Das Nachrichtenportal für Brandenburg
Startseite Märkische Onlinezeitung - MOZ.de
Logo Brandenburger Wochenblatt

Agrarwirtschaft
Echte Solidarität zwischen Verbrauchern und Landwirten

Silvia Passow / 13.08.2019, 15:22 Uhr
Möthlow/Ribbeck Während einer "Agrarpolitischen Tour" durch das Havelland besuchte die Bundestagsabgeordnete Kirsten Tackmann (Die Linke) die Luch-Gärtnerei in Möthlow. Begleitet wurde sie von Parteifreundin Anke Schwarzenberg, die im Brandenburger Landtag sitzt. Beider Spezialgebiet innerhalb der Fraktionen ist die Landwirtschaft.

Vom Hofbetreiberpaar, Reiner und Angelika Glawe, erfuhren die Politikerinnen am Freitag, dass auf 3,4 Hektar Ackerland, mitten im Vogelschutzschutzgebiet, biozertifiziertes Obst und Gemüse angebaut wird. Seit 2012 ist der Hof Teil einer solidarischen Landwirtschaft (SoLaWi) mit 25 Mitgliedern. Das Besondere: Die Erträge werden unter allen aufgeteilt. Viermal im Jahr treffen sich die Mitglieder zu Arbeitseinsätzen auf dem Feld. Verbraucher und Produzent arbeiten auf diese Weise Hand in Hand. Eine Zusammenarbeit, die noch intensiver wurde, als es auf dem Hof zu personellen Engpässen durch Krankheit kam. SoLaWi-Mitglieder sprangen ein.

Zuvor waren die Besucherinnen aus Berlin und Potsdam bei Landwirt Peter Kaim in Ribbeck gewesen. Er betreibt den Havellandhof im Dorf, bewirtschaftet mehr als 700 Hektar Ackerland. Auf den Feldern werden Winterraps, Weizen, Gerste, Roggen und Mais angebaut. 150 Milchkühe stehen auf dem Hof. Kaim betreibt eine 380-kW-Biogasanlage, neben dem Hof gibt es Flächen mit Blumen zum Selber schneiden. Kaim sagt: "Ich will eine nachhaltige Kreislaufwirtschaft." Das F.R.A.N.Z.-Projekt unterstützt ihn dabei. Nicht nach starren Richtlinien, sondern nach den Gegebenheiten angepasst, wissenschaftlich begleitet und von zwei Bundesministerien gefördert. "Für Ressourcen, Agrarwirtschaft & Naturschutz mit Zukunft", dafür steht F.R.A.N.Z. Kaims Havellandhof gilt als Demonstrationsbetrieb.

Auf dem Havellandhof informierten sich Tackmann und Schwarzenberg zum Stand des Projekts. Zu sehen sind bereits Mischkulturen aus Mais und Stangenbohnen. Ein "Blühstreifen" verdient bereits den Namen "Kleiner Blüh-Dschungel", so hoch und dicht wie die Pflanzen dort wachsen. Einige sind locker zwei Meter in die Höhe geschossen. Kaim erzählte von den wechselnden Pflanzen bei einem solchen Streifen. Neben diesem hat Kaim Feldlerchenfenster geschaffen. Extensivgetreide schafft Platz für Ackerwildkräuter, Insekten und Wildvögel. Altgrasstreifen dienen als Rückzugsort für Insekten und Vögel, Feldvogelinseln bieten bodenbrütenden Vögeln Nistmöglichkeiten.  Welche Maßnahmen für welchen Betrieb zielführend sein können, das sei oft ganz unterschiedlich, sagte Holger Pfeffer vom Deutschen Verband für Landschaftspflege: "Wo nie eine Lerche war, muss nicht unbedingt ein Lerchenfenster hin." Das ist die Besonderheit an F.R.A.N.Z., es können viele kleinere oder eben auch größere Maßnahmen dazu gehören.

Durch Lerchenfenster im Acker und Blühstreifen verzichtet Kaim auf den Ertrag dieser Flächen. Und hier kommt dann die Politik ins Spiel. "Die Politik muss den Rahmen schaffen", so Kirsten Tackmann. Und sie rät zur sorgfältigen, langfristigen Beobachtung des Projekts. "Es werden gern schnell messbare Ergebnisse erwartet. Dies ist ein langfristiges Projekt. Hier sollten nicht die Ergebnisse, sondern die Prozesse bewertet werden."

Doch es sind nicht nur die Politiker, auch das Handeln, der Verbraucher ist gefragt. Der Geschäftsführer des havelländischen Kreisbauernverbands, Johannes Funke (SPD), meinte: "Die Bauern in der Region wollen kein Geld vom Staat. Die Bauern wollen mit ihren Produkten ihr Geld verdienen." Funke kennt ähnliche Projekte, F.R.A.N.Z. nennt er das Aushängeschild. Ein Schild das sichtbarer werden muss. Funke glaubt, es mache Sinn, wenn der Verbraucher wisse, warum er 10 Cent mehr für die Milch bezahlen soll. Zum Erfolg der Konzepte für die biologische Vielfalt auf den Äckern, gehört auch, dass Verbraucher Entscheidungen, wie die von Peter Kaim, an der Kasse im Supermarkt unterstützen.

Schlagwörter

Leserforum

Um einen Kommentar zu schreiben, melden Sie sich bitte oben rechts an. Falls Sie noch keinen Login haben, registrieren Sie sich bitte.

Alle Leserkommentare geben ausschließlich die persönlichen Ansichten und Meinungen des Autors wieder und sind keine redaktionelle Meinungsäußerung. Für die Richtigkeit und Vollständigkeit der Inhalte übernimmt die Redaktion keinerlei Gewähr.

Ihr Kommentar zum Thema

Kommentartitel
Name
(öffentlich sichtbar)
Email
(wird nicht veröffentlicht)
(Ihr Name wird auch in der Zeitung veröffentlicht. Die Adresse wird nicht veröffentlicht.)
© 2019 MOZ.de Märkisches Medienhaus GmbH & Co. KG