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Feuerwehrleute schuften ehrenamtlich

Steffen Göttmann / 16.04.2010, 12:01 Uhr - Aktualisiert 16.04.2010, 12:03
Altranft (In House) Eigentlich sollte die Feuerwehr Altranft schon ihre 100-Jahr-Feier vor zwei Jahren in einem neuen Feuerwehrgebäude begehen. „Wir hatten uns eigentlich darauf verlassen, doch dann wurde die Investition um ein Jahr verschoben“, berichtet Christian Niekammer. Er ist Mitglied der Altranfter Feuerwehr, stellvertretender Stadtbrandmeister und hat sein Hobby auch zum Beruf gemacht. Der Feuerwehrmann, der sich um die Jugendfeuerwehr kümmert, studiert Brandschutzingenieurwissenschaften in Magdeburg und steht kurz vor dem Abschluss.

„2009 sollten die Arbeiten beginnen, doch dann gab es Probleme mit dem Planungs- und Baugenehmigungsverfahren“, so Niekammer. Wegen des klammen städtischen Haushalts entschieden sich die Feuerwehrleute so viele Arbeiten wie möglich selbst zu übernehmen. „Wir haben fast alle erforderlichen Gewerke bei uns – Maurer, Putzer, Elektriker...“, erklärte der Altranfter.

Jeweils donnerstags von 17 bis 20 Uhr und an zwei Sonnabenden haben die 25 Feuerwehrleute die alte Fahrzeughalle entkernt, die Mauern mit Hochdruck gereinigt und die alten Elektroleitungen in Handarbeit entfernt. Darüber hinaus entfernten sie das Gestrüpp hinter der Halle und sanierten die Mauer, unterhalb der sich die Gärten der Häuser an der Schneiderstraße aneinander reihen. „Wir können natürlich nicht alles erledigen, wegen der Gewährleistung“, so Niekammer. Für Bau- und Elektroleistungen müssten Firmen beauftragt werden. Das Bauunternehmen, das den Zuschlag erhalten habe, komme der Stadt vom Preis her entgegen.

Die künftige Fahrzeughalle sei in den 1950er Jahren als Mähdrescher-Garage für den Landtechnischen Anlagenbau errichtet worden, erläuterte der Feuerwehrmann. Sie bietet genug Platz für die drei Fahrzeuge, die die Altranfter Feuerwehr unterhält: ein Mercedes-Löschfahrzeug (LF 16/TS) aus dem Jahr 1989 und ein Kleinbus der Marke Ford Transit, Baujahr 1999. Außerdem hegt und pflegt sie ein Framo-Kleinlöschfahrzeug, von dem es bundesweit nur noch zwei Exemplare gebe, wie Christian Niekammer versicherte. Der Oldtimer fährt nicht mehr zu Einsätzen, sondern dient der Traditionspflege und zieht bei Umzügen die Blicke auf sich. „Weil wir keinen Platz haben, ist er privat in einer Garage untergestellt“, sagte der stellvertretende Stadtbrandmeister. Daneben werde es für Männer und Frauen getrennte Duschen und Toiletten geben, eine Teeküche sowie einen Versammlungsraum. Ferner bietet das Gebäude Platz für ein Büro des Ortswehrführers, das auch vom Jugendwart mit genutzt wird.

Gegenüber des künftigen Feuerwehrgerätehauses liegt das Dorfgemeinschaftszentrum. Flankiert wird es von Garagen, die das Freilichtmuseum und der Traditionsverein nutzt.

Das alte Feuerwehrhaus ist nahezu abbruchreif. „Bei uns bricht der Boden schon durch“, so Niekammer. Wer seine Notdurft verrichten möchte, müsse sich draußen einen Baum suchen. Denn Sanitärräume gibt es nicht. „Unsere Leute müssen nach einem Einsatz mit schwarzen Händen und verschwitzt nach Hause gehen, weil es keine Duschen gibt“, beschrieb der Feuerwehrmann die misslichen Umstände, die zur Zeit zum Alltag der Altranfter Blauröcke gehören. Und das große Löschfahrzeug passt gerade so in die Halle. Der Fahrer muss Fingerspitzengefühl anwenden, um nicht anzuecken.

„Ich bin den Feuerwehrleuten sehr dankbar für ihre ehrenamtliche Hilfe“, sagt Bad Freienwaldes Bürgermeister Ralf Lehmann (parteilos). Ohne das Engagement seien derartige Investitionen kaum zu stemmen. Die Baukosten werden auf 250 000 Euro geschätzt. Vom vergangenen Jahr gebe es noch einen Überhang von 100 000 Euro, die für das Feuerwehrhaus Altranft im Haushalt eingeplant waren, in diesem Jahr fließen weitere 70 000 Euro. Die restlichen 80 000 Euro sollen in den Haushalt von 2011 eingestellt werden, erklärte der Bürgermeister.

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