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Stillstand wegen Corona
Filmtierschule Schweuneke aus Marzahne drohen massive Verluste

Pony "Susi" (li.) war eigentlich für einen Auftritt in der beliebten Serie "Tiere bis unters Dach" gebucht. Weil die Filmbranche aber so gut wie stillsteht, brechen Filmtierschul-Chef Michael Schweuneke nahezu alle Buchungen weg.
Pony "Susi" (li.) war eigentlich für einen Auftritt in der beliebten Serie "Tiere bis unters Dach" gebucht. Weil die Filmbranche aber so gut wie stillsteht, brechen Filmtierschul-Chef Michael Schweuneke nahezu alle Buchungen weg. © Foto: A.Gebhardt
Alexandra Gebhardt / 23.05.2020, 04:30 Uhr - Aktualisiert 23.05.2020, 15:22
Marzahne (MOZ) Tiere einfach vor die Kamera stellen und los geht’s – das klappt in den seltensten Fällen. Das wurde der Autorin kürzlich selbst eindrucksvoll klar. Um ein ansprechendes Foto von einem neugeborenen Lama mit seiner Mutter zu machen, brauchte es eine gute halbe Stunde, sämtliche Futtertricks und sicher einhundert Versuche.

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So lang darf es beim Film natürlich nicht dauern. Tierische Stars wie "Lassie", "Flipper" oder "Ein Schweinchen namens Babe"  werden deshalb monate-, wenn nicht nicht jahrelang mit speziellen Trainings auf ihren Einsatz vor der Kamera vorbereitet. Und das nicht nur in Hollywood oder im Filmpark Babelsberg, sondern in Marzahne.

In dem beschaulichen Ortsteil der Stadt Havelsee im Landkreis-Potsdam-Mittelmark tummeln sich jede Menge Film- und Fernsehstars auf vier Beinen. Seit 1990 Jahren betreibt Michael Schweuneke hier die Filmtierschule Schweuneke und den Tierpark Marzahne als waschechtes Familienunternehmen. Sowohl seine Frau Denise, als auch sein Schwager Andreas und die Nichten sind im Tierpark tätig und kümmern sich um die ca. 450 Tiere aus gut 80 verschiedenen Tierarten, die auf 17 Hektar Land untergebracht sind.

Die zahlreichen Filmplakate in den Ausstellungs- und Büroräumen bezeugen die Referenzen der Tierfilmschule: Im Film "Die Flucht" mit Maria Furtwängler wirkten gleich 60 Gespanne aus Marzahne, zusätzlich lieferte Schweuneke die historischen Gespanne als Requisiten. Ähnliches gilt für den 2008 erschienen Film "Buddenbrooks" mit Armin Müller-Stahl. Hunde, Schweine, Katzen, Affen, Papageien, Ziegen und Reptilien waren zudem bei  diversen Fernsehproduktionen wie "Alarm für Cobra 11", "Doctors Diary" oder "Gute Zeiten, schlechte Zeiten" im Einsatz.  Eine lange Liste, die in diesem Jahr durch eine Vielzahl von Buchungen der Tiere in der Filmbranche fortgeführt werden sollte.

So war Pony "Susi" für einen Auftritt in der Serie "Tiere bis unters Dach" engagiert. Ein Dreh mit anderen Pferden sollte am 29. Mai in München stattfinden. Hunde, Ratten und Rehkitze waren für diverse andere Produktionen im gesamten Bundesgebiet  gebucht. Wegen Corona wurde vorerst alles abgesagt. Die Filmbranche steht nahezu still.

"Bei uns kommen sonst täglich Anfragen für Buchungen der Tiere per rein. Im Moment hagelt es hauptsächlich Absagen und Terminverschiebungen", sagt Schweuneke. Den Verlust, der sich daraus ergibt, kann und möchte er noch nicht beziffern. Fest steht jedoch: der Großteil seiner Einnahmen fällt weg. Zwar dürfte der Tierpark samt Streichelzoo mit Lamas, Ponys, Eseln und Hasen seit dem 24. April nach wochenlanger Schließung wieder öffnen. "Die Einnahmen aus diesem Bereich decken jedoch nicht einmal die Personalkosten. Von den Kosten zur Versorgung der Tiere ganz zu schweigen", so Schweuneke.

Seine fünf Mitarbeiter in Kurzarbeit zu schicken, ist für den Filmtierschulen-Betreiber keine Option. "Das wäre zeitlich einfach nicht machbar. Die Arbeit hier ist ein 24 Stunden Job. An jedem Tag in der Woche", sagt er. Den Kopf in den Sand zu stecken und hinzuschmeißen, kommt für Schweuneke aber auf keinen Fall in Frage. "Es muss und wird weitergehen, und wenn es soweit ist, sind wir bereit."

Bis dahin werden alle Tiere der Filmtierschule weiterhin individuell gefördert. Immer je nachdem, für welche Aktion in Film bzw. Fernsehen sie gebucht sind und auf welchem Niveau sich der aktuelle Kenntnisstand befindet. Das sei ähnlich wie bei den Menschen, sagt Michael Schweuneke: "Eine Fähigkeit muss auf der andern ausbauen. Dabei sind vor allem viel Geduld und Training, Training, Training gefragt."

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