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Niederdeutsch
Großderschauerin Helga Klein snackt gern plattdüütsch

Niederdeutsch auf dem Kolonistenhof: Helga Klein snackt gern plattdüütsch.
Niederdeutsch auf dem Kolonistenhof: Helga Klein snackt gern plattdüütsch. © Foto: Weber
Manuela Bohm / 20.09.2019, 08:00 Uhr
Großderschau/Potsdam (MOZ) Eineinhalb Jahre ist es erst her, dass das Land Brandenburg eine Vereinbarung über die Zusammenarbeit mit niederdeutschen Sprachgruppen unterzeichnete. Der Erhalt dieser Sprache  steht im Fokus. Wer sie hören will, könnte auch auf den Kolonistenhof in Großderschau (Havelland) fahren, wo an diesem Sonntag, 22. September, ab 11.00 Uhr Erntedankfest gefeiert wird. Helga Klein beherrscht das Niederdeutsche bestens, das auch als Platt bekannt ist.

Die Vorsitzende des Betreibervereins des Kolonistenhofs leitet auch einen Mundartzirkel. Monatlich treffen sich die Mitglieder und snacken Plattdüütsch - an jedem ersten Donnerstag im Monat, um 14.00 Uhr in der Hof-Remise.

Höhepunkte sind jährliche Wintertreffen an wechselnden Orten, das Plattfest auf dem Kolonistenhof  im Juni und der Plattdeutsche Gottesdienst im Spätherbst. Dieser findet 2019 am 27. Oktober, 14.00 Uhr, statt in der Großderschauer Dorfkirche.  Dazu erwartet werden Plattsnacker aus Havelberg, Kyritz und zum Teil auch aus Putlitz. Auf der Kanzel steht Pastorin Ute Eisenack aus Neuruppin. "Wir müssen uns zwar sehr konzentrieren, um dem Gottesdienst folgen zu können. Es ist aber immer eine besondere Atmosphäre, die mir eine Gänsehaut beschert", so Helga Klein.

Ihre Sprachgruppe gibt es inzwischen seit 30 Jahren. Das Durchnittsalter drücken zwei Kinder, die munter das Platt snacken. Im Juni dieses Jahres vertraten sie ihre Gruppe im "Plattdüütsch-Kinner-Kreativ-Wettstrit" auf der Landesgartenschau (LAGA) in Wittstock.  Dort rezitierten sie die Fontane-Ballade "Herr Ribbeck auf Ribbeck im Havelland", die eigens ins Niederdeutsche umgeschrieben wurde.

Für Fahrten wie diese und um Bücher für Kinder anzuschaffen, hat der Großderschauer Mundartzirkel in diesem Jahr 500 Euro von der Bürgerstiftung für die Region Rathenow erhalten. Ansonsten stemmt die Gruppe alle finanziellen Aufwendungen aus eigener Tasche.

Der Mundartzirkel gehört dem Verein für Niederdeutsch im Land Brandenburg an. "Wir wollen, dass Niederdeutsch als Teil unserer Landeskultur gezielt gefördert wird, so wie in den anderen Bundesländern", fordert der Verein auf seiner Webseite www.platt-in-brandenburg.de. Dabei beruft  man sich auf die Europäische Charta für Regional- und Minderheitensprachen, die 1999 von der Europäischen Union verabschiedet und auch von Brandenburg unterzeichnet wurde.

Womöglich kann fortan aus dem Vereinsetat etwas Geld nach Großderschau fließen. Denn das Land Brandenburg fördert nun mit 50.000 Euro jährlich den in Potsdam ansässigen Verein. So geht es aus einer am  Mittwoch verschickten Mitteilung der Staatskanzlei hervor, die Martin Gorholt (SPD) leitet.

Niederdeutsch

Laut Angaben der Staatskanzlei sei die Regionalsprache Niederdeutsch, im Volksmund "Platt" genannt, keine Mundart des Hochdeutschen, sondern eine eigene westgermanische Sprache mit Verwandtschaft zum Friesischen und Englischen. Sie sei in Brandenburg seit Jahrhunderten beheimatet und werde seit Generationen vorwiegend mündlich weitergegeben. Im Land Brandenburg gebe es in der Prignitz, der Uckermark, im Fläming sowie im Oder- und Havelland niederdeutsche Mundartvereine.

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