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Janine Linke erhält Möglichkeit, Pflegefachkraft zu werden – dank ihrer Arbeitgeberin

Pflege
Eine Fachkraft mehr in Aussicht

Uwe Linke und Pflegetochter Janine (23) aus Bruchmühle
Uwe Linke und Pflegetochter Janine (23) aus Bruchmühle © Foto: Jens Sell
Jens Sell / 14.06.2018, 07:00 Uhr
Strausberg (MOZ) Janine Linke wird mit der G. u. B. Hauskrankenpflege Strausberg einen Ausbildungsvertrag abschließen und beim Sowi Altenpflegerin lernen. Die Agentur für Arbeit traut ihr die Ausbildung nicht zu, ihre Arbeitgeberin schon.

Der Bedarf an Pflegefachkräften steigt stetig an. Nach dem aktuellen statistischen Bericht braucht Brandenburg bis 2030 13­­ 000 neue Altenpfleger und 25 000 Altenpflegehelfer. „Da sollte man dankbar für jeden Bewerber sein, der sich diesem unterbezahlten, verantwortungsvollen Problemberuf zuwendet“, sagt Christiane Grasnick, Mitinhaberin der G. u. B. Hauskrankenpflege in der Strausberger Kastanienallee. Bei ihr arbeitet Janine Linke, seit sie ihren 200-Stunden-Pflegehelfer-Kurs absolviert hat. Sie will unbedingt die reguläre Ausbildung zur Pflegefachkraft absolvieren, um auch die medizinische Behandlungspflege leisten zu können. Janine hat sich das in den Kopf gesetzt, nachdem sie zunächst die Förderschule und dann ein berufsvorbereitendes Jahr absolvierte und schließlich die erweiterte Berufsbildungsreife zu erlangen. Die nützte ihr aber nichts, als sie sich bei der Agentur für Arbeit um einen Bildungsgutschein für die Ausbildung bemühte. Sie habe den Mathetest beim Psychologen nicht bestanden, gab man ihr Bescheid. Die zunächst in Aussicht gestellte Variante, erst einmal nur den Kurs zum anerkannten Pflegehelfer, der dem ersten Lehrjahr entspricht, zu finanzieren und dann, bei erfolgreichem Abschluss, den Einstieg in das zweite Lehrjahr zu ermöglichen, stand nicht mehr zur Debatte.

Dass Christiane Grasnick aus der Erfahrung des Pflegealltags betonte, Janine die erfolgreiche Ausbildung hundertprozentig zuzutrauen, verpuffte. „Stattdessen soll ich im nächsten April den einjährigen Kurs beginnen“, berichtet eine maßlos enttäuschte Janine Linke, „dann könnte ich ein Jahr später noch ein halbes Jahr praktisch arbeiten und dann, im Oktober 2020, in das zweite Lehrjahr einsteigen. Das bedeutet, in vier Jahren hätte ich den Abschluss als Pflegefachkraft.“

Aber den hatte sie ja schneller angestrebt, schließlich arbeitet die 23-Jährige inzwischen schon lange in der Pflege. „Und das sehr erfolgreich“, sagt ihre Arbeitgeberin Christiane Grasnick. Die ergreift nun selbst die Initiative und wird mit Janine Linke einen regulären Ausbildungsvertrag abschließen. Sie wird dafür keinen Zuschuss erhalten, das Land wird die schulische Ausbildung an der Altenpflegeschule Sowi ganz regulär finanzieren.

„Damit kann Frau Linke ein Jahr früher ihren Abschluss erreichen, wenn ihre Anmeldung demnächst eingeht“, sagt der Leiter des Sowi, Gregor Weiß. „Plätze für Oktober haben wir noch.“ Die Ausbildung in den Pflegeberufen befinde sich derzeit völlig im Umbruch, so der Schulleiter. Hat doch die alte Bundesregierung noch kurz vor Toresschluss das Pflegeberufsgesetz beschlossen, das am 1. Januar 2020 in Kraft tritt und erstmals die Berufe des Gesundheits- und Krankenpflegers, der Kinderkrankenpfleger und der Altenpfleger als Pflegefachkraft zusammenführt. „Das bedeutet, dass die Auszubildenden künftig in all diesen Fachrichtungen Praktika absolvieren müssen“, sagt Gregor Weiß. Bei 150 Pflegeschülern allein in der Strausberger Schule dürfte das ein ziemlicher Ansturm auf Krankenhaus, Kinderarztpraxen und Pflegeeinrichtungen werden. „Gut, dass wir eine Kindernachsorgeklinik in Aussicht haben, in der das auch möglich sein wird“, sagt Weiß. Doch die Bewerber für den Beruf werden kaum den Bedarf decken, denn Brandenburg braucht bis 2030 auch 18 000 Gesundheits- und Krankenpfleger. Wenn sich in stationären Pflegeeinrichtungen die Fachkräfte und Pflegehelfer in die Behandlungs- und Grundpflege teilen können, sei diese Arbeitsteilung in ambulanten Diensten unmöglich: „Dort muss die Fachkraft losfahren, die auch mit Notfällen umgehen kann und die gesamte Pflege beherrscht.“ Genau das, was Janine Linke werden will.

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