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Umweltschäden im Havelland
130 Kilogramm Holz für ein Kilo Eisen benötigt

Eine aus Eisen hergestellte Schwertscheide, die dem  1. Jhrhundert vor Christus zugeordnet wird. Sie wurde in Kunersdorf (Märkisch-Oderland) gefunden und im Archäologischen Landesmuseum gezeigt.
Eine aus Eisen hergestellte Schwertscheide, die dem  1. Jhrhundert vor Christus zugeordnet wird. Sie wurde in Kunersdorf (Märkisch-Oderland) gefunden und im Archäologischen Landesmuseum gezeigt. © Foto: BLDAM
René Wernitz / 28.02.2020, 07:00 Uhr
Brandenburg/Havelland (MOZ) Die Eisenzeit ist in der Menschheitsgeschichte jene Epoche, die auf die Bronzezeit folgte. Jetzt wurde Erz zu Roheisen verhüttet.  Es kam bei der Herstellung von Werkzeugen und Waffen zum Einsatz. Auch im Havelland.

"Eisen war vor langer Zeit ein rares und somit kostbares Gut", heißt es seitens des Archäologischen Landesmuseums in Brandenburg an der Havel. Habe man noch im 6. Jahrhundert vor Christus Roheisen aus dem keltischen Süden importieren müssen, sei es ab dem 3. Jahrhundert vor Christus gelungen, den begehrten Rohstoff aus hiesigem Raseneisenerz zu gewinnen.

Die Verhüttung bot neue Möglichkeiten. Doch hatte sie auch negative Folgen. Im Gegensatz zu Erz, das untertage gewonnen werden musste, lag Rasenerz einfach so herum. Allerdings mussten auch Havelländer den Rohstoff erst schmelzen, damit er ihn nutzen konnte. Riesige Mengen Brennmaterial waren dafür nötig, so dass "immer mehr Wälder abgeholzt wurden", so Historikerin Dr. Bettina Götze, die das Optik-Industrie-Museum in Rathenow leitet.

Anfang dieses Jahrtausends  hatte sich die Westhavelländerin mit der  Geschichte hiesiger menschengemachter Veränderungen in der Natur beschäftigt. Nachzulesen im Heft 13 der Brandenburgischen Umweltberichte, online auf https://www.uni-potsdam.de/fileadmin01/projects/ibb/dateien-guelpe/station-guelpe-vol13.pdf.

Götze führt darin aus, dass 130 Kilogramm getrocknetes Holz nötig waren, um aus zehn Kilogramm Rasenerz ein Kilogramm Eisen zu gewinnen. In jeder dörflichen Siedlung sei Eisen für den eigenen Bedarf gewonnen worden. Bis dahin vorherrschende Laubbäume wie Eiche, Buche, Erle und Birke seien durch Rodungen in großem Umfang zurückgedrängt worden, und es sei der Anteil der Kiefer und Fichte gestiegen, so Götze.

Wenn Archäologen in Brandenburg graben, finden sie mitunter Artefakte aus der Eisenzeit: etwa eiserne Pflüge und Sicheln sowie Schwerter, Pfeilspitzen und anderes Gerät. Zahlreiche Stücke werden im archäologischen Landesmuseum gezeigt.  Darunter eine Schwertscheide, die in Kunersdorf (Landkreis Märkisch-Oderland) gefunden wurde.

Am kommenden Dienstag, 3. März, wird im Brandenburger Museum zu einer Führung zu eisenzeitlichen Funden eingeladen. Los geht es um 11.00 Uhr. Die Teilnehmer erfahren bei der Gelegenheit, dass eine Klimaverschlechterung die Umwelt und Speisepläne der damaligen Menschen veränderte, der Einfluss ferner Römer bis ins heutige Brandenburg reichte und Tieropfer nicht selten zum Hausbau gehörten, wie online auf www.landesmuseum-brandenburg.de angekündigt wird.

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