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Abgescannte Zeugnisse als Anhang an eine Mail - das ist vielen Ausbildern doch etwas zu wenig.

Bewerbung
Ausbilder wollen die Form wahren

Erfolgreich ausgelernt: Chris Braun (l.) hat im Betrieb von Lothar Mielke (r.) eine Ausbildung zum Kfz-Mechatroniker in der Nutzfahrzeugtechnik gemacht. Zu seiner Bewerbung gehörte das übliche Anschreiben dazu. Für den jungen Mann selbstverständlich und keine besondere Herausforderung.
Erfolgreich ausgelernt: Chris Braun (l.) hat im Betrieb von Lothar Mielke (r.) eine Ausbildung zum Kfz-Mechatroniker in der Nutzfahrzeugtechnik gemacht. Zu seiner Bewerbung gehörte das übliche Anschreiben dazu. Für den jungen Mann selbstverständlich und keine besondere Herausforderung. © Foto: Josefine Jahn
Josefine Jahn / 13.07.2018, 07:30 Uhr
Seelow (MOZ) Um jungen Menschen den Berufseinstieg zu erleichtern, hat die Deutsche Bahn ihr Bewerbungsverfahren geändert – auf ein Anschreiben darf verzichtet werden, Lebenslauf und Zeugnis genügen. Ausbildungsbetriebe in Seelow bleiben eher bewährten Verfahren treu.

Was motiviert junge Leute dazu, einen bestimmten Beruf in einem bestimmten Betrieb zu erlernen? Wenn es nach der Deutschen Bahn geht, ist das erst einmal irrelevant. Angehende Azubis sollen von den Mühen verschont bleiben, die das Aufsetzen eines Bewerbungsschreibens mit sich bringen.

Regine Reim, Ausbildungsleiterin in der Kreisverwaltung Märkisch-Oderland, nennt mehrere Gründe, weshalb der Landkreis als Ausbildungsstätte nicht auf das Anschreiben verzichten möchte. „Wir wollen erfahren, warum sich der Bewerber ausgerechnet hier um eine Lehrstelle bemüht“, sagt sie. Beim Landkreis lernen sowohl Auszubildende als auch Studenten. Auch die Vielzahl der Ausbildungsmöglichkeiten rechtfertige ein Anschreiben, das dem „Bewerber die Möglichkeit gibt, seine Motivation genau zu beschreiben“, erklärt Regine Reim. Außerdem verlange der Beruf gute Kenntnisse in Rechtschreibung und Grammatik, die auf diesem Weg geprüft werden können. „Das Bewerbungsschreiben bietet einen ersten Kontakt zwischen dem Bewerber und dem Ausbilder“, führt sie einen Punkt für das Anschreiben an.

Im Friseursalon Klier achtet Friseurmeisterin Doreen Wittke zwar auch auf die Form, ist aber weniger streng. „Ein ordentlicher Hefter, Lebenslauf und Anschreiben sind für den ersten Eindruck schon wichtig“, sagt sie. Der zweite Blick falle dann vor allem auf Praktika, die Bewerber während der Schulzeit absolviert haben. „Wenn es da in eine komplett andere Richtung ging, fällt das schon auf.“ Ein Interesse am Beruf muss erkennbar sein. Dafür lädt die Meisterin Ausbildungskandidaten zu einem Probearbeiten ein. „Da erlaubt der Gesetzgeber nur noch vier Stunden“, bedauert sie. Immerhin reiche die Zeit aber für einen besseren Eindruck, der über die Beurteilung der Schulnoten hinaus geht. „Schule ist Schule, das Zeugnis soll keine zu große Rolle spielen“, sagt Doreen Wittke. Dennoch achte sie auf die Fächer Deutsch, Mathematik und Chemie, in denen Bewerber einigermaßen fit sein sollten. Zum Beruf gehöre auch ein freundliches und gepflegtes Auftreten.

Vor zwei Jahren hat der 22-jährige Chris Braun seine Ausbildung zum Kfz-Mechatroniker in der Nutzfahrzeugtechnik bei der Landtechnik und Metallbau GmbH von Lothar Mielke abgeschlossen und wurde übernommen. „Ich habe mich ganz normal beworben, mit Anschreiben“, erinnert er sich und empfindet das Verfahren auch nicht als Zumutung. „Ich lege viel Wert auf die Form“, sagt sein Chef Lothar Mielke. „Wenn die nicht gewahrt wird, wird die Bewerbung erst gar nicht bearbeitet.“

Ein vernünftiges Anschreiben gehört für ihn selbstverständlich dazu. Der Unternehmer geht in die Schulen, um junge Erwachsene für Praktika zu begeistern. Auch Ferienarbeit sei eine gute Möglichkeit, einander und die betrieblichen Abläufe kennen zu lernen. „Was wir machen und verlangen, dass man sich auch dreckig macht, das lernt man dann gleich“, sagt Mielke. Seit 25 Jahren führt er seine Firma, seit 24 Jahren wird dort ausgebildet.

„Manche junge Leute kommen heute schon grußlos durch die Tür. Die schicke ich dann wieder raus und lasse sie überlegen, was sie vergessen haben“, berichtet Mielke. Gerade bei jungen Menschen könne er aus Zeugnissen und Lebenslauf allein nicht schlau werden. „Was soll denn in so einem jungen Leben schon viel passiert sein?“ Auf ein Anschreiben will Lothar Mielke in Zukunft auf keinen Fall verzichten. 27 Mechatroniker, Kfz-Schlosser und Bürofachangestellte haben in seinem Betrieb bisher ausgelernt, viele sind geblieben. Sie alle haben ein Bewerbungsanschreiben verfassen müssen. Geschadet hat es ihnen offensichtlich nicht.

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