasser in Richtung Havelländisches Luch. Auch in der Niederung westlich von Bamme dürfte es in der Folge wieder sehr nass geworden sein. Wie lange dort das Wasser floss bzw. stand, ist kaum mehr nachzuvollziehen. Denkbar aber, dass es noch im 7. Jahrhundert zumindest so feucht war, dass das Gebiet zur Anlage eines frühslawischen Ringwalls taugte.

Die Rede ist davon, dass sein Durchmesser etwa 40 bis 50 Meter betrug, umgeben von einem bis zu ein Meter tiefen und fünf bis sechs Meter breiten Graben. Auch eine Vorburgsiedlung gab es. Da ein Feuchtgebiet, muss sich der Graben mit Wasser gefüllt haben. Ein Modell der Siedlung, so wie es sich den Experten erschloss, stand bis zur Schaffung des Fontane-Museums im Schloss Ribbeck.

Anders als an den Rändern des weiterhin feuchten Havelländischen Luchs hat die Natur den Menschen im Ringwall ihre auf Wassernähe beruhende Existenzgrundlage entzogen. Die slawische Siedlung wurde im 9. Jahrhundert aufgegeben. Vermutlich bevorzugten die Menschen eher Gebiete an der Havel oder in der Luchregion. Zumal auch der Gräninger See ein kaum erreichbares Verlandungsgewässer war und bis heute blieb.

Der Ortsname Bamme dürfte daher nicht aus dem Slawischen entlehnt sein. Wie es im Havelland-Heimatkunde-Buch heißt, soll er eine Übertragung darstellen und "stammt wahrscheinlich von der Wüstung Bamme bei Zülpich (Kreis Euskirchen/Nordrhein-Westfalen). Im historischen Bammer Kern befindet sich der Mühlenberg mit  der Dorfkirche und der nun sanierten Bockwindmühle, an der am Pfingstmontag von 10.00 bis 18.00 Uhr wieder Mühlenfest gefeiert wird. Auch der Mühlenstandort war 1334 erstmals erwähnt worden.

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