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In der Kleiderkammer des DRK finden warme Sachen gerade reißenden Absatz / Fünf Mitarbeiter beschäftigt

Winterjacken und Pullover gefragt

Heike Jänicke / 10.01.2018, 07:30 Uhr
Bad Freienwalde (MOZ) In der Kleiderkammer des DRK in der Eberswalder Straße herrscht derzeit Hochbetrieb. Vor allem Winterjacken und warme Pullover sind bei den gegenwärtigen Temperaturen gefragt. Fünf Frauen und Männer sorgen dafür, dass die Altkleider sauber in die Regale kommen.

Es ist Dienstagmorgen. Doris Schmidt ist gerade von ihrer ersten Tour durchs Oderbruch zurück. Die 61-Jährige verrichtet zurzeit beim DRK einen Bundesfreiwilligendienst. "Die Arbeit hier macht mir Spaß. Hier bin ich unter Leuten. Sonst würde ich zu Hause sitzen und nichts tun", sagt die Bad Freienwalderin, die einst als Verkäuferin tätig war und über eine geförderte Arbeitsmaßnahme schon einmal in der Kleiderkammer gearbeitet und daran Gefallen gefunden hat. "Zurzeit bin ich die Abholerin", meint sie schmunzelnd und gibt zu, gern am Steuer zu sitzen. Mit einem Kleinbus fährt sie gemeinsam mit einem Kollegen die 24 Altkleidercontainern an, die das DRK im Altkreis Bad Freienwalde aufgestellt hat. In regelmäßigen Abständen werden sie geleert beziehungsweise spätestens dann, wenn Bürger anrufen und mitteilen, dass die Container voll sind. "Inzwischen kenne ich die Touren. Und die Leute freuen sich, wenn wir kommen und die Sachen abholen", erzählt Doris Schmidt. Denn nicht nur die Container werden geleert, die Mitarbeiter des DRK fahren auch zu Privaten, um Kleidung für Erwachsene und Kinder, Spielsachen, Wäsche und anderes mehr, was nicht mehr benötigt wird, abzuholen. "Die Leute sind froh, sonst würde vieles, was noch gut ist, im Müll landen", so Doris Schmidt.

Bei den momentanen Temperaturen sind vor allem Winterjacken und -schuhe gefragt genauso wie wärmendes Bettzeug. "Und was immer gebraucht wird, sind Kleidungsstücke in großen Größen sowie Kinderbekleidung", fügt Birgit Wiedmann, DRK-Geschäftsstellenleiterin in Bad Freienwalde, hinzu und weist auf die gut sortierte Kinderabteilung der Kleiderkammer hin. Dort findet sich alles, was Kinder benötigen - von Schuhen über Jacken, Shirts, Hosen und Pullover bis zu Mützen und Schals. Auch Bücher und Spielsachen gibt es.

Zu haben sind die Sachen für einen kleinen Obolus. Die Preise legt das Sozialamt des Landkreises fest, erklärt Birgit Wiedmann. Wer in der Kleiderkammer einkaufen möchte, muss die Bedürftigkeit beispielsweise in Form einer Hartz-IV-Bescheinigung nachweisen. Das sei aber für die meisten kein Problem. Nur wenige würden Scham haben, in der Kleiderkammer einkaufen zu müssen, meint Birgit Wiedmann, die allerdings auch weiß, dass der Bedarf an gebrauchter Kleidung immer größer werde.

Zu den Stammkunden gehört inzwischen Ivonne Leukroth. Die 42-Jährige ist froh, dass es die Kleiderkammer des DRK gibt. "Der ist eher etwas für mich", sagt die Falkenbergerin und schaut sich einen rosafarbenen Winterpullover an, den Simone Behrens, die bereits seit 2015 in der Kleiderkammer tätig, aus einem der Regale genommen hat. "Es gibt auch wirklich richtig schöne Sachen hier", sagt Ivonne Leukroth. Vor allem für ihren kleineren Sohn findet sie immer etwas Passendes, und das für wenig Geld.

Und während sich die Falkenbergerin noch ein wenig umschaut, holen Simone Behrens, Doris Schmidt und Reiner Hartwig Sack um Sack aus dem vor der Tür parkenden Kleinbus. Nicht alle der darin befindlichen Kleidungsstücke sowie Wäsche und Spielzeug sind noch zu gebrauchen. "Hier sind Handschuhe", ruft Birgit Wiedmann mit Blick auf eine verschmutzte und übel riechende Bettdecke. "Manchmal stinkt es hier ganz schön, wenn die Säcke aufgemacht werden." Und nicht nur Kleidung landet in den Containern, sondern auch alte Kochtöpfe, kaputtes Geschirr oder Sitze, wie die Frauen wissen. "Zunehmend entsorgen die Leute ihren Müll in die Container", bedauert die Geschäftsstellenleiterin. Nicht nur dass das den Mitarbeitern in der Kleiderkammer gegenüber unfair ist, wer will schon im Müll kramen. Sie könnten sich auch verletzen, an Scherben oder scharfen Kanten, weiß Birgit Wiedmann aus Erfahrung. Sie bittet deshalb darum, nur saubere und tragbare Kleidung in die Container zu werfen. "Also Sachen, die derjenige auch selbst noch tragen würde."

Öffnungszeiten der DRK-Kleiderkammer in Bad Freienwalde, Eberswalder Straße 53: Montag, Mittwoch, Donnerstag von 10 bis 15 Uhr, Dienstag von 10 bis 16.30 Uhr. Tel: 03344 3562

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