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Marienaltar
Über die "Helferinnen in der Not"

Gudrun Gleba vor dem Marienaltar in der Sankt-Marien-Andreas-Kirche.
Gudrun Gleba vor dem Marienaltar in der Sankt-Marien-Andreas-Kirche. © Foto: Heinz-Walter Kanckmuß
Manuela Bohm / 19.07.2019, 09:15 Uhr
Rathenow (MOZ) Einen Vortrag zum Inventar der Sankt-Marien-Andreas-Kirche hat apl. Prof. Dr. Gudrun Gleba gehalten, zwei weitere stehen noch an. In diesen geht es um die älteste Stadtansicht Rathenows auf dem Epithaph und um das Tafelbild "Christus vor dem Hohen Rat". Im Mai hatte die Expertin bereits über den Marien-Altar referiert.

Nora Kelschebach und Stefanie Bendert machten mit Altblockflöte und Gitarre den musikalischen Auftakt beim Vortrag von apl. Prof. Dr. Gudrun Gleba als ersten Ton im Dreiklang von Vorträgen zu Kunstwerken in  der Sankt-Marien-Andreas Kirche, der die "Helferinnen in der Not" des (vermutlich) böhmischen Altars von ca. 1380 thematisierte. Gudrun Gleba berichtete über ihre Recherchen über den Gotischen Marienaltar in Rathenow und verwies zum einen darauf, dass nur durch viele verschiedene Handwerker ein solches Kunstwerk entstehen konnte, und zum anderen auf interessante kunsthistorische Untersuchungen, die vermuten lassen, dass der Rahmen des Altars wohl aus märkischem Kiefernholz geschaffen wurde, während die vier Heiligenfiguren, aus anderem Holz geschnitzt, aus einer böhmischen Werkstatt kamen.

Das Retabel (Altaraufsatz) zeigt fünf Frauen in kostbaren Gewändern und der damals modischen leicht gedrehten Körperhaltung. Maria, die Gottesmutter, steht in der Mitte und hält ihren Sohn Jesus auf dem Arm. Die Frauen tragen alle eine Krone, Maria als Himmelskönigin und die anderen vier die Märtyrerkrone.

Jede der Frauen hält ein Attribut in der Hand, ihr Erkennungszeichen, sodass die Menschen von damals sofort wussten, wen man vor sich hatte und die ganze Geschichte um die Nothelferinnen den Menschen sofort präsent war. Prof. Gleba machte das an Grimms Märchen deutlich. Sie zeigte eine goldene Kugel und das Publikum sagte "Froschkönig", sie zeigte einen rot und gelb gefärbten Apfel und die Zuhörer sagten "Schneewittchen" und dann zeigte sie ein Kopfkissen und alle riefen sofort "Frau Holle."

So war es im Mittelalter auch. Die Menschen kannten die Legenden um die Heiligen, und wenn ein Drache als Attribut von Margarete dargestellt wurde, fiel ihnen sofort die Lebensgeschichte der Heiligen Margarete ein. Die Heilige Barbara hat den Turm, in den ihr Vater sie sperrte, als ihr Erkennungszeichen. Leider ist er auf dem Rathenower Retabel verlorengegangen ist. Und bei der Heiligen Katharina ist ein ganz kleines Stückchen Rad zu sehen - weil sie mit einem mit Eisenhaken beschlagenen Rad gefoltert werden sollte, was misslang, weil das Rad zerbrach - und ein Schwert, mit dem sie schlussendlich enthauptet wurde. Die Heilige Dorothea hat ein Körbchen mit Rosen und Äpfeln, und so ließe sich die ganze Palette der Heiligen fortsetzen.

Beim Vortrag gab es auch einen Einblick in die mittelalterlichen Machtverhältnisse und die Nöte der Menschen in dieser Zeit. Professor Gudrun Gleba hat die Gabe, die Menschen recht anschaulich in die Geschichte einzuführen. Sie erzählte auch die Geschichte der anderen Heiligen auf den Seitenflügeln und bat nach ihrem Vortrag noch um Fragen, die dann reichlich gestellt wurden.

Dies wird sicher auch am 27. Juli möglich sein, wenn sich die Historikerin der ältesten Stadtansicht Rathenows,  der Totengedenktafel, für den Stadtschreiber Nesen zuwendet. Der Vortrag in der Kirche beginnt um 16.00 Uhr. Er ist für die Besucher kostenfrei, Spenden, über die der Förderkreis den Wiederaufbau der Kirche finanziert, sind willkommen. Mehr Infos zu Verein und Veranstaltungen auf www.rathenow-kirchen.de.

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