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MOZ-Leser ärgert sich über zu viel Streusalz in Bad Freienwalde / Fahrzeugcomputer ermittelt genaue Menge

Beschwerde
"Die Straßen sind weiß"

Keine Willkür: "Und hier kommt das vorher genau dosierte Auftausalz heraus", erklärt Frank Hundrieser vom Landesbetrieb Straßenwesen an einem der vier Winterdienstfahrzeuge des Landesbetriebes.
Keine Willkür: "Und hier kommt das vorher genau dosierte Auftausalz heraus", erklärt Frank Hundrieser vom Landesbetrieb Straßenwesen an einem der vier Winterdienstfahrzeuge des Landesbetriebes. © Foto: MOZ/Heike Jänicke
Heike Jänicke und Nadja Voigt / 11.01.2018, 20:00 Uhr
Bad Freienwalde/Wriezen (MOZ) Bei Temperaturen unter dem Gefrierpunkt, wie sie derzeit herrschen, werden auf Straßen und Wegen wieder Streumittel ausgebracht. Zuviel, wie MOZ-Leser Dietmar Gramzow findet.

"Die Straßen sind weiß", konstatierte der Bad Freienwalder zu Beginn der Woche in der Redaktion des Oderland-Echos. "Da wurde viel zu viel Salz gestreut." Das schädige den Beton, die Pflastersteine und die Straßenbäume, meint Dietmar Gramzow. Er sei kein grundsätzlicher Gegner der Verwendung von Salz, doch nur bei Unwetterwarnungen und Blitzeis dürfe es seiner Meinung nach zum Einsatz kommen. "Wir Grundstücksbesitzer müssen uns auch daran halten."

Den Winterdienst übernimmt im Auftrag der Stadt Bad Freienwalde das in Eberswalde ansässige Garten- und Landschaftsbauunternehmen KIS GmbH. Seit mehr als zehn Jahren räumen dessen Mitarbeiter die Straßen der Stadt und inzwischen auch in den Ortsteilen von Schnee und streuen bei Eis - mit Sand und im Ernstfall mit Salz. Das war am Dienstag und Mittwoch der Fall, wie KIS-Geschäftsführer Dietrich Baum auf Nachfrage dieser Zeitung bestätigt. Laut städtischer Straßenreinigungssatzung dürfe Salz in größerem Stil nur dann eingesetzt werden, wenn es zu Eisregen oder zu solch gefährlichen Situationen wie am Mittwoch kommt, so Baum. "An diesem Morgen hatte sich Nebel abgesetzt und war auf dem kalten Straßenkörper überfroren. Das passiert immer dann, wenn der Straßenkörper kälter ist als die Lufttemperatur", erklärt Baum. In solchen Fällen dürfe das Unternehmen dann auch dort Salz streuen, wo sonst nur Sand zur Abstumpfung aufgebracht werde. "Und bei uns ist die Salzmenge festgelegt. Das sind 15 Gramm pro Quadratmeter. Darauf werden alle 15 Fahrzeuge vor jeder Wintersaison geeicht", versichert der KIS-Geschäftsführer. Nicht nur aus Umweltbelangen sei das Unternehmen angehalten, nicht zu viel Salz auszubringen, sondern auch aus rein wirtschaftlichem Aspekt. "Denn Salz ist teuer", so Frank Baum.

Und während sein Unternehmen für den Winterdienst auf den Gemeindestraßen zuständig ist, sorgt der Landesbetrieb Straßenwesen mit der Straßenmeisterei in Bad Freienwalde in der Region auf 240 Kilometer Landes- und Bundesstraßen für schnee- und eisfreie Fahrbahnen. "Wir verwenden kein pures Salz, sondern Auftausalz, das nach "TL Streu' konfiguriert ist", erklärt Leiter Frank Hundrieser. "Das heißt, dem Salz wird Sole zugespritzt, so dass es lange liegen bleibt und damit seinen Nutzen erfüllt", so Hundrieser. Die Menge bestimmt nicht allein der Fahrer des Winterdienstfahrzeuges. "Wir setzen natürlich auf Erfahrungswerte unserer langjährigen Mitarbeiter. Aber die genaue Menge gibt ein Computer vor", so Hundrieser. Der Computer befindet sich in der Fahrerkabine des Fahrzeugs und wird über eine außen am Fahrzeug angebrachte Thermokamera mit den nötigen Daten gefüttert.

"Mir sind keine Vorschriften bekannt, in welchen Mengen das Salz ausgebracht werden darf. Bei der ausnahmsweisen Anwendung sollte der Herstellerangabe gefolgt werden", sagt dazu Helge Suhr, Bau- und Ordnungsamtsleiter im Amt Barnim-Oderbruch. In Neutrebbin, Bliesdorf, Oderaue und Neulewin sind Dienstleistungsunternehmen mit dem Winterdienst auf den Gemeindestraßen beauftragt. In Einzelfällen unterstützen die örtlichen Landwirte. In Prötzel und Reichenow-Möglin führen die Gemeindearbeiter den Winterdienst allein durch. Für die Gehwege sind vornehmlich die Grundstückeigentümer verantwortlich - entsprechend den Straßenreinigungssatzungen der Gemeinden. "Nur in Neulewin und Neutrebbin hat die Gemeinde den Winterdienst auf einzelnen Gehwegabschnitten übernommen", schränkt Helge Suhr ein. Dafür müssten aber Gebühren bezahlt werden.

In den Satzungen ist die Verwendung von Salz geregelt, so Suhr weiter. "Generell sind Salz und andere auftauenden Stoffe im öffentlichen Raum verboten. Ausnahmsweise ist die Verwendung gestattet bzw. sogar notwendig bei besonderen Wetterlagen wie Eisregen, wenn durch abstumpfende Mittel keine Verkehrssicherheit zu erzielen ist." Außerdem ist Salz auf besonders gefährlichen Stellen auf Gehwegen erlaubt wie Treppen, Rampen oder starken Gefällestrecken.

"Im Sinne des Umweltschutzes sollte auf Salz so weit wie möglich verzichtet werden, auch auf den privaten Grundstücken. Es bestehen bereits jetzt erhebliche Belastungen der Grund- und Oberflächenwasservorkommen. Dorthin wird das Salz irgendwann nämlich ausgewaschen", unterstreicht Helge Suhr. Auch die Straßenbäume litten deutlich unter Salz. "Meistens reicht Sand oder Splitt als Abstumpfung aus. "

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