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Stadtforst
Mittendrin im Waldumbau

René Wernitz / 10.08.2019, 04:45 Uhr
Rathenow (MOZ) Die havelländische Kreisstadt hat eine grüne Lunge. Seit 700 Jahren befindet sich Wald in Rathenower Besitz. Die Übereignung erfolgte durch Markgraf Waldemar   im Juni 1319. Damals dürften Kiefern - wenn überhaupt vorhanden - nur eine untergeordnete Rolle im Bestand gespielt haben. Wie praktisch überall in Brandenburg  waren es im Ursprung Laubbäume, die die Wälder dominierten.

Das Waldjubiläum steht 2019 im Fokus der Kommune. Ein Gedenkstein wurde bereits aufgestellt. Ein Fotowettbewerb unter dem Titel "Mein Lieblingsort im Stadtforst" läuft. Schon mehrfach wanderte Stadtförster Thomas Querfurth mit geschichtlich interessierten und naturverbundenen Leuten durch sein Revier, das insgesamt etwa 1.900 Hektar groß ist. Nächster Termin ist am kommenden Freitag, 16. August. Los geht es um 10.00 Uhr am Wanderparkplatz am Ferchesarer Weg. Ganz in der Nähe befindet sich einer von Querfurths Lieblingsplätzen. Eine alte Steinbank steht dort, umgeben von Eichen und Hainbuchen. Die ältesten Bäume sind bereits über 200 Jahre alt.

Noch im Mittelalter waren diese Baumarten in Nordostdeutschland vorherrschend. Heute sind Eichen (6,7 Prozent) und Buchen (3,3 Prozent) eher selten in Brandenburg. Im Durchschnitt 70 Prozent der märkischen Wälder bestehen aus Kiefern (735.000 Hektar). Die restlichen 20 Prozent verteilen sich auf andere Laub- und Nadelbaumarten. Dabei nimmt der Laubbaumbestand vom Norden des Landes (30 Prozent) nach Süden hin (19 Prozent) ab, der Kiefernanteil steigt dort auf 77,7 Prozent. So steht es in "Wälder Brandenburgs". In dieser Broschüre sind die Ergebnisse der erstmaligen Waldinventur von 2015 zusammengefasst. Herausgeber ist das Ministerium für Ländliche Entwicklung, Umwelt und Landwirtschaft,  zu finden auf mlul.brandenburg.de.

In der Broschüre heißt es auch, dass zunehmender Holzhunger von Glashütten, Köhlereien, Teer- und Kalkbrennereien sowie der in den Städten wachsende Bedarf von Bau- und Brennholz im 18. Jahrhundert zu einer akuten Holznot geführt hätten. Oft seien vegetationslose Flächen (Sandschollen) zurückgeblieben. An Nährstoffen verarmte Böden hätten nur noch dem Anbau von Kiefern genügt. Bemühungen Ende des 19. und zu Beginn des 20. Jahrhunderts zunehmend wieder Mischbestände zu schaffen, seien durch den Zweiten Weltkrieg und nachfolgende Reparationszahlungen wieder zunichte gemacht worden. "Das Land Brandenburg betreibt seit mehr als 20 Jahren einen intensiven Waldumbau. Ziel ist es, Kiefernmonokulturen in naturnähere Laub- und Mischwälder und damit widerstandsfähigere Wälder umzugestalten", so wird in der Broschüre informiert. "Von 1990 bis 2014 wurden in Brandenburg 75.000 Hektar Kiefernwälder mit Laubholz angereichert."

Auch der Rathenower Stadtforst befindet sich im Waldumbau. Seit Dienstantritt im Jahr 1994 erfolgt das unter Regie von Thomas Querfurth. In einem Beitrag zur Geschichte des Stadtforstes auf www.rathenow.de erklärt er: "In den zurückliegenden 25 Jahren, für die Forst ein eher kurzer Zeitraum, lag das Bestreben vor allem darin, die doch recht eintönigen Kiefernforste in standortgerechte Laub- oder Mischwälder umzuwandeln. Dies ist bisher auf ca. 400 ha Fläche auch recht gut gelungen."

Der Kiefernanteil ging dadurch auf 63 Prozent zurück. Auf BRAWO-Anfrage hin sagt Querfurth, dass der Umbau ausschließlich außerhalb der beiden bestehenden Naturschutzgebiete stattgefunden hätte und laufend fortgesetzt werde. "Die Initiative hierzu wurde durch die aufgelegten Förderprogramme des Landes zum Waldumbau angeregt und die Maßnahmen von den zuständigen Mitarbeitern des Stadtforstes umgesetzt." Dem Stadtförster stehen zwei Waldarbeiter zur Verfügung.

Im Revier befinden sich zwei Naturschutzgebiete: Riesenbruch (297 Hektar) und Rodewaldsches Luch (130 Hektar). Letzteres wurde 1936 aus der Nutzung genommen, vormals wurde dort Torf als Brennstoff gestochen. Dieser Bereich ist sich selbst überlassen, die Natur waltet dort nach Belieben. Daher könnte man das Rodewaldsche Luch, das zwei Prozent des Stadtforstes ausmacht, durchaus als "Urwald" bezeichnen.

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