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Heute ist Ehrentag des Unkrauts / Was für den Gärtner Arbeit bedeutet, bereitet Naturliebhabern Freude in der Küche

Überlebenskünstler Wildpflanze

Zartes Grün: Horst Rech zeigt erstes Unkraut in seinem Garten - Löwenzahn und Disteln.
Zartes Grün: Horst Rech zeigt erstes Unkraut in seinem Garten - Löwenzahn und Disteln. © Foto: MOZ/Lisa Mahlke
Lisa Mahlke / 28.03.2017, 06:00 Uhr
Bad Freienwalde (MOZ) So langsam sprießen sie aus dem Boden: Löwenzahn, Acker-Schachtelhalm, Giersch. Der heutige Ehrentag des Unkrauts zeigt, dass Wildkräuter nicht nur für Ärger sorgen, sondern auch vielerlei Nutzen haben.

"Zu allem, was der Gärtner nicht mag, sagt er Unkraut. Aber das gibt es ja nicht, das sind alles Wildkräuter", beschreibt Horst Rech. Zwar reiße ein Gärtner alles aus der Erde, was sich nicht als Nutzpflanze betiteln lässt, sagt er. Doch selbst er, als Vorsitzender des Kleingartenvereins "Dr. Schreber", beginnt erst einmal zu erzählen, dass Löwenzahn in der Küche Verwendung findet. "Kein Gärtner will Unkraut - oder eben Wildkräuter - im Garten haben. Aber deshalb verurteile ich es nicht. Das ist eine Sache der Betrachtung", sagt er. Der 60-Jährige nutzt Wildkräuter wie Löwenzahn zwar selbst nicht und auch Sauerampfersuppe ist ihm aus der Kindheit in schlechter Erinnerung geblieben. Doch für eine Unkrautart findet er doch Verwendung: "Jeder vernünftige Gärtner sollte eine Ecke mit Brennnesseln haben", sagt er. Denn daraus mache er Sud, der gegen Blattläuse hilft.

Die chemische Keule gegen Unkraut ist aus seiner Sicht hingegen nicht ratsam. "Ich möchte gesundes, ökologisches Obst und Gemüse, kein chemieverseuchtes", erzählt er. Und es scheint, als ob ihm das Unkrautjäten fast schon Spaß macht. "Ich gebe der Nutzpflanze eine Hilfe, indem ich das Unkraut wegmache, sodass sie nicht überwuchert wird."

Er zeigt in seinem etwa 500 Quadratmeter großen Schrebergarten eine Feuer-Lilie, die von einer anderen Pflanze, einem Wildkraut, umgeben ist. "Ich weiß nicht, wie diese Pflanze heißt. Aber sie hat ein sehr großes Wurzelwerk. Dies umschlingt die Knollen der Feuer-Lilie und würgt sie ab", beschreibt er. Deswegen würde er im Zweifel beide Pflanzen aus der Erde nehmen, durchsieben und dann nur die Feuer-Lilie wieder einsetzen.

"Garten bedeutet für mich Ausgleich, Freizeit, Erholung. Unkraut Jäten gehört zum Paket Garten dazu. Das ist mühselig, aber nicht lästig", erklärt er. Er findet, Unkraut habe auch seine Berechtigung und trage zur Artenvielfalt bei. "Und alles strebt Richtung Sonne. Da haben es Nutzpflanzen sogar schwerer, weil sie empfindlicher sind." Der Gärtner spricht davon, dass Wildkräuter wahre "Überlebenskünstler" seien. "Wenn nichts wächst, Unkraut wächst immer."

Nur eine Sorte fällt ihm ein, die er fürchterlich findet, weil sie so hartnäckig überall wächst: Acker-Schachtelhalm. "Das ist ein ständiger Kampf. Die Wurzeln sind so schwarz, dass man sie gar nicht sieht", beschreibt er.

Kerstin Götter, Geschäftsführerin des Hauses der Naturpflege, fällt direkt eine Verwendung ein: "Aus Acker-Schachtelhalm kann man Tee kochen. Der hat einen hohen Kieselsäureanteil, ist also gut für das Bindegewebe und die Haare", erklärt sie. Dass es einen Ehrentag des Unkrauts gibt, findet sie gut. "Für viele Menschen gibt es Unkraut. Wenn ich das so sage, meine ich es liebevoll. Denn eigentlich heißt es Wild- oder Beikraut. Das ist nicht züchterisch bearbeitet", erklärt sie und hat direkt Tipps parat:

Aus Giersch und Salz entsteht Kräutersalz, Wildschnittlauch wächst bereits seit drei Wochen, Gänseblümchen schmecken toll, Löwenzahn macht sich gut im Salat und Brennnesseln eignen sich nicht nur für Tee. "Ich setze sie immer mit Wasser oder Apfelsaft an, püriere sie und seihe das dann ab", erklärt sie. Selbst für Salat eignet sich die Pflanze, wenn vorher die Brennhaare mit einem Nudelholz platt geklopft werden.Brennnesseln regen den Organismus an, sind entwässernd und fördern die Giftstoffe aus dem Körper, weiß die Fachfrau.

Ein Vorteil von Wildkräutern sei, dass sie reichhaltigere Inhaltsstoffe haben. Die bei Gemüse weggezüchteten Bitterstoffe seien noch in natürlicher Konzentration vorhanden. "Sie wirken anregend auf das Verdauungssystem", sagt sie. Man müsse nicht 1000 verschiedene Sorten kennen, aber es mache einfach Spaß, Kräuter zu nutzen. "Es ist auch schön, dies Kindern beizubringen", sagt Kerstin Götter.

Straßenränder oder Bereiche, zu denen Hunde Zutritt haben, seien nicht geeignet. "Wildkräuter sammelt man ein bisschen abseits." Sie empfiehlt, Bücher zum Thema zu lesen, verschiedene Quellen anzuzapfen, Kurse zu besuchen - und nicht alle Wildkräuter einfach zu essen

Seminar "Frühlingskräuter erkennen und verwenden", 22. April, 14.30 Uhr, Haus der Naturpflege. Anmeldung unter Telefon 03344 3582 oder E-Mail verein@haus-der-naturpflege.de

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