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Stadt als Verpächter des Grundstücks an der „Mühlenfließaue“ lädt am 8. Mai zum Gespräch ins Rathaus ein

Streit
Garagenbesitzer wollen kämpfen

Heike Jänicke / 13.04.2018, 07:30 Uhr
Bad Freienwalde (MOZ) Die Stadt will 93 Garagen abreißen. Dazu gehört auch der Komplex an der „Mühlenfließaue“. Die Eigentümer der 26 Garagen sind entsetzt darüber und wollen den Abriss um jeden Preis verhindern. Der Grund und Boden gehört aber der Stadt.

Im Stadtgebiet gibt es 407 Einzelgaragen. Mit einem „Garagenentwicklungskonzept Kernstadt Bad Freienwalde“ will die Verwaltung nun die Grundlage für den Abriss eines Teils der Garagen und damit neue Bauflächen schaffen. Davon betroffen ist der Komplex am Mühlenfließ. Doch noch ist keine Entscheidung gefallen. Ein Teil der Hauptausschussmitglieder hatte Bauchschmerzen, einen Beschluss zu fassen, ohne die Eigentümer vorher gehört zu haben. Das soll jetzt passieren. Die 26 Eigentümer sind am 8..Mai ins Rathaus eingeladen.

Rita Otto ist entsetzt. Seit mindestens 15 Jahren sind sie und ihr Mann Besitzer einer der Garagen. Für 800 Euro haben sie diese damals gekauft. 33 Euro würden sie jährlich an Pacht zahlen. „Die mögen zwar für Herrn Texdorf von der Stadtverwaltung Peanuts sein, aber für mich nicht. Ich bekomme 480 Euro Erwerbsminderungsrente. Ich habe seit 2011 Brustkrebs. Und wir brauchen die Garage. Mein Mann muss mich zu allen Arztterminen und Behandlungen fahren“, erzählt die Bad Freienwalderin, die im GWG-Block an der Wasserstraße wohnt, am Donnerstag bei einem Termin mit der MOZ vor Ort. „Ich verstehe das alles nicht. Alle 26 Garagen sind belegt“, fügt sie hinzu. Und Müll liege nicht rum. Da gebe es ganz andere Dreckecken.

Zufällig kommt Bärbel Gunia dazu. Die 76-Jährige will ihr Auto aus der Garage holen. Auch sie hat kein Verständnis für das Vorgehen der Stadt. „Wir haben die Garagen damals mit gebaut. An Material zu kommen, war nicht so einfach“, berichtet sie. Mitte der 1980er-Jahre sei der „Garagenkomplex Block 6, Wasserstraße“, wie er in ihrem Vertrag heißt, gebaut worden. Und die Garagen seien immer belegt gewesen. Schon damals sei es schwierig gewesen, eine Garage zu bekommen.

Daran hat sich offenbar nichts geändert, wie Elke Niekammer, die sich für alle Eigentümer um das Weiterleiten der Stromzählerstände der Garagen kümmert, bestätigt. „Wir haben jetzt sogar eine Warteliste“, sagt die Bad Freienwalderin. Sie und Bärbel Gunja können sich noch daran erinnern, dass es beim Bau der Garagen Probleme mit dem Grundwasser gegeben habe. „Deshalb mussten wir mit dem Fundament tiefer rein – 1,20 Meter. Das ist für Garagen ungewöhnlich“, erklärt die heute 69-Jährige und ergänzt: „Beim Buddeln sind sie auf eine Gasleitung gestoßen. Deshalb musste der Bau  umprojektiert werden und stehen die Garagen so wie jetzt sind.“ Sie findet es unmöglich, wie die Stadt einfach über die Köpfe der Eigentümer entscheiden wolle. „Es gibt viele ältere Menschen, die die Garagen brauchen“, blickt sie zu Christa Mader. Die 78-Jährige hat eine Garage gemietet, für ihren Scooter – ein Elektromobil. „Wo soll ich das denn dann hinstellen. Draußen vor dem Wohnblock kann ich es nicht stehen lassen. Im Treppenhaus ist dafür kein Platz. Und außerdem muss ich es jeden Tag aufladen“, sagt die gehbehinderte Frau, die ohne das Fahrzeug aufgeschmissen ist.

Das könne alles nicht wahr sein. „Wenn die Stadt möchte, dass wir die Garagen mit frischer Farbe streichen, dann machen wir das“, mischt sich Brigitte Freund ins Gespräch ein. Auch sie besitzt eine Garage, seit 2000, und will darauf nicht verzichten. „Wo sollen denn die Autos hin, wenn die Garagen abgerissen werden? Und die Versicherungen freuen sich“, sagt sie aufgeregt. Bisher hätten sie noch keine Probleme mit Einbrüchen gehabt. „Das ist typisch Freienwalde“, sagt Andreas Presser. Der 42-Jährige ist gerade auf dem Weg zu seiner Garage. Er will eine Runde mit dem Motorrad drehen. Was er mit typisch meint, bringt er schnell auf den Punkt: „Es werden Sachen entfernt, bevor eine Alternative da ist. Siehe Brücke.“ Das Schlimme sei, dass die Stadt etwas entscheiden wolle, ohne mit den Betroffenen überhaupt gesprochen zu haben.

Für die Frauen indes steht fest: Sie wollen dafür kämpfen, dass die Garagen stehen bleiben.

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