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Taxi aus Havel gezogen
Schon vor 60 Jahren gab es Taucher in Rathenow

René Wernitz / 08.11.2019, 14:30 Uhr
Rathenow (MOZ) Rettungs- und Bergungseinsätze unter Wasser stellen heute kein logistisches und personelles Problem mehr dar. Die brandenburgische Polizei unterhält eine Einheit für "Besondere Dienste", der Taucher angehören. Im westlichen Havelland wurde 2014 eine Rettungstaucherstaffel aufgebaut. Eine Initiative aus den Reihen des Rathenower Ortsvereins des Arbeiter-Samariter-Bunds (ASB), deren Mitglied Rayk Sommer sich im Speziellen dabei verdient  gemacht hat. Vor 60 Jahren kamen Holger Hörning und seine Mitstreiter zum Einsatz, als in Rathenow ein Taxi aus der Havel geborgen werden sollte. Sie waren die einzig verfügbaren Taucher weit und breit.

Im Grunde waren Rolf Dumpf, Horst Lück, Joachim Arndt, Rainer Kulinski, Sven Strehlow und Holger Hörning einfach nur von Unterwasserwelten fasziniert. Dokus und Filme von Jacques-Yves Cousteau (1910-1997) und Hans Hass (1923-2013) hatten die Burschen inspiriert. Sie wollten tauchen wie ihre Vorbilder, was in der DDR zunächst durchaus möglich war. Taucherbrille, Schnorchel und Flossen gab es. Erst wenn das Equipment darüber hinaus gehen sollte, wurde es schwierig. Mitunter kauften die Hobbytaucher im Westen Berlins ein. Auch ein Neoprenanzug kam so ins westliche Havelland. Die Mauer stand Ende der 1950er Jahre noch nicht.

Holger Hörning erinnert sich an klarere Zeiten des Premnitzer Sees, der 1913 durch Wassereinbruch entstand. Davor war das eine bis zu 15 Meter tiefe Grube, aus der Ton für die Ziegelproduktion gefördert wurde. Hörning spricht von 12 Metern, die die jungen Burschen damals hinabtauchten.

Irgendwann machte ein erworbenes Gehäuse für einen Fotoapparat auch Unterwasserfotografie möglich. Dafür boten sich glasklare Seen an, die es heute noch im Nordosten Deutschlands gibt. Holger Hörning zeigt die Fotografie eines entspannten Barschs. Geradezu spektakulär sind dagegen Bilder vom Einsatz, zu dem die Gruppe Sommer 1959 gerufen wurde. Obgleich der Anlass ein dramatischer Unfall war.

Laut Hörning war ein mit drei Insassen besetztes Taxi, Fahrzeugtyp P4, auf dem Schwedendamm unterwegs gewesen, am Steuer saß Taxiunternehmer Klunker. Seine Bremsen versagten, als der Zusammenstoß mit einem entgegenkommenden Fahrzeug drohte. Klunker riss das Steuer herum und fuhr auf eine Mauer an der Havelbrücke neben der Alten Mühle zu. Die Mauer hielt der Wucht des Aufpralls nicht stand. Der Wagen stürzte in die Havel. Klunker wurde gerettet, vom hinten sitzenden Paar überlebte nur die Frau. Der Mann starb. So erinnert sich Hörning. Das Taxi lag etwa ein Meter unter Wasser.

Die Hobbytaucher sollten nun Seile eines Krans am Auto befestigen, damit es geborgen werden konnte.  Wie die Fotos belegen, geschah das unter den Augen vieler Schaulustiger, Hörning spricht von hunderten. Der Auftrag wurde erledigt, das Taxi konnte herausgezogen werden.

Und wie ging es mit der Gruppe weiter? Laut Holger Hörning war 1961 Schluss. Inzwischen stand die Mauer. Baustart war im August des Jahres gewesen. Es erging ein Tauchverbot. Denn Leute wie die Rathenower Taucher wären durchaus in der Lage gewesen, Grenzflüsse wie Spree und Elbe unentdeckt zu durchqueren.

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