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Naturparkzentrum in Milow
NABU-Chef René Riep zeigt natürliche Schönheiten

René Riep, Geschäftsführer des NABU-Regionalverbands: Der Verein betreibt in Milow das westhavelländische Naturparkzentrum.
René Riep, Geschäftsführer des NABU-Regionalverbands: Der Verein betreibt in Milow das westhavelländische Naturparkzentrum. © Foto: Silvia Passow
Silvia Passow / 31.07.2020, 07:00 Uhr
Milow Tief und unergründlich ist diese Dunkelheit, die Hand vor Augen mehr spür- als sichtbar. Grillen singen ihr nächtliches Lied, Frösche quaken ihr Konzert aus hunderten Kehlen, es raschelt leise, eine Maus, ein Igel auf nächtlichen Streifzug oder eine Blindschleiche? Hoch oben leuchten die Sterne, so hell, so klar, Sternbilder werden sichtbar. Der Blick in den Sternenhimmel hat die Menschen schon immer fasziniert, inspiriert, zum Träumen verführt. Wer wollte nicht schon mal nach den Sternen greifen?

"Wollen wir weiter?" - René Riep schiebt den Vorhang etwas zur Seite und Tageslicht fällt in das Innere des Zeltes, das auf so wunderbare Weise, den Besucher in das nächtliche Westhavelland entführt. Ja, sicher, schließlich gibt es hier einiges zu entdecken im Naturparkzentrum (NPZ) in Milow. Die Einrichtung wird vom hiesigen Regionalverband des Naturschutzbundes (NABU) betrieben, dessen Geschäftsführer Riep ist.

Eine Mischung aus interaktivem Naturkunde- und Heimatmuseum und Touristeninformation: Wer die Natur der Region erkunden möchte, egal ob zu Wasser, zu Fuß auf den vielen herrlichen Wanderwegen oder auf dem Fahrrad, der kann sich im NPZ einen ersten Überblick verschaffen. "Genau das ist unser Anliegen. Die Menschen informieren und einladen, sich die schöne Natur anzusehen" sagt Riep, der das Naturparkzentrum seit 2005 leitet. Lernen, verstehen, der Natur achtsam begegnen, das sind die Anliegen der Naturschützer, die sie hier an die Besucher weiterreichen.

Der 1.315 Quadratkilometer große, von Wasser und weiten Niederungen geprägte Naturpark zwischen Pritzerbe und Neustadt/Dosse, lockt zunehmend Touristen. Im Coronajahr 2020 bemerkt Riep einen deutlichen Anstieg bei den Besucherzahlen. "Wenn man Abends am Gülper See unterwegs ist, kann man sehen, wie jede Parknische besetzt ist", so der 52-Jährige. Viele Touristen und Ausflügler, das ist gut für die vielen Unternehmen in der Branche. Und gleichsam schwierig für die Natur, zumindest dann, wenn sich nicht an die geltenden Regeln gehalten wird. Zu den auftretenden Problemen gehören "wilde Camper", also Leute, die ihr Zelt irgendwo in der Wildnis aufschlagen. Riep bittet: "Übernachtungen bitte nur in Ortslagen!"

Ähnliches gilt für die Wasserwege. "Ich bekomme täglich Anrufe, weil wieder ein Hausboot irgendwo anliegt, wo es nicht hingehört", beklagt Riep. Das ist für ihn doppelt ärgerlich. Zum einen, weil die Natur darunter leidet, Seerosen den Kuschelkontakt mit Booten nicht schätzen. In den Schilfgürteln wimmelt es von tierischen und pflanzlichen Bewohnern, die lieber für sich bleiben. Zum anderen, sagt Riep, könne er dagegen nicht vorgehen: "Mir fehlt hier jegliche Handhabe." Diese liege bei den Kommunen und Ordnungsämtern.

Das Westhavelland, das gleichsam Natur- und Sternenpark ist, erlebt gerade einen touristischen Boom. "Und darauf müssen wir reagieren", rät Riep. So würden an einigen beliebten Zielen die Parkmöglichkeiten einfach nicht mehr ausreichen.

Dies Problem stellt sich im Naturparkzentrum nicht. Hier durchstreift man das Westhavelland in zwei Räumen. Man kann dem Verlauf der Havel folgen, filmische Havelland-Impressionen genießen, eine Schautafel widmet sich den Wehren. Die auf den Tischen aufgebauten Mikroskope zeugen von der Verbundenheit zur Optikstadt Rathenow. Und dann ist da noch der geheimnisvolle Mann aus Milow oder besser sein Schädel und eine Tasse. Beides wurde bereits 1967 im Dorf entdeckt. Vor etwa 5.300 Jahren lebte der Mann, der hier seine letzte Ruhe gefunden hatte.

Im zweiten Raum warten Tierfelle, Federn, der Schädel eines Wildschweins auf Untersuchungen durch die Besucher. Hier heißt es nicht nur anfassen erlaubt, sondern ausdrücklich erwünscht. Tierspuren können gelesen werden, ein Röntgentisch lässt einen Blick ins Innere der Exponate zu. Auch das Zelt, das den Nachthimmel im Sternenpark Westhavelland imitiert, steht dort. Das dürfte besonders den kleinen Westhavelland-Entdeckern gefallen.

Für die Erkundungstouren hält man im NPZ Wanderkarten (4,90 Euro/Stück) und kostenlose Flyer zu den einzelnen Glanzlichtern wie den Gülper See oder den Storchenweg vor. Auch interessant: Der Veranstaltungskalender. Die Veranstaltungen sind von der aktuellen Corona-Lage abhängig. Bei Interesse sollte erfragt werden, ob und mit welchen Einschränkungen zu rechnen ist. In Milow selbst findet am Mittwoch, 12. August, zum Beispiel die Nacht der Sternschnuppen statt.

Das Westhavelland ist eine der dunkelsten Regionen Deutschlands.  2014 wurde sie zum ersten Sternenpark Deutschlands ernannt. Tagsüber lässt sich die Weite der Landschaft erleben, die schönen Dörfer mit Backstein- und Fachwerkhäusern. Und beinahe jedes dieser Dörfer hat "sein" Storchennest. Vögel lassen sich hier vortrefflich beobachten.

Für Ornithologe Riep gehören die Großtrappen und Kraniche und die vielen Gänse, neben den Störchen, zu den Attraktionen der Region. Einen Geheimtipp, seine Lieblingsecke im Naturpark, mag Riep nicht verraten. "Wer aufmerksam ist, hat gute Chancen einen Fischadler zu sehen. Zufallsbeobachtungen sind hier immer möglich", sagt er. Und dann fällt ihm doch noch ein Tipp ein: das Milower Apfelfest mit Saatgutbörse am 19.September.

Mehr Informationen hierzu und zur anstehenden Nacht der Sternschnuppen gibt es per E-Mail an npz@nabu-westhavelland.de. Ansonsten ist die die Einrichtung in Milow online auf www.nabu-westhavelland.de präsent und telefonisch unter 03386/211227 zu erreichen.

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