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Waldemar
Landesväterliche Wohltat vor 700 Jahren

700 Jahre Rathenower Stadtforst: Etwa zwei Tonnen wiegt der Gedenkstein, der ab 18. Juni an die 1319 erfolgte Übereignung erinnern soll. Zum Stein, der auf dem Rauhen Berg bereits aufgestellt wurde, führt am Dienstag eine Wanderung, die um 10.00 Uhr auf dem Wanderparkplatz am Ferchesarer Weg beginnt.
700 Jahre Rathenower Stadtforst: Etwa zwei Tonnen wiegt der Gedenkstein, der ab 18. Juni an die 1319 erfolgte Übereignung erinnern soll. Zum Stein, der auf dem Rauhen Berg bereits aufgestellt wurde, führt am Dienstag eine Wanderung, die um 10.00 Uhr auf dem Wanderparkplatz am Ferchesarer Weg beginnt. © Foto: privat
René Wernitz / 16.06.2019, 03:30 Uhr
Rathenow (MOZ) Seit dem Mittelalter verfügt Rathenow über Wald. Er stellt wohl eine Schenkung dar, die sich am Dienstag zum 700. Mal jährt. "Jeder Rathenower, dessen Herz edler Gefühle empfänglich ist, erkenne dies noch jetzt mit dankbarer Rührung und vergesse es nie, dass diese landesväterliche Wohltat, die auf Kind und Kindeskind fortdauert, auch die fortdauernde Verbindlichkeit auflege, dem jedesmaligen Landesvater mit der unverbrüchlichsten Treue, dem willigsten Gehorsam und der reinsten und wärmsten Ergebenheit anzuhangen und zugetan zu bleiben."  Diese pathetischen Worte findet Pfarrer Christoph Samuel Wagner in seinem Buch über die "Denkwürdigkeiten der churmärkischen Stadt Rathenow", das 1803 erschien. Die vom Autor beschriebene Wohltat wurde am 18. Juni 1319  beurkundet. Aus diesem Anlass enthüllt Stadtförster Thomas Querfurt am Dienstag einen 700-Jahr-Gedenkstein auf dem Rauhen Berg.

Wie Hobbygeschichtsforscher Wagener schreibt, hätte der Markgraf unter anderem Folgendes in der Urkunde notiert: "Er habe bemerkt, dass die treuen Rathenower Bürger Mangel an allem litten, was zum bürgerlichen Leben gehöre, und schenke ihnen daher das Rittergut Rodenwolde mit allem Zubehör an Waldungen, Wiesen, Weiden, angebauten und wüsten Äckern, Lüchern, Gerechtsamen und Gerichtsbarkeiten, auf ewige Zeiten".

Die Übereignung markiert den Ursprung des städtischen Waldes, der heute als Stadtforst geläufiger ist. Tatsächlich hat Rathenow die Gabe bis auf den heutigen Tag behalten. Doch war es wirklich eine landesväterliche Wohltat, wie Wagner die Schenkung preist? Denn ein paar Sätze vor dem für Rathenow entscheidenden Absatz erläutert der Geschichtsfreund, was Waldemars Schenkung 1294 vorangegangen sein soll.

In dem Jahr war der letzte derer von Berenwolde gestorben, die einst ein Dorf und ein Gut Gezeritz zu Lehen vom märkischen Landesherren erhalten hatten. Als Dietrich von Berenwolde starb, fiel das Lehen zurück, in dem Fall an die Markgrafen Otto, Konrad und Heinrich, die gemeinsam herrschten. "Diese gütigen Landesherren", wie sie Wagner bezeichnete, hätten Rathenow das Lehen geschenkt. Und mit dieser Schenkung habe "genau genommen" eine zweite, die des Ritterguts Rodenwolde, in Zusammenhang gestanden. Obgleich auch dieses Gut Teil des Nachlasses war,  wie Wagener erklärt, so kam es erst 1319 in Besitz der Stadt.

In Anbetracht der damaligen Verkaufstour des Markgrafen überrascht die Schenkung womöglich. Über die Reisen und Geschäfte, durch die sich Waldemar offenbar Geld beschaffte, berichtet Karl Friedrich von Klöden in seinem 1844 erschienenen Buch "Diplomatische Geschichte des Markgrafen Waldemar" (Band 2). Laut diesem begann 1319 für den Markgrafen in Torgelow, wo er Verkäufe an die Städte Eberswalde und Königsberg (Neumark) tätigte, was für den Historiker Beweis dafür war, "dass Markgraf Waldemar wieder Geld brauchte."

Der Landesherr scheint überaus mobil gewesen zu sein. Über Spanddau (wo er am 8. und 15. Januar urkundete), ging es nach Linum (24. Januar) - dann wieder zurück nach Spandau und weiter zum Schloss nach Werbellin (9. Februar). Mitte März war Waldemar beim Erzbischof in Magdeburg. Beide verbündeten sich, Krieg drohte. "Von Magdeburg war Waldemar nach dem Lande über der Oder gegangen", so der Autor über die Stationen Ende März. Am 13. April ist Waldemar in Berlin, am 19. April in Tangermünde, wo er bis in den Mai hinein blieb. Pfingsten, 27. Mai 1319, verbrachte der Markgraf in Eberswalde.

Trotz der vielen Verkäufe des Jahres scheint es Waldemar weiter an Geld gemangelt zu haben, wie Klöden über die Tage in Eberswalde mutmaßt: "Die sehr ansehnliche Zahl vornehmer Personen, welche wir in Eberswalde um ihn versammelt finden, lässt schon vermuten, dass es wieder auf irgendeinen glänzenden Zug abgesehen war".

Am 28. Mai soll er wieder in Spandau gewesen sein. Nun ist folgender Satz zu lesen: "Am 18. Juni befand sich Waldemar in Tangermünde und verkaufte der Stadt Rathenow den Hof Rodenwalde mit allem Zubehör." Von einer Schenkung schreibt Karl Friedrich von Klöden an dieser Stelle also nicht.

Tangermünde wurde offenbar zum Sammlungsort märkischer Truppen, die der Markgraf im Juli mit den Truppen des Magdeburger Erzbischofs vereinte. Der Bündnisfall war eingetreten. Gemeinsam zogen sie zur Burg Erxleben, von der aus ein Zweig  derer von Alvensleben herrschte. Der Heerzug endete alsbald, da sich die verfeindeten Parteien auf einen Vergleich einigen konnten. Anscheinend zog Waldemar unmittelbar darauf mit seinen Truppen nach Pommern, um zu Beginn des Monats August die Stadt Garz zu belagern.

Am 6. August ist der Markgraf in Schwedt nachweisbar, von wo aus er in die östlich der Oder gelegene Neumark zog. Am 14. August 1319 gab es noch einen urkundlichen Akt in Bärwalde. Dann starb der Markgraf als ein Mann von Ende 30 oder Anfang 40. So genau weiß man das nicht, da sein Geburtsjahr nicht überliefert ist.

Der Wohltäter, der der damals noch jungen Stadt Rathenow das Gut Rodenwolde übereignet hatte, verließ völlig überraschend die Bühne der Geschichte. Laut von Klöden hätte Waldemar aber in seiner letzten Urkunde eine Anordnung wegen seines Begräbnisses getroffen und "muss seinen Tode für nahe gehalten haben". An Waldemar erinnert in Rathenow der Name zweier Straßen, die Waldemarstraße und die Kleine Waldemarstraße.

Gedenkstein

Etwa zwei Tonnen wiegt der Gedenkstein, der aus  Anlass der 1319 erfolgten Schenkung auf dem Rauhen Berg aufgestellt und am 18. Juni öffentlich enthüllt wird. Wer dabei sein will, kann sich am Dienstag  mit Stadtförster Thomas Querfurt auf einen Spaziergang zum Stein begeben. Treff ist um 10.00 Uhr der Parkplatz am Ferchesarer Weg.

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