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Kirchengeschichte
Nicht jeder Dom ist auch Kathedrale

Blick zum Havelberger Dom: 1170 geweiht, wurde dieses Gotteshaus zu einem Bischofssitz.
Blick zum Havelberger Dom: 1170 geweiht, wurde dieses Gotteshaus zu einem Bischofssitz. © Foto: Rene Wernitz
René Wernitz / 12.06.2019, 15:57 Uhr
Havelland (MOZ) Die Dom-Dichte um Rathenow ist relativ hoch. Im Ort selbst hat es für ein solches Haus (lat. domus) nicht gereicht. Die Bischofssitze in Brandenburg und Havelberg haben das dazwischen gelegene Rathenow wohl in den Schatten gestellt.

Dome sind nicht zwangsläufig die Kirchen, in denen Bischöfe tätig sind bzw. waren. Das belegt das Stendaler Beispiel. Dort ist zwar vom Dom St. Nikolaus die Rede, doch ein Oberhirte arbeitete dort nie. Die Ursprünge der Kirche reichen in die 1180er Jahre zurück. "Obgleich niemals für einen Bischofssitz vorgesehen, erlangte St. Nikolai umgangssprachlich alsbald den Status eines Domes", wie es auf www.stadtgemeinde-stendal.de heißt.

Auf Wikipedia werden Dome als Kirchen dargestellt, "die sich durch ihre Größe, architektonische und künstlerische Besonderheiten oder eine besondere historische Bedeutung auszeichnen". Weiter steht dort: "Wenngleich viele Kathedralen auch als Dom bezeichnet werden, sind die Begriffe nicht gleichbedeutend; nur Kirchen, die als katholischer oder orthodoxer Bischofssitz dienen, werden Kathedrale genannt."

Demnach wäre das in Brandenburg/Havel und Havelberg eindeutig der Fall gewesen. Denn einst waren die dortigen Dome definitiv Bischofssitze. Deren Geschichte reicht bis in die Mitte des 10. Jahrhunderts zurück.

Kaiser Otto I., Sohn des ostfränkischen Königs Heinrich I., hatte 948 die Bistümer Brandenburg und Havelberg geschaffen. Zunächst waren sie als sogenannte Suffragane der Kirchenprovinz des  Erzbistums Mainz unterstellt. Erste Bischöfe waren Thietmar (Brandenburg) und Dudo (Havelberg). Der damalige Mainer Erzbischof hieß Friedrich. Erst nach Gründung des Erzbistums Magdeburg (968) wechselten die Suffragane den Metropoliten (Erzbischof).

Von Brandenburg und Havelberg aus sollte die Missionierung der slawischen Stämme gesteuert werden. Das Projekt ging gründlich schief, denn 983 wurden die geistlichen und weltlichen Herren vertrieben. Doch behielten die Bistümer auf dem Papier ihre Zuständigkeitsbereiche: Brandenburg war für die Gegenden bis hin zur mittleren Oder zuständig, Havelberg für die Regionen nördlich davon, bis hoch zur Ostsee.

Dass Bistümer und ihre Heidenmission ein Werkzeug in Händen christlicher Landesherren sein konnten, zeigt sich am Beispiel Lebus. Dieses westlich der mittleren Oder und damit in die Brandenburger Interessensphäre gepflanzte Bistum wurde vom polnischen Herrscher in den 1120-er Jahren gegründet, der damit territoriale Ansprüche untermauerte. Lebus war dem polnischen Erzbistum Gnesen unterstellt.

Wie die Havelberger waren auch die damals in Brandenburger Zuständigkeit gefallenen Gebiete noch unerobert und von heidnischen slawischen Stämmen (Wenden) bewohnt.  Erst nach dem sogenannten Wendenkreuzzug des Jahres 1147  konnte der Bischof von Havelberg an seinen eigentlichen Dienstsitz zurück kehren. Der dortige Dom bzw. die Kathedrale wurde 1170 geweiht. In Brandenburg kam es nach dem Tode des slawischen Fürsten zum Herrscherwechsel, wobei Albrecht der Bär zum Markgrafen aufstieg. In der Folge konnten sich die Bischöfe auf der Havelburginsel festsetzen. 1165 wurde der Grundstein für den dortigen Dom gelegt.

Derweil blieb das Bistum Lebus ein Zankapfel. Vergeblich hatte der Magdeburger Erzbischof darum gerungen, das Bistum Lebus als Suffragan in sein Gebiet einzugliedern. Das klappte erst 1254. Die Interessenkonflikte rissen danach nicht ab.

Auch in Lebus gab es eine Kathedrale. 1325 wurde sie durch brandenburgische Truppen zerstört. Der Bischof hatte da längst seinen Sitz östlich der Oder. Erst 1354 wurde Lebus reaktiviert, in der Folge wurde ein neuer Dom gebaut. 1373 wurde auch dieser zerstört. Der Sitz der Lebuser Bischöfe wurde nach Fürstenwalde verlegt, wo 1385 der dortige Dom geweiht wurde, der noch heute steht. Auch dieser war  also eine Kathedrale.

Auch in Berlin gibt es eine Kirche, die Heimstätte eines katholischen Oberhirten ist. Nicht etwa der Berliner oder der Französische Dom, sondern die St.-Hedwigs-Kathedrale hat diesen Status. 1773 geweiht, wurde sie aber erst 1930 zur  Kathedrale des gerade geschaffenen Bistums Berlin.

Nach der Reformation strebte der Katholizismus im Land gegen Null. Erst im 19. Jahrhundert änderte sich das. 1930 wurde das Bistum Berlin gegründet, 1994 wurde es zum Erzbistum erhoben. Zu seinem Zuständigkeitsbereich gehören auch die Gebiete der früheren Bistümer Havelberg und Brandenburg. Die noch heute bestehenden Dome sind aber evangelisch genutzt und keine Bischofssitze mehr.

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