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König & von Katte
Enthauptet: Friedrichs Freund musste sterben

Mitglieder des Von-Katte-Familienverbands im Jahr 2014, als ihnen im Brandenburger Stadtmuseum das Richtschwert übereignet wurde, mit dem Hans Hermann von Katte 1730 enthauptet wurde.
Mitglieder des Von-Katte-Familienverbands im Jahr 2014, als ihnen im Brandenburger Stadtmuseum das Richtschwert übereignet wurde, mit dem Hans Hermann von Katte 1730 enthauptet wurde. © Foto: Anja Warnecke
René Wernitz / 26.03.2020, 07:30 Uhr
Rathenow (MOZ) Brandenburg, Preußen  und die Hohenzollern. Aus ihrer rund 500 Jahre währenden Regentschaft ragt eine Episode heraus, die noch heute schwer zu begreifen ist. Denn Friedrich II. (1712-1786) wollte, lange bevor er zu einem "Großen" wurde, außer Landes fliehen. Die Flucht misslang.

Denkt man im Havelland an Friedrich den Großen zurück, hat man vor allem trocken gelegte Landstriche im heutigen Amt Rhinow vor Augen. Kolonistendörfer wie Großderschau entstanden. Zudem machte der König auch seinen Havelländern die Kartoffel schmackhaft. Zahlreiche Söhne der Region hatten für ihren König ihr Leben in dessen Kriegen gelassen. Ein halbes Jahr, nachdem er Ende Mai 1740 auf den Thron gelangt war, hatte Friedrich II. seinen Machtgelüsten freien Lauf gelassen. Zunächst entfesselte er den ersten der beiden Schlesischen Kriege. Später ritt er in den sogenannten Siebenjährigen Krieg.

Es hat also den Anschein, dass mit Friedrich II. einer die Krone trug, der zeitlebens dafür bestimmt gewesen war. In Jugendjahren hatte er allerdings wohl noch andere Vorstellungen vom Leben. Sein Vater, Soldatenkönig Friedrich Wilhelm I., drillte den Jungen auf Militär und Wirtschaft. Dem suchte Friedrich zu entkommen, zunächst durch das Erlernen des Flötenspiels. Da war er 16. Ein Jahr später trat ein junger Leutnant in sein Leben. Der einige Jahre ältere Hans Hermann von Katte teilte so manche heimliche Vorliebe des Kronprinzen, etwa das Flötenspiel und die Dichtkunst.

Die Freundschaft wurde in  der Weise intensiv, dass Hans Hermann durch Friedrich in dessen Fluchtpläne eingeweiht war. Anfang August 1730 wollte der Kronprinz nach Frankreich abhauen, um der Strenge seines Vaters zu entgehen. Der Vater konnte das verhindern. Friedrich kam in Festungshaft, sein Mitwisser ebenso. Beiden drohte die Todesstrafe. Letztlich wurde nur Hans Hermann von Katte hingerichtet. Wie es heißt, soll der Soldatenkönig seinen Sohn dazu gezwungen haben, bei der Exekution am 6. November 1730 zuzusehen. Der Leutnant wurde enthauptet. Ort des Geschehens war die Festung Küstrin an der Oder.  Über Umwege war das Richtschwert nach Brandenburg an der Havel gelangt, wo es über Jahrzehnte im Stadtmuseum gezeigt wurde. 2014 wurde es der Familie von Katte übereignet.

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